Sekten-Drama in Dom. Rep.

19. Oktober 2012 15:36; Akt: 19.10.2012 21:07 Print

Ex-Mitglied berichtet über Alltag in Sex-Sekte

von Adrian Eng - Diktatorische Strukturen, Privatbordell in Texas, Rudelbumsen: Ein ehemaliges Mitglied berichtet, wie sich Peter Bruncks «Academy for Future Health» radikalisiert hat.

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Bilder von Razzia in der Dominikanischen Republik.

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Ein luxuriöses Anwesen in der Dominikanischen Republik, ein riesiges Waffenarsenal, ein Toter und rund zehn verhaftete deutsche Staatsbürger – das ist alles, was von der Sekte «The Academy for Future Health» (AFFH) übrig ist. Es ist ein einziger Scherbenhaufen.

20 Minuten Online konnte mit einem engen Familienmitglied des Sektenführers Peter Brunck sprechen. Dieser gibt Einblick ins Innere einer Sekte, die bis anhin als «Black Box» galt – also als weitgehend unbekannt. Hans F.* war jahrelanges Mitglied der AFFH und bewirkte im Jahr 2006 die Zerschlagung der Sekte, als er die Machenschaften Bruncks seinen Jüngern offenbarte. Seine Aussagen belegt Hans F. mit Dokumenten und Sitzungsprotokollen, die 20 Minuten Online vorliegen (siehe Bildstrecke oben).

Diktatorische Strukturen

Die zentrale Aussage von Hans F.: Peter Brunck war meist sexuell getrieben. Seine weiblichen Jünger «wollte er von Innen heraus heilen», deshalb habe er wiederholt, systematisch und exzessiv sexuelle Handlungen mit ihnen vollzogen. Zudem wollte er die Menschen beherrschen. Die ihm hörigen Personen gaben dabei alles auf: Job, Häuser, Familien. Nicht selten übergaben sie Brunck ihr ganzes Vermögen.

Brunck zog diktatorische Strukturen auf. Er prophezeite den Weltuntergang und gab sich als Einzigen aus, der einen Weg zur Erlösung wisse. Die Mitglieder der Gruppe wurden immer mehr von der Aussenwelt abgeschnitten. Alle Informationen erhielten sie von ihm. Gegenteilige Meinungen wurden nicht geduldet.

Bruncks Privatbordell in Corpus Christi

Bruncks Absichten zeigten sich exemplarisch in einem Haus in der Stadt Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas: Ein Sektenmitglied, Ellen Z., kaufte dort ein Haus, das Brunck als Bordell diente. Die Frauen, die darin lebten, waren seine Sexspielzeuge, die er «von innen heraus zu heilen» versuchte. Ellen Z. hatte für dieses Haus ihr Geschäft verkauft und ihre ganze Existenz in Deutschland aufgegeben.

Die AFFH war vor allem in Deutschland aktiv. An Vorträgen, Seminaren und Veranstaltungen rekrutierte die Sekte neue Mitglieder. Durch seine illusorischen Heilversprechungen lockte Brunck aber auch Schwerkranke an, die hofften, von ihm gerettet zu werden. Auch Schweizer schlossen sich ihm an.

Interpol-Fahndung wegen eines Todesfalls

Anfang der 00er-Jahre lebte Brunck mit der Sekte in Südafrika. 2002 musste er das Land fluchtartig verlassen. Er wurde wegen Mordverdacht von Interpol gesucht, setzte sich in die Karibik ab und fand im Anwesen «La Mulata III» in Sosua in der Dominikanischen Republik sein neues Refugium. Grund für die Fahndung war der Tod einer «Patientin» in Deutschland.

Die HIV-Infizierte Mirka D. hatte sich in Bruncks Behandlung begeben und ist wenig später verstorben. Ihre Familie hatte daraufhin Anzeige gegen den «Allheiler» erstattet. Laut Hans F. ist der Mann, der am Montag bei der Stürmung des Anwesens in Sosua gestorben ist, der Ex-Ehemann von Mirka D.

«Markus P. lügt…»

Die Aktivitäten in der Schweiz hatten laut Hans F. nur einen Grund: Geld. Die AFFH habe hunderttausende Franken von wohlhabenden Schweizern als Spenden erhalten. Geld floss aber auch durch den Verkauf von «medizinischen Apparaten».

