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Berghof
28. September 2010 15:43; Akt: 29.09.2010 12:46 Print
«Hotel Hitler» erweist sich als Millionenflop
Ein Luxushotel bei Berchtesgaden soll helfen, den Ort von seiner NS-Vergangenheit zu befreien. Bisher ist das Projekt allerdings ideell und finanziell ein Misserfolg.

Das «Interconti» Berchtesgaden kämpft mit den Geistern der Vergangenheit.
Bilder vom «Berghof» fehlen in keinem Dokumentarfilm über den Nationalsozialismus, nicht zuletzt wegen der für jene Zeit seltenen Farbaufnahmen. Adolf Hitler fand solch grossen Gefallen an seiner Sommerresidenz in den bayerischen Alpen, dass er im nahen Berchtesgaden sogar seinen zweiten Regierungssitz einrichten liess. Auf dem Berghof selbst empfing der «Führer» ausländische Staatsgäste, beriet sich mit seinen Gefolgsleuten oder spielte mit seiner Schäferhündin «Blondi».
Das Kelhsteinhaus auf der Spitze des 1835 Meter hohen Kehlsteinbergs.(Bild: Keystone/Peter Kneffel)
Infografik
Der Zweite Weltkrieg
Obwohl die Anlage 1945 von den Alliierten bombardiert und nach dem Krieg gesprengt wurde, ist die Gegend seither «historisch kontaminiert», schreibt die österreichische «Presse».
«Keine Pilgerstätte für die Ewiggestrigen»
Um die negativen Assoziationen vom Obersalzberg zu vertreiben, entwickelte die bayerische Landesregierung vor Jahren ein «Zwei-Säulen-Modell». Zusätzlich zum 1999 eröffneten Informationszentrum sollte ein Luxushotel entstehen. Der Berg dürfe nicht zu einer Pilgerstätte Ewiggestriger werden, meinte der damalige CSU-Finanzminister Kurt Faltlhauser.
200 Meter von der Stelle entfernt, wo einst Hitlers Berghof stand, wurde 2005 schliesslich das Fünf-Sterne-Hotel «Intercontinental Berchtesgaden Resort» eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf 50 Millionen Euro. Fünf Jahre später weist das Hotel kumulierte Verluste von 18 Millionen Euro aus. Die Intercontinental-Gruppe braucht das nicht zu kümmern, denn sie ist als reine Management-Gesellschaft an Bord. Das Personal ist bei einer Betriebsgesellschaft angestellt, die wiederum der Bayerischen Landesbank angehängt ist.
«Historische Authentizität»
18 Millionen Euro klingt nach viel - zumal für die krisengebeutelte BayernLB -, wäre letztlich aber ein bescheidener Preis für die «Entnazifizierung» des Obersalzbergs. Der durchschlagende Erfolg des Besucherzentrums «Dokumentation Obersalzberg» offenbart indes die Schwierigkeit und vielleicht die Unmöglichkeit des Unterfangens. Während das Hotel halb leer steht, drängen sich hier jährlich Hunderttausende, die sich für die Geschichte des Obersalzbergs während der NS-Zeit interessieren. Ein wahrer Besuchermagnet ist das nahegelegene «Kehlsteinhaus», das letzte erhaltene Repräsentationsgebäude der Nazis mit seinem 124 Meter langen, in den Fels gehauenen Aufzug. Der Ort besitzt «historische Authentizität», erklärt sich Volker Dahm, Leiter der Dokumentation Obersalzberg, die hohe Anziehungskraft.
Wer Berchtesgaden hört, der denkt weiterhin an Hitler und seinen Berghof, obwohl beide vor langer Zeit verschwanden. Wer die Reise tatsächlich auf sich nimmt, geht eher ins Informationszentrum als ins Intercontinental. Eine Pilgerstätte für Ewiggestrige ist am Obersalzberg definitiv nicht entstanden. Aber ein Luxushotel hätte es dazu vermutlich nicht gebraucht.
(kri)






















