Tote in der Dom. Rep.

18. Oktober 2012 16:37; Akt: 18.10.2012 17:22 Print

Bei Heiler-Sekte mischen auch Schweizer mit

von Adrian Eng - Mit Waffengewalt hat die dominikanische Polizei das Anwesen der «The Academy For Future Health»-Sekte gestürmt. Zur radikalen Gruppierung gehörte wohl auch ein Schweizer.

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Die Sekte «The Academy For Future Health» (AFFH) und ihr Führer Peter Brunck haben sich auf einer prachtvollen Anlage in der Dominikanischen Republik niedergelassen. Auf dem mehrere Hektar grossen Anwesen gab es genug Platz für den selbsternannten Doktor und seine insgesamt 48 Jünger – unter ihnen acht Kinder und wohl auch einige Schweizer.

Die Aktion der dominikanischen Polizei am Mittwoch, bei der das Sektenmitglied Peter D. getötet und zwei (unter ihnen offenbar auch Peter Brunck) verletzt wurden, bedeutet das Ende der düsteren Machenschaften der Sekte, die vor allem in Deutschland und der Schweiz aktiv war. Die Gruppe um Brunck versuchte, Menschen mit dem Versprechen zu Heilung von schweren Krankheiten und geistiger Erlösung anzulocken. Unter anderem habe er Lothar Matthäus, Steffi Graf und die österreichische Nationalmannschaft betreut.

Schweizer Angehörige sind besorgt

Jetzt befindet sich Peter Brunck in Polizeigewahrsam, wie dominikanische Medien schreiben. Auf ihrer Homepage schreibt die Sekte über ihren Führer: «Er hat die seltene Fähigkeit, die wahren Hintergründe von praktisch allen Lebens-Situationen klar zu sehen. In Verbindung mit seinem aussergewöhnlichen universellen Wissen und seiner langjährigen internationalen
Erfahrung kann er demzufolge auch viel früher die richtigen Gegenmassnahmen im Fall von kritischen Situationen erkennen und Sie erfolgreich beraten.»

Diesem Lockruf sind offenbar auch Schweizerinnen und Schweizer gefolgt, wie die Sekteninformationsstelle infosekta auf Anfrage bestätigt. «Wir haben diverse Anfragen von Schweizern bezüglich dieser Gruppe. Oft sind es Angehörige von Mitgliedern», sagt Regina Spiess. Brunck hat also auch in der Schweiz seine Jünger gefunden.

Schweizer erfand das «Mitos Revolution Gerät»

Doch nicht nur das. Auch in der Führungsetage der AFFH sass laut Enthüllungsplattform psiram.com (ehemals esowatch.com) ein Schweizer: Markus G.* habe lange zum inneren Zirkel der Sekte gehört. Als er 2006 ausstieg, habe sich die AFFH aufgeteilt. G. habe unter anderem mit seiner «Healing Sphinx GmbH» den Prototypen für das «Mitos Revolution Gerät» hergestellt, mit welchem Brunck Heilung von Krankheiten wie Krebs und MS versprach. Auch bei der Infosekta kennt man G.s Namen.

Von 20 Minuten Online darauf angesprochen, bestreitet Markus G., je im Vorstand der Sekte gewesen zu sein. Er habe lediglich an einigen von Peter Bruncks Reisen teilgenommen und sich für Esoterik interessiert. In dessen Haus in der Dominikanischen Republik sei er zwar gewesen, jedoch nur als Gast. G. betont zudem, dass er nicht zur Teilung der Sekte beigetragen habe, sondern lediglich ausgestiegen sei. Weitere Auskünfte zur Sekte und zur Person Peter Bruncks wollte er nicht erteilen.

«Das ist absolut dramatisch»

Über die AFFH-Sekte ist wenig bekannt. «Sie ist für uns eine Black Box», sagt Regina Spiess von Infosekta. Vom Innern der Gruppe trete nur sehr wenig nach aussen. «Wir wissen, dass sich diese Leute völlig abschirmen, auch die Kinder selbst unterrichten – und das ist in diesem Kontext ein schlechtes Zeichen», so Spiess.

Dass sich die Sektenmitglieder derart heftig gegen die Polizei zur Wehr setzten, ist für Spiess ein klares Zeichen einer Radikalisierung: «Das ist absolut dramatisch.» Ob in der Schweiz aktiv Mitglieder angeworben wurden, ist ihr nicht bekannt.