Auch hier spielt ein Schweizer eine zentrale Rolle: Markus P. Dieser hatte das Mitos Revolution Gerät entwickelt. Dass Markus P., wie er behauptet, keine führende Rolle in der AFFH innegehabt haben soll, bezeichnet Hans F. als Lüge. Die Dokumente stützten seine Aussagen.

«… den religiösen Wahn hat er nicht mitgemacht»

An der ordentlichen Mitgliederversammlung der Sekte am 5. Mai 2006 in Augsburg ist P. mit 27 Stimmen zum dritten Vorstandmitglied gewählt worden. «Markus P. war in der obersten Riege mit dabei», sagt Hans F. Nach seinen Aussagen hat der Schweizer den «religiösen Wahn» der AFFH aber nie mitgemacht. Er habe vor allem die finanziellen Chancen in der Organisation gesehen.

Die Firmen Vision 99 GmbH und die Healing Sphinx GmbH, die für die Herstellung der «medizinischen Apparate» gegründet wurden, habe Markus P. von Brunck abgelöst und versucht, sie rentabel zu machen. «Er war ein integrer Geschäftsmann mit gutem Gespür. Am Schluss hat sich sein Engagement aber nicht ausbezahlt.» Die Firmen kamen nie auf einen grünen Zweig.

«Rudelbumsen»

2006 kam es zum Bruch. In diesem Jahr trat Markus P. aus der Sekte aus. Grund waren die Enthüllungen von Hans F. Dieser hatte erfahren, dass seine Frau mit dem Sektenführer und engen Familienmitglied Peter Brunck sexuelle Beziehungen unterhielt. Hans F. erfuhr weiter, dass nicht nur seine Frau, sondern viele Mitglieder der AFFH sich zu sexuellen Gruppenerlebnissen trafen – «Rudelbumsen», wie es genannt wurde.

An einer Mitgliederversammlung im selben Jahr kam es dann zum Knall. Hans F. enthüllte die Sexpraktiken des Sektenführers. «Rund 25 Personen hielten dann noch zu ihm, nämlich diejenigen, die bei seinen Orgien mitmachten. Die anderen rund 75 Personen wandten sich ab und verliessen die Gruppe», erzählt F. Unter ihnen auch Markus P. Er wandte sich mit einem Schreiben an seine AFFH-Freunde und verkündete seinen Austritt.

«Sie waren psychisch am Ende, kaputt»

Was dann passiert ist innerhalb der Gruppe, lässt sich nur grob skizzieren. Deutlich scheint jedoch, dass sich die AFFH auf ihrem Anwesen in Sosua immer mehr zurückzog und sich radikalisierte. Nicht zuletzt deutet das enorme Waffenarsenal der Gruppe darauf hin. «Seine Jünger waren ihm komplett hörig, sie haben alles getan, was er von ihnen verlangte. Jetzt ist einer von ihnen sogar für ihn gestorben.»

Hans F. hatte in den letzten sechs Jahren immer wieder Kontakt zu Personen, die aus der Gruppe ausschieden. «Diese Menschen waren psychisch am Ende, kaputt. Zudem waren sie komplett verarmt, mussten von Sozialhilfe leben – auch Schweizer. Viele von ihnen werden nie mehr gesund.»

Der «Allheiler» Peter Brunck ist ebenfalls in der Realität angekommen. Er sitzt laut Nachbarn im Gefängnis in der Dominikanischen Republik. Verletzt wurde er bei der Schiesserei nicht. Auch seine Getreuen sind hinter Gittern. «Der Schlange wurde der Kopf abgeschlagen», sagt Hans F.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 19.10.2012 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Hier wird ueber reale Begebenheiten berichtet. Manche tun dies als nicht der Rede wert ab, aber dennoch ist so eine Sektengeschichte ziemlich verstrickt! Man hat da nicht einfach nur Spass mit Rudelsex und fuehrt sein Leben weiter wie man will. Wenn man einmal in einem solchen Kreislauf drin ist, dann ist's meist unmoeglich ohne schwerwiegende persoenliche Folgen rauszukommen!

