Sieg von Thaksin-Partei

05. Juli 2011 15:13; Akt: 05.07.2011 15:13 Print

Ein «sehr harter Schlag» für Thailands Elite

Nach der Parlamentswahl in Thailand stehen die Zeichen auf Versöhnung. Das Militär will den Sieg von Yingluck Shinawatra akzeptieren – so lange sich ihr Bruder Thaksin zurückhält.

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Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra dominierte am Montag die Frontseiten der thailändischen Zeitungen. (Bild: Keystone/AP/David Longstreath)

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Seit der damalige Ministerpräsident Thaksin Shinawatra vor fünf Jahren durch das Militär gestürzt wurde, ist Thailand tief gespalten. Vor einem Jahr besetzten Thaksins Anhänger, die sogenannten Rothemden, wochenlang das Geschäftsviertel in Bangkok und forderten den Rücktritt des nun abgewählten Regierungschefs Abhisit Vejjajiva, der von den königstreuen Gelbhemden unterstützt wurde. Bei der gewaltsamen Räumung starben 92 Menschen.

Mit dem Sieg von Thaksins jüngster Schwester Yingluck Shinawatra und ihrer Puea-Thai-Partei bei der Parlamentswahl ist die Spaltung keineswegs beendet. Das Ergebnis ist jedoch ein klares Signal an die Adresse der Eliten und der Militärs, die hinter den Gelbhemden stehen. Sie hätten «einen sehr harten Schlag in die Magengrube» erhalten, sagte Roberto Herrera-Lim, Thailand-Experte und Direktor bei der Beratungsfirma Eurasia Group, zu CNN.

Wahlsieg bestätigt

Das Militär scheint die Botschaft verstanden zu haben. Es erkannte am Montag den Wahlsieg von Puea Thai an. Das Volk habe sich deutlich für Thaksins Partei ausgesprochen, sagte der scheidende Verteidigungsminister Prawit Wongsuwon nach Gesprächen mit Militärführern. Die Armee gilt in Thailand als äusserst mächtig. In dem südostasiatischen Land gab es in der Vergangenheit fast genauso viele Staatsstreiche wie Wahlen.

Auch die thailändische Wahlkommission hat das Resultat am Dienstag bestätigt. Nach dem amtlichen Endergebnis gewann die Partei von Yingluck Shinawatra 265 von 500 Sitzen im Parlament. Yingluck dürfte erstes weibliches Regierungsoberhaupt in der Geschichte des Landes werden. Um sich gegen mögliche Abweichler abzusichern, schmiedete sie eine Koalition mit 299 Mandaten. Mit vier kleineren Parteien sei sich die Puea Thai einig geworden, gemeinsam «die Probleme des Volkes zu lösen», sagte die 44-Jährige.

Rückkehr für Thaksin «keine Priorität»

Damit dürfte eine gewisse Stabilität garantiert sein. «Vorerst versuchen alle, das Richtige zu tun, um einen politischen Konflikt zu vermeiden», meinte Experte Herrera-Lim auf CNN. Das Militär allerdings werde in den nächsten Monaten genau beobachten, ob die Pro-Yingluck-Stimmung nur vorübergehend sei oder nicht, fügte er an. Denn nach wie vor befürchtet das thailändische Establishment, dass die neue Regierungschefin ihrem als Emporkömmling verhassten Bruder den roten Teppich zur Rückkehr in seine Heimat ausrollen wird.

Thaksin Shinawatra ist sich der Gefahr bewusst. «Meine Rückkehr hat keine Priorität», sagte der Multimilliardär in seinem Exil in Dubai vor Journalisten. Wichtiger sei die «Versöhnung». Das Volk wolle, dass der Konflikt zwischen den politischen Lagern beendet werde. Thaksin zerstreute auch Spekulationen, er wolle gar an die Spitze der Regierung zurückkehren: «Ich habe schon zu lange mit der Partei zu tun. Ich will mich wirklich zurückziehen.»

Rothemden fordern Untersuchung

Selbst wenn der 62-Jährige sein Wort halten sollte: Das Potenzial für neue Spannungen ist vorhanden. Die Rothemden forderten ihre politischen Verbündeten in der künftigen Regierung auf, eine Untersuchung der gewalttätigen Zusammenstösse im vergangenen Jahr einzuleiten. Es sei nach dem Wahlsieg die Aufgabe der Partei von Thaksin, «die Wahrheit herauszufinden», sagte einer ihrer Anführer, Nattawut Saikuar. Yingluck kündigte bereits an, die Arbeit einer eingesetzten Wahrheits- und Versöhnungskommission voranzutreiben.

