Armenienfrage

23. Januar 2012 22:41; Akt: 23.01.2012 23:43 Print

Genozid-Gesetz entzweit Türkei und FrankreichGenozid-Gesetz entzweit Türkei und Frankreich

Den Völkermord an den Armeniern zu leugnen ist in Frankreich neuerdings illegal: In Paris hat der Senat ein kontroverses Völkermordgesetz verabschiedet. Die Türkei will nun Frankreich einklagen.

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Türken protestieren vor dem französischen Senat in Paris. (Bild: AFP)

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Begleitet von neuen Drohungen aus der Türkei hat der französische Senat am Montag dem Völkermord-Gesetz zugestimmt. Die Türkei hatte bereits vorher angekündigt, bei einem Ja ihre Strafmassnahmen gegen Frankreich zu verschärfen und vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu klagen.

Der von der französischen Nationalversammlung bereits im Dezember beschlossene und vom Senat nun bestätigte Gesetzentwurf sieht für das Leugnen eines in Frankreich anerkannten Völkermordes eine Haftstrafe von einem Jahr und Geldstrafen von bis zu 45'000 Euro vor.

Zu den von Frankreich anerkannten Völkermorden gehört jener an den Armeniern zur Zeit des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs. Der Gesetzestext passierte am Montag die zweite Kammer ohne jegliche Änderung. Er gilt damit als vom Parlament angenommen und kann in Kraft treten.

127 Senatoren in der von den oppositionellen Sozialisten dominierten Kammer stimmten für den Gesetzentwurf und 86 Senatoren dagegen. Viele Senatoren waren der siebeneinhalbstündigen Debatte ferngeblieben.

Kritiker auch in Frankreich

Die Kritiker des Entwurfes im Senat hatten vergeblich versucht, diesen mit Änderungsanträgen und Anträgen zur Unzulässigkeit der Vorlage zu Fall bringen.

Auch in Frankreich hatte der von einer konservativen Abgeordneten eingebrachte Gesetzestext über die Parteigrenzen hinweg Kritiker auf den Plan gerufen. Selbst Regierungsvertreter wie Aussenminister Alain Juppé brachten Vorbehalte zum Ausdruck.

Bis zu 1,5 Millionen Opfer

Während der ersten Weltkrieges waren im damaligen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen dort lebende Armenier von den Türken getötet worden. Viele Wissenschaftler und auch einige Staaten bezeichnen die Massaker und Todesmärsche als Völkermord. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs streitet den Völkermord bis heute ab und spricht von kriegsbedingten Massnahmen mit Toten auf beiden Seiten.

Die Türkei sieht in dem französischen Gesetz ein wahltaktisches Manöver von Frankreichs konservativem Präsidenten Nicolas Sarkozy, um sich die Unterstützung der mehr als 400 000 armenischstämmigen Wähler in Frankreich zu sichern. In Frankreich wird im Frühjahr ein neuer Präsident gewählt.

Sanktionspaket geschnürt

Der türkische Vize-Regierungschef Bülent Arinc hatte bereits mit einer Klage vor dem europäischen Menschenrechtsgerichtshof gedroht. Mit dem Gesetz würde die Meinungsfreiheit eingeschränkt, sagte er bei einem Besuch in Strassburg. Dies wäre ein Verstoss gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.

Aussenminister Ahmet Davutoglu sagte in Ankara, ein Sanktionspaket sei für den Fall einer Zustimmung des Senats schon fertig geschnürt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan drohte zudem damit, nicht mehr nach Frankreich zu reisen.

Bereits nach dem Votum der Nationalversammlung hatte die Türkei ihren Botschafter vorübergehend zurückgerufen und bilaterale Besuche eingestellt. Ausserdem wurde die militärische Kooperation eingefroren. Nun könnte der Botschafter endgültig abgezogen werden; ausserdem drohen französischen Unternehmen in der Türkei harte Sanktionen.

Demonstranten beider Seiten

Begleitet war die Abstimmung in Paris mit Protesten von mehreren hundert Befürwortern und Gegnern vor dem Senats-Gebäude. Sowohl französisch-armenische als auch französisch-türkische Vereinigungen hatten zu den Demonstrationen aufgerufen.

«Leugnung ist keine Meinungsfreiheit», stand auf einem Spruchband auf armenischer Seite zu lesen. Bei den pro-türkischen Demonstranten lautete das Motto: «Nein zur Strafbarkeit, ja zur Meinungsfreiheit.»

(sda)

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  • Volkan S. am 25.01.2012 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    An alle, die gegen den EU-Beitritt sind

    Wenn ihr nur ein bisschen von Wirtschaft verstehen würdet, dann würdet ihr erkennen, dass die ganzen Betrittsbemühungen der TR nur strategischer Natur sind. Fakt ist, dass es mit der EU abwärts geht und demgegenüber die TR Wachstumszahlen aufweist, von denen man in Europa nur träumen kann.

  • Jackman am 25.01.2012 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Inbegriff des Bösen

    Möchte noch anmerken, dass ich nun einige Berichte darüber gelesen habe. 1.6Mio Armenier wurden ermordet. Nicht alle zugleich an einem Tag, aber inner küzester Zeit. In Karawanen ans Meer zum Ersaufen geschickt oder in die Wüste zu Konzentrationslagern. Die ersten solcher Lager, welche die Nazis als Vorbild nahmen u heute für den Inbegriff des Grauens stehen. Sicher, die heutigen Türken waren es genausowenig wie die heutigen Deutschen, aber im Gegensatz zu D, leugnen die Türken es immer noch - Unbegreiflich!

  • Ricardo Granda am 25.01.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Völkermord

    Ich verstehe, wenn die türkischen Bürger den Genozid nicht wahrhaben wollen, schliesslich wurden sie in der Schule sicher nicht aufgeklärt. Was heute traurig ist, ist die Tatsache, dass sie nichts hinterfragen, wo sie doch die Möglichkeit hätten. Denn es geht hier nicht um ein vermeintliches- sondern um ein erwiesenes Verbrechen. Was mich hier stört ist die "Einbringung" anderer Verbrechen. Hört doch auf über andere zu reden, wenn es hier um den Völkermord an den Armeniern geht. Oder ist es legitim Menschen umzubringen, weil es andere auch tun?