  • marianne broennimann am 19.10.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    War es schon jemals anders?

    Die Geschichte der Puff-Brüder wiederholt sich laufend!

  • Ruedi Hunziker, Dättwil AG am 19.10.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Wer tut sich denn freiwillig so etwas an? Ich bin ja auch nicht der Hellste, aber so etwas würde mir trotzdem nie in den Sinn kommen und ich verstehe es nicht. Sich freiwillig enteignen lassen, Familie und Freunde aufgeben, sexuell hörig sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Willy Imfeld am 20.10.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sektenbrauchtum abschaffen

    Ich bin erstaunt, dass die heutigen, kriminaltechnischen Mittel nicht ausreichen um solche Sekten aufzudecken. Im Weiteren sollten die Staaten der Welt zusammenstehen und gemeinsam solches Missbrauchtum bekämpfen. Die Führer solcher Sekten müssten hart angepackt werden, was heute sicher machbar wäre. Die Politik und die Justiz jedoch scheint zu schlafen. So passiert es immer wieder, und das seit vielen Jahren, dass gutgläubige Menschen über Sekten missbraucht werden. Und das im Jahre 2012, unglaublich!

  • hans peter von allmen am 20.10.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    icf ist heute nicht viel anders...

    so was ähnliches gibts heute weiterhin. die 'jugendkirche' icf, die schweizweit sehr aktiv ist, praktiziert ebenfalls ein abschirmen der eigenen personen von nicht-gläubigen (ohne sexualpraktiken!). ich hatte zu meiner jugendzeit zwei sehr gute, langjährige freunde gehabt, die regelmässig das icf besuchten. ich wurde innert kurzer zeit zweimal eingeladen, an einem abend teilzunehmen, was ich ausschlug. so kam es leider, dass sich beide personen von mir abwandten. icf duldet keinen kontakt ihrer mitglieder mit nicht-mitgliedern. u.a. wöchentliche bettstunden untermauern dies. tragisch :(

  • Steff am 20.10.2012 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reingefallen

    Wer sich von solchen Sektierern fangen lässt ist selbst schuld, dafür gibt es keine andere Erklärung und schon gar keine Rechtfertigung. Menschen die so etwas tun haben irgendwann einfach ihren Verstand abgegeben. Mir ist gänzlich unklar wie es immer wieder Leute gibt die auf diese heilversprechenden Halsabschneider reinfallen. Wer nicht komplett von der Rolle ist, dem muss doch klar sein wie das endet. Mögen diese Halunken noch soviel Charisma haben, wer bei gesunden Verstandes ist kann unmöglich auf so einen Mist hereinfallen! Mir ist das ein Rätsel....

    • fragend am 20.10.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      an alle die mal in einer Sekte waren!

      Versuche eigentlich immer irgendwie ein Verständniss zu bekommen, wie sich das wohl anfühlen könnte. So nicht selbstgesteuert zu leben. Ich liebe die freiheit meines Denkens und könnte nurschon wegen diesem Gefühl nie verstehen wie es sich anfühlt. Würde gerne eine Meinung zu Steffs Kommentar, von jemandem hören der das erkannt hat, und ausgetreten ist! Wie fühlt man sich danach?

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  • R.T. am 20.10.2012 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spendengelder

    Und wo sind die 150'00 Spende an die Sekte geblieben? Darauf kann man wohl lange warten. Einfach unglaublich sowas.

  • Hans-Heinrich Odermatt am 19.10.2012 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der traurige Hintergrund....

    Nach dem Lesen dieses 20-Minuten-Beitrages habe ich mir mal überlegt, WIE um himmelswillen man zu so willenlosen Geschöpfen werden kann, um sich einem Guru total unterzuordnen, alles aufzugeben, sogar den eigenen Familien den Rücken zu kehren... Offenbar müssen diese Menschen moralisch total auf dem Boden zerstört sein (Arbeit, Gesundheit, Beziehung, Familie etc.) und somit auf der Suche nach einem "besseren"Leben und nach Anteilnahme an ihrem Schicksal! Genau da haben vermutlich diese Gurus ein gezieltes Auge, um sich diese Menschen mit falschen Versprechungen an sich zu binden!!