Nun also doch

21. Juni 2012 10:04; Akt: 21.06.2012 11:03 Print

Polizeichef im Fall Trayvon Martin gefeuert

Er stand in der Kritik, weil er den Todesschützen von Trayvon Martin nicht verhaften wollte. Dann wurde er daran gehindert, zurückzutreten. Nun hat man Bill Lee doch noch entlassen.

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Der Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin löste in den USA neue Diskussionen über Rassendiskriminierungen aus. Der erst 17-Jährige wurde am 26. Februar 2012 in dieser Wohnanlage in Sanford, einem Vorort der Unterhaltungsmetropole Orlando im Bundesstaat Florida, erschossen. Trayvon Martin war unbewaffnet. Seine Leiche fand man in dieser Strasse. Schütze war der 28-jährige George Zimmerman, ein Weisser lateinamerikanischer Abstammung. Zimmerman ist Mitglied einer Nachbarschaftswache. Der bullige Student patrouillierte seit Monaten durch die eingezäunte Wohnanlage, in der es wiederholt zu Einbrüchen gekommen war. Die Polizei nimmt Zimmerman fest und bringt ihn aufs Polizeirevier, wie diese Bilder einer Überwachungskamera zeigen. Noch am selben Abend wird er zum Hergang befragt. Bei der Befragung gibt Zimmerman an, in Notwehr geschossen zu haben, weil er von Trayvon Martin bedroht worden sei. Er beruft sich dabei auf ein Gesetz, das in Florida seit 2005 existiert und besagt, dass jeder zur Waffe greifen kann, wenn er sich bedroht fühlt. Die Polizei glaubt ihm, Zimmerman wird nach einer Befragung freigelassen. Die Eltern des Opfers, Vater Tracy und Mutter Sybrina, glauben, dass ihr Sohn aus rassistischen Motiven erschossen wurde und gehen mit dem Fall an die Öffentlichkeit. Die Folge: Landesweit kommt es zu Protesten, Tausende gehen auf die Strasse (wie hier am 23. März in Philadelphia). Sie fordern Gerechtigkeit für den Tod des 17-jährigen Teenagers... Und das Aus des Waffengesetzes «Stand Your Ground» (Behaupte die Stellung), das Kritiker für einen «Erst schiessen, dann fragen»-Erlass halten. Die Proteste bringen den Gouverneur von Florida, Rick Scott, unter Druck. Er beschliesst, den Fall zu untersuchen und stellt eine Task Force ein. Bei der Leiche von Trayvon Martin wird neben einem Eistee auch eine Packung Skittles-Bonbons gefunden. Sie werden genauso zum Symbol des Protests wie die Kapuzenpullis, sogenannte «Hoodies». Als Trayvon Martin starb, trug er einen Kapuzenpulli. Viele sind überzeugt, dass das in den USA weit verbreitete Vorurteil, wonach alle Schwarzen in Hoodies kriminelle Gewalttäter seien, dem Teenager das Leben gekostet hat. Der «Hoodie»-Protest zog sich bis in die Politik. Der demokratische Kongressabgeordnete Bobby Rush löste mit seiner Aktion im Repräsentantenhaus, als er bei seiner Rede seinen Kapuzenpulli überzog, gar für einen Skandal. Die Basketballer der Miami Heat um Superstar LeBron James machten ebenso am Protest mit. Wie auch Bürgerrechtler Jesse Jackson. Am 12. April hat Sonderstaatsanwältin Angela Corey entschieden, George Zimmerman wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz anzuklagen. Dem Todesschützen droht eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren bis lebenslänglich. Neue Polizeifotos von George Zimmerman: Er befindet sich an einem unbekannten Ort in Florida in Untersuchungshaft und wartet dort auf seinen Prozess. Wann dieser beginnt, ist offen.

Der Fall Trayvon Martin.

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Im Mordfall um den US-Teenager Trayvon Martin stand Bill Lee, Polizeichef der Stadt Sanford in Florida, monatelang im Zentrum der Kritik - nun muss er gehen. Die Stadtverwaltung feuerte Lee.

Der Polizeichef habe das Vertrauen und den Respekt eines Teils der Gemeinde verloren, sagte Stadtdirektor Norton Bonaparte gemäss dem US-Nachrichtensender CNN vom Mittwochabend (Ortszeit).

«Wir müssen nun mit einem Polizeichef vorwärtsschreiten, den alle Bürger von Sanford respektieren können», sagte Bonaparte. Die Familie des Opfers respektiere die Entscheidung, sagte ein Anwalt der Angehörigen zu CNN.

Rücktrittsgesuch zunächst abgewiesen

Lee wollte bereits im April sein Amt abgeben, doch die Stadtverwaltung lehnte damals den Rücktritt ab. Im Februar hatte der freiwillige Wachmann George Zimmerman den unbewaffneten 17-jährigen schwarzen Teenager Martin erschossen.

Zimmerman berief sich auf Notwehrgesetze, und die Polizei liess ihn vorerst laufen. Erst nach einer landesweiten Welle der Empörung wurde er verhaftet und des Mordes mit bedingtem Vorsatz angeklagt. Ein Termin für die Hauptverhandlung steht noch nicht fest. Sollte Zimmerman verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

(sda)