Bundestagswahl

01. Oktober 2017 15:06; Akt: 01.10.2017 15:10 Print

Wie russische Fake-Tweets die AfD unterstützten

von Hannes von Wyl, Barnaby Skinner, Julie Jeannet - Die Datenbank der EU-Taskforce gegen Desinformation zeigt den russischen Informationskrieg. Auch die Wahl in Deutschland stand im Fadenkreuz.

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Ein Russe hat zugegeben, Falschinformationen in den Sozialen Medien zu verbreiten: Die Apps für Twitter und Facebook auf einem Smartphone. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

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Die East Stratcom Taskforce der Europäischen Union geht seit 2015 gegen russische Desinformation vor. Nun hat die Behörde ihre Sammlung mit über 3200 Einträgen der «Sonntags Zeitung» zur Verfügung gestellt. Hauptziel der Falschmeldungen aus Russland und Osteuropa sind die Nato und die Ukraine.

Die Flüchtlingskrise in Europa wird ebenfalls oft verwendet, mit dem Ziel der Stimmungsmache gegen westliche Regierungen. «Wir befinden uns in einem Informationskrieg», sagt Jakub Janda, Spezialist für Desinformationskampagnen.

Solche wurden besonders während den Wahlen in Frankreich und letzte Woche in Deutschland beobachtet. Ein Russe hatte AfD-freundliche Falschmeldungen auf Twitter publiziert und verbreitet – gratis und «zu gegenseitigem Nutzen», wie er laut einem Chat-Protokoll zugab.

Marketingfirma mit 30 Mitarbeitern

Das amerikanische Nachrichtenportal «Buzzfeed» hat Kontakt mit dem besagten Russen aufgenommen. Etwa 400 Kilometer östlich von Moskau betreibe er eine Marketingfirma mit 30 Mitarbeitern, wie er im Chat mit einer «Buzzfeed»-Journalistin sagte.

15'000 Tweets mit den Schlagwörtern «AfD» und «AfDwählen» seien vor dem Wahltag abgesetzt worden. Der Russe habe auch angeboten, Pro-AfD-Botschaften auf Facebook zu verbreiten. Er behauptet, kein Geld für die Dienste verlangt zu haben, da er mit der Rechtspartei «gemeinsame Interessen» hege. Auf eine Anfrage der «Sonntags Zeitung» reagierte die Partei darauf aber nicht.

AfD-Werbung auf russischen Sendern

Dass die Behauptung des Russen nicht von ungefähr kommt, bekräftigt Jakub Janda gegenüber der Zeitung: «Die AfD hat Russland öffentlich unterstützt. Der Kreml hat Interesse an einem Wandel der deutschen Politik gegenüber Russland.»

So seien in der Woche vor der Wahl Werbungen für die AfD im Satellitenprogramm russischer Sender eingeblendet worden. In Deutschland leben laut Bericht mehrere Millionen russischsprachige Bürger.