Entscheidend wird auch sein, ob die Gelbhemden stillhalten werden, im Gegensatz zu 2008, als sie den internationalen Flughafen von Bangkok besetzt und so den Sturz der damals regierenden Thaksin-Partei erzwungen hatten. Eine Schlüsselrolle wird die Metropole Bangkok spielen, die mehrheitlich die Demokratische Partei des bisherigen Ministerpräsidenten Abhisit gewählt hat – ein Makel in Yinglucks Erfolgsbilanz, wie Roberto Herrera-Lim anmerkte. Sollte sich die neue Regierungschefin verkalkulieren, «dann könnte Bangkok erneut zum Zentrum von Anti-Thaksin-Protesten werden».

(pbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Keller am 05.07.2011 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Yingluk ist die Hoffnung Thailands

    Thailands Elite ist das Ammenmärchen der Redshirt- Leader. Wäre dem so, dann wäre auch Thaxin einer von Ihnen und der König ebenfalls, aber so einfach ist das nicht, es sind Interessengruppen, die wirtschaftliche Vorteile erhalten wollen auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber die arme Landbevölkerung, die mit ihren Demonstrationen ein Gesicht bekommen hat. Ihre Masse hat am Sonntag einen demokratischen Umsturz erwirkt. Vielleicht eine Chance für Thailand.

    einklappen einklappen
  • Heinz Vivian am 05.07.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Thailands Reiche

    Ich kenne Thailand seit 40 Jahren und seit 2002 fast permanent dort lebend. Ich habe kein Recht um mich dort in die Politik einzumischen, aber soziale Hilfe, wir dies hier haben, gibt es dort natürlich nicht, ausser die Familie. Was aber...wenn die Familie selbst sehr arm ist....??

  • Exp@t in Thailand am 06.07.2011 04:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem

    von Yingluck wird weniger von der snobby "Gelbhemden" Minderheit wie auch das "Militär" darstellen! Die Herausforderung Thailands wird die Chakri-Dynastie sein. Was passiert nach dem Ableben von HRM König Bhumipol? Wie geht es nach einer staatlichen, kollektiven Massen-Psychose weiter?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Exp@t in Thailand am 06.07.2011 04:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem

    von Yingluck wird weniger von der snobby "Gelbhemden" Minderheit wie auch das "Militär" darstellen! Die Herausforderung Thailands wird die Chakri-Dynastie sein. Was passiert nach dem Ableben von HRM König Bhumipol? Wie geht es nach einer staatlichen, kollektiven Massen-Psychose weiter?

  • Markus Keller am 05.07.2011 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Yingluk ist die Hoffnung Thailands

    Thailands Elite ist das Ammenmärchen der Redshirt- Leader. Wäre dem so, dann wäre auch Thaxin einer von Ihnen und der König ebenfalls, aber so einfach ist das nicht, es sind Interessengruppen, die wirtschaftliche Vorteile erhalten wollen auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber die arme Landbevölkerung, die mit ihren Demonstrationen ein Gesicht bekommen hat. Ihre Masse hat am Sonntag einen demokratischen Umsturz erwirkt. Vielleicht eine Chance für Thailand.

    • Markus Keller am 05.07.2011 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      Demokratie auf dem guten Weg

      Schuld an den 92 Toten und hunderten von verletzten sind die Rothemd Leader, die in provozierender Manier ihre Agressionen nach Bangkok getragen haben. Sie haben es zu verantworten, dass eine solche Eskalation stattgefunden hat, statt die Wahlen abzuwarten und einen demokratischen Abstimmungssieg einzufahren. Hitzköpfe wie Jatuporn, der noch immer hinter Gittern schmort braucht es nicht um (Patana) Fortschritte zu erreichen

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  • Heinz Vivian am 05.07.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Thailands Reiche

    Ich kenne Thailand seit 40 Jahren und seit 2002 fast permanent dort lebend. Ich habe kein Recht um mich dort in die Politik einzumischen, aber soziale Hilfe, wir dies hier haben, gibt es dort natürlich nicht, ausser die Familie. Was aber...wenn die Familie selbst sehr arm ist....??