Kältewelle

03. Februar 2012 16:24; Akt: 03.02.2012 18:09 Print

Mehr als 220 Kälte-Tote in EuropaMehr als 220 Kälte-Tote in Europa

Die Extremkälte in Europa bringt jeden Tag mehr Menschen den Tod: Inzwischen sind auf dem Kontinent mehr als 220 Menschen erfroren, die meisten davon in Osteuropa.

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Am 9. Februar steigt die offizielle Anzahl der Kältetoten auf über 500. In der Nacht auf den 7. Februar kamen in Italien wegen der extremen Kälte sieben Menschen ums Leben. Die Stadt Rom stellt 2000 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung. Seltener Anblick: Das Römer Kolosseum am 4. Februar 2012 im Schneetreiben. Noch seltenerer Anblick: Ein Langläufer im Circus Maximus, ebenfalls in Rom. Seltsam, dass hier der Mann auf den Skiern auf den Auslöser drückt und nicht die Frau gegenüber den erinnerungswürdigen Moment festhält. Gut eingepackt: Frauchen und Hund zeigen sich in Rom gleichermassen wetterfest. Damit das auch für sein Auto gilt, legt ein junger Mann in den schneebedeckten Strassen selber Hand an. Auch Serbien versinkt im Schnee. Im Bild das Schloss Kalamegdan, mitten in Belgrad, am 3. Februar. Da hilft auch ein Bart nicht mehr viel. In Uzice, 200 Kilometer südwestlich von Belgrad, hält ein Mann Ausschau. In Serbien soll wegen der Kälte der Ausnahmezustand ausgerufen werden. Auch im nordfranzösischen Lille liegt Schnee. Allein in der Nacht auf den 3. Februar fielen in der Ukraine 38 Menschen der Kälte zum Opfer. In Athen liegt am 2. Februar 2012 eine dicke Schneeschicht. Seltenes Bild: Die Kathedrale von Siena in Italien, schneebedeckt, am 1. Februar 2012. Die blaue Moschee im türkischen Istanbul ist für einmal eher weiss. Palmen und Schnee. Diese seltene Kombination zeigt sich in der Türkei. Die Suleyman-Moschee in Istanbul muss vom Schnee befreit werden. Spektakuläre Bilder liefert uns ein Reutersfotograf aus dem deutschen Wendelstein bei Bayrischzell Kalt, kalt, kalt: Der Winter hält Europa fest im Griff. Im weissen Kleid präsentierte sich am 1. Februar selbst Nizza. Orangen im Schnee... ...die Palme an der Uferpromenade streckt sich hartnäckig grün in den Himmel. In der Elbe bei Dresden bilden sich Eisschollen Machen sich so klein wie möglich: Enten und ein Schwan in Weissrussland. Schnee liegt auch in Mailand. Schnee und Kälte auch in Genua, aufgenommen am 31. Januar 2012. Schneeräumung im Stadion von Juventus Turin am Montagabend, 30. Januar 2012. Schnee in Sotschi, Russland, Austragungsort der Olympischen Spiele 2014. Mitarbeiter des Roten Kreuzes helfen in Berlin einem Obdachlosen. Der gefrorene Wasserfall von Radau in der Nähe von Bad Harzburg (D). Vom Wind zugeweht und festgefroren. Schnee an der Kirche auf dem Wendelstein in der Nähe von Bayrischzell (D). Die Kältewelle hat auch Griechenland erfasst: In Athen versucht sich einer der 20 000 Obdachlosen zu erwärmen. In der Tat ein weisser Strand: In Südkreta könnte es schon bald wieder so aussehen. Noch kälter ist es in Rumänien, wo das Thermometer am Dienstag gerade einmal noch -27 Grad erreichte. Prekär ist die Lage in der Ukraine: Bereits sind 18 Menschen erfrorer. Auf der Strasse werden deshalb warme Mahlzeiten an Bedürftige abgegeben. In Bulgarien wurden rekordtiefe Temperaturen gemessen. Die Kältewelle fordert in zahlreichen Ländern Opfer: In Serbien sind bereits drei Menschen erfrorern. Russland, hier das Dorf Sliznevo in Taiga, muss Temperaturen von unter minus 30 Grad ertragen.

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Binnen 24 Stunden stieg in der Ukraine die Zahl der Toten von 63 auf über hundert, wie das Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte. Mehr als 1000 Menschen mussten sich wegen Unterkühlung oder Erfrierungen ärztlich behandeln lassen.

Die ukrainische Regierung erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende heisse Getränke und Essen bekommen. Landesweit sind knapp 90 Prozent der Schulen geschlossen, hunderttausende Schüler haben «kältefrei». «Wir gehen durch sehr schwere Zeiten», sagte Regierungschef Mikola Asarow der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

In Polen rief Innenminister Jacek Cichocki angesichts der bisher kältesten Nacht des Winters und mindestens 37 Todesopfern in wenigen Tagen die regionalen Behörden auf, sich verstärkt um Alte und Kranke zu kümmern.

In Tschechien hielt am Freitag die Böhmerwald-Gemeinde Kvilda den Kälterekord. Dort sanken die Temperaturen auf minus 38,1 Grad. Eingefrorene Weichen oder gebrochene Schienen behinderten den Bahnverkehr.

