Wahl in Afghanistan

13. August 2009 15:48; Akt: 14.08.2009 11:57 Print

Drogenfund bei Karsais HalbbruderDrogenfund bei Karsais Halbbruder

von Peter Blunschi - Der afghanische Präsident Hamid Karsai kämpft um seine Wiederwahl. Dabei kann er auf seinen umstrittenen Halbbruder Ahmed Wali Karsai zählen. Kürzlich wurde bei ihm eine grosse Menge Rohopium gefunden, ausserdem wird er des Stimmenkaufs verdächtigt.

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Hamid Karsai macht Wahlkampf. (Bild: Keystone)

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Auf einem Gehöft in der südafghanischen Provinz Kandahar erwischten britische Soldaten am 22. Juli eine Gruppe von Taliban-Kämpfern beim Opium-Transport, berichtet das deutsche Magazin «Stern». Dabei stiessen sie auf mehrere Tonnen Rohopium, den Grundstoff zur Heroin-Herstellung. Das Anwesen gehört Ahmed Wali Karsai, einem Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

Westliche Experten verdächtigen den «halbseidenen Halbbruder» - so die «Süddeutsche Zeitung» - seit Jahren, in den Drogenhandel verwickelt zu sein. Kürzlich wurde auf ihn ein Anschlag verübt, möglicherweise von Rivalen aus dem Drogen-Milieu. Afghanistan deckt rund 90 Prozent des Weltmarkts für Heroin ab. Ahmed Wali Karsai bestritt die Vorwürfe stets, und Hamid Karsai nahm seinen Bruder in Schutz. Auch jetzt unternehmen die Behörden nichts, obwohl Protokolle und Videos von Verhören laut «Stern» dem Präsidenten vorliegen.

Der gefallene Hoffnungsträger

Das erstaunt nicht. Hamid Karsai will am 20. August als Präsident wiedergewählt werden, trotz magerer Bilanz. In den acht Jahren seit der US-Invasion hat sich die wirtschaftliche Lage in Afghanistan trotz milliardenschwerer westlicher Hilfe kaum verbessert, dafür sind die Taliban wieder auf dem Vormarsch. Die Korruption grassiert, der Mohnanbau floriert. Die USA würde den einstigen Hoffnungsträger denn auch am liebsten loswerden.

Dennoch gilt Karsai als aussichtsreichster der 41 Kandidaten für das höchste Staatsamt. Er stellt sich als Anführer dar, der wegen seiner Erfahrung für eine weitere Amtszeit geeignet ist, gesteht aber auch Fehler ein: «Wie in der Vergangenheit auch werden wir Fehler machen. Aber unser Ziel ist es, der afghanischen Nation zu dienen.» Bei Wahlkampfveranstaltungen verspricht er die Rückkehr zu Frieden und Stabilität, vor kurzem kündigte er eine Verdopplung der Zahl der Sicherheitskräfte im Land an.

Der anfangs als schwache Figur geltende Paschtune hat in Sachen Machterhalt ein beträchtliches Talent entwickelt. Er hat sich mit einigen berüchtigten Warlords wie dem Usbeken Raschid Dostum verbündet und damit den Westen verärgert, sich aber breite Unterstützung bei Minderheiten wie den Tadschiken und den schiitischen Hasara gesichert.

Gegner hoffen auf zweiten Wahlgang

Ob dies genügt, ist unklar, in letzten Umfragen lag Karsais Zustimmungsrate unter 50 Prozent. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, gibt es eine Stichwahl. Darauf hoffen seine wichtigsten Kontrahenten, der frühere Aussenminister Abdullah Abdullah und Exfinanzminister Aschraf Ghani. Vorsorglich hat ihnen der Präsident schon einmal Posten in seiner Regierung angeboten.

Unklar bleibt auch der Einfluss der Taliban. Mit Drohungen und Terror wollen sie die Wahl sabotieren, vor allem im paschtunischen Süden, den Stammlanden Karsais. Dies könnte seinen Chancen beeinträchtigen. Doch die Brüder Karsai sorgen vor: Gemäss einem Bericht der «Times» versuchen Anhänger des Präsidenten in der südafghanischen Provinz Helmand systematisch Wahlregistrierungskarten einzusammeln und zu kaufen und so den Urnengang zu manipulieren. Als Drahtzieher gilt – Ahmed Wali Karsai.