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Jahrestag
08. März 2009 22:35; Akt: 10.03.2009 09:45 Print
Tibet – 50 Jahre danach
Am 10. März 1959 versammelten sich Tausende von Tibetern in Lhasa, um den Dalai Lama vor dem Zugriff der chinesischen Truppen zu schützen. Es war das Startsignal für den tibetischen Volksaufstand.
Aufständische Mönche liefern ihre Waffen ab: Viele wurden von den chinesischen Truppen hingerichtet
Nicht weniger als
Mit dieser Massenversammlung spitzte sich eine Situation entscheidend zu, die bereits seit längerem gespannt war. Das riesige Hochland am Nordfuss des Himalaya war 1950/51 etappenweise unter die Herrschaft der chinesischen Kommunisten geraten. Zwar hatten diese den Tibetern im so genannten 17-Punkte-Abkommen Autonomie und freie Religionsausübung zugesichert, doch in der Folge hatte Peking seinen Griff stetig verstärkt. Von 1956 an gab es im Osten Tibets bewaffnete Widerstandsaktionen gegen die Besetzung, was wiederum chinesiche Strafaktionen nach sich zog.
Eine Einladung und ihre Folgen
Anfang März luden die chinesischen Machthaber den Dalai Lama zu einer Theateraufführung beim Hauptquartier der chinesischen Volksbefreiungsarmee ein, das ausserhalb von Lhasa lag. Das war ein ungewöhnlicher Schritt. Zudem bestanden die Militärs darauf, dass sich der Dalai Lama ohne Eskorte und Leibwache zum Hauptquartier begeben sollte.
Dies alarmierte die Tibeter: Zu Tausenden strömten sie am 10. März vor dem Palast zusammen, um den Dalai Lama am Verlassen seiner Residenz zu hindern und zugleich vor einem chinesischen Zugriff zu schützen. Obwohl es an diesem Tag — und auch an den folgenden Tagen — noch nicht zu einer blutigen Konfrontation mit dem chinesischen Militär kam, gilt der Vorfall gemeinhin als Beginn des tibetischen Volksaufstandes.
Am 12. März eskalierte die Lage weiter: Tibetische Demonstranten gingen auf die Strasse und verkündeten die Unabhängigkeit Tibets. Barrikaden wurden gebaut. Chinesische Truppen und tibetische Widerständler bauten ihre Stellungen aus. Chinesische Artillerie nahm vor dem Norbulinka Aufstellung.
Als am 17. März chinesische Granaten in der Nähe der Residenz einschlugen, entschloss sich der Dalai Lama zur Flucht; zwei Tage später brachen die offenen Kampfhandlungen aus.
Die schlecht ausgerüsteten tibetischen Verbände hatten nicht den Hauch einer Chance: Nach nur zwei Tagen hatte die Volksbefreiungsarmee den ungleichen Kampf für sich entscheiden. Die Rache folgte auf dem Fuss: Klöster wurden beschädigt, Menschen hingerichtet. Rund
Zahlreiche Tibeter verliessen ihr Land und folgten dem Dalai Lama ins Exil. Einige von ihnen verschlug es bis ins ferne Europa, wo sie in einem Bergland ganz anderer Art eine neue Heimat fanden: Die Schweizer Exil-Tibeter-Gemeinde ist eine der grössten ausserhalb Indiens.
Bildstrecke: Die Ankunft der Tibeter
«Das Problem im Keim ersticken»
50 Jahre danach herrscht in Tibet Ruhe — so weit dies von aussen überhaupt feststellbar ist. Denn nach Angaben von exiltibetischen Organisationen hat China seit Mitte Februar Tibet und angrenzende Regionen mit starker tibetischen Minderheiten für Ausländer gesperrt. De facto stehe das Hochland «unter Kriegsrecht». Das Militär zeige massiv Präsenz. Zu möglichen Protesten sagte der Politkommissar der paramilitärischen Truppen in Tibet, Kang Jinzhong, laut «China Daily»: «Wir werden besonders aufpassen, um das Problem im Keim zu ersticken.»
Peking hat allen Grund für Nervosität: Vor einem Jahr, am 14. März 2008, war es in Lhasa und in anderen tibetischen Städten zu Unruhen gekommen, in deren Verlauf Geschäfte von zugewanderten Han-Chinesen in Brand gesteckt und geplündert wurden. Die Sicherheitskräfte reagierten sofort und griffen hart durch. Nach chinesischen Angaben starben 22 Menschen, nach tibetischen waren es über 100.
(dhr)






















