Bahnbrechender Schritt

18. Oktober 2012 06:06; Akt: 18.10.2012 14:44 Print

Uruguay erlaubt Abtreibungen

Als erst zweites Land Lateinamerikas enkriminalisiert der Senat Uruguays Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei Monaten. Der Schritt sei längst überfällig gewesen, befinden Senatoren.

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Als eines von wenigen Ländern in Lateinamerika hat jetzt auch Uruguay Abtreibungen erlaubt. Nach dem Abgeordnetenhaus stimmte am Mittwochabend auch der Senat in Montevideo für den umstrittenen Gesetzentwurf. 17 Senatoren stimmten dafür, 14 dagegen.

Nach dem neuen Gesetz sollen Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nicht länger illegal sein. Allerdings müssen Frauen zunächst zu einer ärztlichen Beratung und anschliessend das Gutachten einer Kommission abwarten, die sich aus einem Gynäkologen, einem Psychologen und einem Sozialarbeiter zusammensetzt.

Zudem sollen Abtreibungen zu einem späteren Zeitpunkt künftig erlaubt werden, wenn die Mutter in Lebensgefahr schwebt oder Missbildungen des Fötus vorliegen. Vergewaltigungsopfer dürfen den Eingriff in den ersten 14 Schwangerschaftswochen vornehmen lassen.

Kuba als Vorreiter

In Lateinamerika ist Kuba bislang das einzige Land, in dem allen Frauen Abtreibungen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten erlaubt sind.

Präsident José Mujica hat anders als sein Vorgänger Tabaré Vázquez angekündigt, den Entwurf unterzeichnen zu wollen. Vázquez, von Beruf Arzt, hatte 2008 aus ethischen Gründen ein noch liberaleres Abtreibungsgesetz gestoppt.

Die konservative Opposition kündigte eine Unterschriftenaktion an, um die Neuregelung mit einem Referendum zu kippen. Diese spaltet die Bevölkerung des Landes: Laut jüngsten Umfragen sind 51 Prozent für die Liberalisierung und 42 Prozent dagegen.

30 000 Abtreibungen jährlich

Im vorwiegend katholischen Uruguay mit 3,4 Millionen Einwohnern werden nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen jährlich geschätzte 30 000 Abtreibungen vorgenommen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Zahlreiche Frauen sterben bei illegalen, heimlichen Abtreibungen.

Das derzeitige Gesetz aus dem Jahr 1938 bestraft Frauen, die eine Abtreibung vornehmen, mit bis zu neun Monaten Haft. Mitwirkende an Abtreibungen können mit bis zu 24 Monaten Gefängnis bestraft werden.

Nach Angaben des Senators Luis Gallo vom regierenden Mitte-links- Bündnis Frente Amplio wird nur ein winziger Bruchteil der Schwangerschaftsabbrüche strafrechtlich verfolgt. Deshalb sei die jetzt erfolgende Entkriminalisierung längst überfällig gewesen.

(sda)