Mittelmeer

06. August 2017 18:18; Akt: 07.08.2017 11:44 Print

Rechtsextreme verfolgen Rettungsschiff

Um zu verhindern, dass Flüchtlinge nach Europa gelangen, sind rechtsextreme Aktivisten in einem gecharterten Schiff einem Rettungsboot in geringem Abstand hinterher gefahren.

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Das von Rechtsextremisten für eine Kampagne gegen Flüchtlinge gecharterte Schiff «C-Star» hat vor der Küste Libyens ein Rettungsschiff verfolgt. Die «C-Star» traf am Samstag in einem Gebiet rund 20 Seemeilen vor Libyen ein und fuhr dort in geringem Abstand hinter dem Rettungsschiff «Aquarius» her.

Vor der libyschen Küste fuhr die «C-Star» 30 bis 45 Minuten mit einem Abstand von wenigen hundert Metern hinter der «Aquarius» her, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP an Bord der «Aquarius» berichtete. Später folgte es dem Rettungsschiff aus grösserer Distanz.

Die Besatzung der «Aquarius», die von den beiden Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, wollte sich nicht dazu äussern, ob sie die Nähe der «C-Star» als Bedrohung empfand. Während die «C-Star» in der Nähe war, fuhr das Rettungsschiff allerdings mit doppelter Geschwindigkeit.

Protest gegen NGOs

Das von der Gruppe Defend Europe gecharterte Schiff hatte Anfang Juli den Hafen von Dschibuti verlassen und über den Suez-Kanal und Zypern Kurs auf die libysche Küste genommen. Am Samstag traf es dort ein. Die Besatzung will die libysche Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen und sie drängen, die Flüchtlinge zurück nach Libyen zu bringen.

Mit ihrer Schiffstour im Mittelmeer wollen die Rechtsextremisten zugleich gegen die Arbeit der privaten Seenotrettungsorganisationen protestieren, die vor Libyen Schiffbrüchige retten und die Flüchtlinge dann nach Europa bringen.

Mitte Mai hatten sie eine Kampagne im Internet gestartet und 76'000 Euro für die Anmietung ihres Schiffs eingesammelt. Hinter der Aktion stehen deutsche, französische und italienische Mitglieder der Identitären Bewegung.

Tunesien weist «C-Star» ab

Am Sonntag nahm die «C-Star» Kurs auf Tunesien. Fischer im Hafen von Zarzis an der Südostküste des Landes wollten ein Anlegen des Schiffes verhindern.

Auch Italien protestiert gegen die Aktivitäten privater Rettungsorganisationen. Rom wirft ihnen vor, die illegale Migration zu begünstigen.

Mit einem Verhaltenskodex für Hilfsorganisationen will die italienische Regierung die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge verringern. Italien will die Organisationen unter anderem verpflichten, bewaffnete Polizisten an Bord ihrer Rettungsschiffe mitzunehmen.

(sda)