Erstmals nannte am Freitag Russlands Regierung offizielle Zahlen zu den Kälteopfern: Demnach erfroren im Januar insgesamt 64 Menschen, wie die Agentur Itar-Tass berichtete. In der Hauptstadt Moskau befanden sich in der Nacht auf Freitag erneut etwa 20 Menschen mit Erfrierungen im Spital.

Gasstreit flammt wieder auf

Unterdessen sorgt die Kältewelle für eine Neuauflage des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine. Der ukrainische Energieminister Juri Boiko sagte am Freitag in Kiew, der russische Staatskonzern Gazprom liefere jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas als vereinbart. Der Konzern, der die Ukraine zuvor indirekt beschuldigt hatte, Gas aus Transitleitungen abzuzapfen, wies jede Schuld von sich.

Trotz der eingeschränkten Lieferungen versicherte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger unter Verweis auf die Gaslager, Verbraucher und Industrie müssten keine Engpässe fürchten. Auch in der Schweiz sind keine Engpässe zu erwarten, wie Daniel Bächtold, Mediensprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Zwar liege der tägliche Gasverbrauch gegenwärtig mehr als 20 Prozent über dem üblichen Wert an einem gewöhnlichen Wintertag. Allerdings stammen die Erdgasimporte laut Bächtold nur zu knapp einem Viertel aus Russland. Dieses Gas werde aus den umliegenden Ländern bezogen, direkte Lieferverträge mit Moskau bestünden keine.

Heftiger Schneefall in Rom

Die Schweiz und das nördliche Nachbarland Deutschland verzeichneten in der Nacht auf Freitag die tiefsten Temperaturwerte des bisherigen Winters.

In Deutschland kamen in den letzten Tagen mehrere Menschen wegen der arktischen Kälte ums Leben. Flüsse wie die Oder und die Elbe frieren nach und nach zu. Am Freitag wurde auf der Elbe zwischen Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) und Hamburg die Schifffahrt eingestellt.

Die Kältewelle aus Osteuropa hatte auch Gebiete mit einem sonst milden Klima im Griff. Dicke Schneeflocken fielen am Freitag auf das Kolosseum und das Forum Romanum in Rom. In der italienischen Hauptstadt hatte es zuletzt 1985 und 1986 derart heftig geschneit.

In Norditalien mussten tausende Menschen in ihren Häusern ohne Strom auskommen, Züge blieben im Schnee stecken. In Mailand erfror ein Obdachloser.

In Spanien stiegen die Temperaturen im ganzen Land auf höchstens fünf Grad. Für Freitag bis Sonntag wurde ein Temperatursturz bis auf minus zehn Grad vorhergesagt, in den Bergen sogar bis minus 13 Grad.

Von einem Rekord ist Spanien allerdings noch weit entfernt. Die bisher niedrigste Temperatur wurde 1956 mit minus 32 Grad in der katalanischen Provinz Lleida gemessen.

Das Wetter brachte auch den Terminkalender des Papstes durcheinander. Eine am Samstagvormittag geplante Audienz mit 7000 Jugendlichen wurde abgesagt. Von der Kältewelle wurde ganz Italien erfasst. In Mailand im Norden des Landes erfror am Donnerstag ein Obdachloser.

Georgien meldete tiefste Temperaturen

Die Kaukasus-Republik Georgien meldete mit bis zu minus 20 Grad die tiefsten Temperaturen seit 1998. Wegen der schweren Schneefälle und Glatteis gebe es deutlich mehr Unfälle und verletzte Fussgänger, teilten die Behörden mit. In Weissrussland mussten rund 900 Schulen wegen der Kälte schliessen.

(sda)

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  • Thomas am 04.02.2012 01:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Ich dachte wir hätten klimawandel und es würde immer wärmer ?

  • Christian S. am 03.02.2012 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    das sind die Moderne Zeiten

    Früher leisteten sich die Staaten noch Armenhäuser in der heutigen immer mehr Gewinn orientieten Gesellschafft ist ein Mensch nichts wert. Viele können sich auch mit Arbeit nicht am leben halten und erfrieren in den kalten Wohnungen da der Arbeitgeber nicht genügend Lohn bezahlt. Wir mit unserer Geiz ist geil gesellschaft sind genau so daran Schuld an jedem Toten. Und ebenso natürlich die die ihrem Reichtum keine Grenzen setzen. Wir alle gehen über Leichen für unseren über Wohlstand.

    • susanne am 04.02.2012 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      sehe ich auch so. leider

    • Armus M. am 04.02.2012 05:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Halbwissenschaftlicher Einwurf

      Zwar kann ich keine konkreten Zahlen liefern, aber ich bin mir dennoch ziemlich sicher, dass schon Leute erfroren sind, bevor die Gesellschaft erfunden wurde.

    • Bruno P am 04.02.2012 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Ja leider hast du voll kommend recht wir Menschen sind (nur) etwas egoistisch und das in 2012!!!

    • Sivanesan Thambiraja am 04.02.2012 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Her

      Sehr gut geschrieben. Ich bin auch im gleiche Meinung.

    • Pia L am 05.02.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

      Genau.

      Danke für diese Worte! Ich friere übrigens auch. Meine Nachbarn fahren 4x im Jahr in Urlaub und haben gemotzt über die hohen Abrechnungen. Leider "hänge" am Zähler ich mit denen zusammen und muss jetzt da durch:-(

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