Erdogan über Merkel

19. März 2017 14:47; Akt: 19.03.2017 16:12 Print

«Du benutzt gerade Nazi-Methoden»

Die deutschen Behörden hat er bereits mit den Nationalsozialisten verglichen. Nun attackiert Erdogan Angela Merkel persönlich.

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Die Türkei sei kein Land, mit dessen Ehre gespielt werden dürfe, sagt der Präsident des Landes: Recep Tayyip Erdogan spricht vor türkischen Verlegern in Ankara. (22. März 2017) Erneute «Nazi»-Keule aus der Türkei: Erdogan spricht zu seinen Anhängern in Istanbul. (19. März 2017) «Warum verstecken Sie Terroristen in Ihrem Land?», so der Vorwurf an die deutsche Kanzlerin: Recep Tayyip Erdogan, hier in Ankara. (29. Oktober 2016) Drohte mit Wahlkampfauftritt in Deutschland: Der türkische Präsident Erdogan spricht vor seinen Anhängern in Istanbul. (5. März 2017) Den inhaftierten «Welt»-Korrespondenten nennt Erdogan einen «Terroristen»: Deniz Yücel in Berlin bei der ZDF-Talkshow «Maybrit Illner». (21. Juli 2016) Auch er hat sich es mit Erdogan verspielt: Der Satiriker Jan Böhmermann im November 2016 in seinem Kölner Studio. Strafbare Handlungen nicht nachzuweisen: Das Verfahren gegen Jan Böhmermann wird eingestellt. Diesen Entscheid machte die Staatsanwaltschaft Mainz am 4. Oktober 2016 publik. Hat gegen zahlreiche Kritiker im In- und Ausland Prozesse angestrengt: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, hier in Istanbul. (7. Juni 2016) Gab sein Comeback: Jan Böhmermann. (Archivbild) Wegen des Aufruhrs über sein Erdogan-Schmähgedicht stand der Satiriker eine Zeit lang unter Polizeischutz. (Archivbild) Die Türkei forderte eine Strafverfolgung Böhmermanns. Merkel liess dies zu. «Ehrverletzungen unter dem Deckmantel der Satire sind und bleiben einklagbar»: Andreas Thiel, hier an der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien in Zürich. (12. Januar 2016) Er fragt sich, ob Recep Tayyip Erdogan nichts Besseres zu tun hat, als satirische Grenzen zu definieren: Komödiant Fabian Unteregger bei einem Auftritt in Sursee. (22. August 2015) «Das Gedicht ging zu weit und war nicht lustig, sondern plump», findet Schauspieler und Komödiant Marco Rima. «Nun kann der Sache mit den Ziegen auf den Grund gegangen werden», meint Satiriker Viktor Giacobbo. Jan Böhmermanns TV-Beitrag könnte für eine Staatskrise zwischen der Türkei und Deutschland sorgen. (Archivbild) Im ZDF beleidigte er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan weit unter der Gürtellinie. Das lässt sich Erdogan nicht gefallen. Hätte sich Merkel gegen eine Strafverfolgung ausgesprochen, wäre das Flüchtlingsabkommen in Gefahr gewesen. Das wäre für Merkel fatal.

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat der deutschen Kanzlerin Angela Merkel persönlich «Nazi-Methoden» vorgeworfen.

«Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an», sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul an Merkel gerichtet. «Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister-Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen», sagte Erdogan.

Mit Blick auf Europa sagte Erdogan, dort könnten «Gaskammern und Sammellager» wieder zum Thema gemacht werden, aber «das trauen sie sich nur nicht.» Offen liess Erdogan, wen er mit «sie» genau meinte.

Eiszeit zwischen der Türkei und Deutschland

Wegen der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker sind die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa zurzeit auf einem Tiefpunkt. Trotz heftiger Proteste aus der EU zieht Erdogan immer wieder Nazi-Vergleiche. Das Verhältnis zu Deutschland wird zusätzlich durch die Inhaftierung des «Welt»-Korrespondenten Deniz Yücel belastet.

Erdogan nannte Yücel am Sonntag erneut einen «Agenten und Terroristen». Vor knapp drei Wochen hatte ein Haftrichter in Istanbul nach 13 Tagen Polizeigewahrsam Untersuchungshaft für den Deutsch-Türken Yücel angeordnet. Diese kann fünf Jahre dauern, bis es zur Freilassung oder zum Prozess kommt. Yücel wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Volksverhetzung vorgeworfen.

Die Türken stimmen am 16. April über die Einführung eines Präsidialsystems ab, das Erdogan deutlich mehr Macht verleihen und das Parlament schwächen würde. Zur Wahl sind auch 2,9 Millionen wahlberechtigte Türken im Ausland aufgerufen, davon leben fast die Hälfte in Deutschland.

(sep/afp)