Toter Anwalt

Die wilde Schiesserei auf Bruncks Anwesen in der Ausländersiedlung «Mulata III» in der Gemeinde Sosua ist nicht die erste Blutspur des «Allheilers» Brunck. Im April 2006 wurde der Sekten-Anwalt Wilson Garcia Abreu, der ebenfalls auf dem Anwesen lebte, erschossen aufgefunden. Er hatte offenbar Gelder eines Deutschen veruntreut. Ein Mordversuch an Peter Brunck wenige Monate später scheiterte.

Brunck selber eröffnete im Jahr 2007 das Feuer auf einen deutschen Journalisten, der ihn über seine Machenschaften ausfragen wollte. In seinem Beitrag für das Sat.1-Magazin «Akte 2010» dokumentiert der Journalist, wie aggressiv Bruncks Entourage auf Aussenstehende reagiert.

Der Schweizer Markus G. will von alldem nichts mit gewusst haben. Den Tod des Anwalts Garcia habe er zwar zur Kenntnis genommen, die Hintergründe seien ihm aber nicht bekannt gewesen. Ob und wie viele Schweizer immer noch der AFFH angehören, weiss er nicht.


*Name von der Redaktion geändert


Akte2010: Im Jahr 2012 geht die Welt unter! von verbraucherinfoTV
(Sat.1 «Akte2010» über die AFFH-Sekte)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sött schaffe am 19.10.2012 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sekte vs. Religion

    Ich frag mich gerade was gewisse Sekten von gewissen Religionen unterscheidet... Menschen halt...

  • Roman Bolliger am 18.10.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bedürfnis nach Fremdbestimmung

    Das Problem sind nicht einfach nur die dominanten Sektenführer, welche teils in voller Heils-Überzeugung, teil als Marketingstrategie der Ausnützung ihr Unwesen treiben; das Problem sind vor allem auch die selbstunsicheren, sich der Fremdbestimmung übergebenden Menschen, welche die Überzeugung haben, Lösungen und Heil lägen nicht in ihren eigenen Händen, sondern könnten nur von aussen kommen. So bilden sich Sekten.

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  • Rolf Berner am 18.10.2012 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einsperren!

    Solche Leute gehören eingesperrt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sött schaffe am 19.10.2012 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sekte vs. Religion

    Ich frag mich gerade was gewisse Sekten von gewissen Religionen unterscheidet... Menschen halt...

  • Martial Callair am 18.10.2012 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das gehört verboten...

    Die Sekten führen meistens zu Selbstmord, da sie ihre Mitglieder meistens komplett runieren. Wieso finden diese traurigen dubiosen Gesellschaften immer wieder neue Anhänger?

  • Roman Bolliger am 18.10.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bedürfnis nach Fremdbestimmung

    Das Problem sind nicht einfach nur die dominanten Sektenführer, welche teils in voller Heils-Überzeugung, teil als Marketingstrategie der Ausnützung ihr Unwesen treiben; das Problem sind vor allem auch die selbstunsicheren, sich der Fremdbestimmung übergebenden Menschen, welche die Überzeugung haben, Lösungen und Heil lägen nicht in ihren eigenen Händen, sondern könnten nur von aussen kommen. So bilden sich Sekten.

    • lk am 18.10.2012 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      sekten

      ich stimme dir absolut zu, einige menschen sind einfach extrem manipulierbar und suchen nach irgendeiner führung, manchmal kaum vorstellbar...

    • thurgauer am 19.10.2012 06:38 Report Diesen Beitrag melden

      Definitionsfrage

      Nach welchen Kriterien wird zwischen Sekte und Religion unterschieden ? In meiner Welt ist jede Religion auch eine Sekte, einfach mit viel mehr Anhängern ....

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  • Dr. Gabber am 18.10.2012 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pure Geld- und Machtgier

    ist doch klar. macht über andere erlangen und sich als etwas gaaaanz großes fühlen. ps. Nein, ich bin kein richtiger Doktor. ^^ Es ist ein Rufname den ich jetzt schon seit über 10 Jahren habe.

  • Rolf Berner am 18.10.2012 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einsperren!

    Solche Leute gehören eingesperrt!

    • Durchschauerin am 18.10.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Einsperren bringt nichts

      An Rolf: wenn wir alle einsperren würden, die so sind, hätten wir die CH-Gefängnis voll. Wir machen alle die Augen/Ohren zu, aber solche Typen hat es auch in der CH viele. Und solange die Menschen so blöd sind, solchen Typen zu folgen, werden immer mehr solche Gruppierungen geben. Die ganze Gesellschaft hat versagt!! Man muss zu hause, in der eigene Familie andere Werte geben. Die Wurzel der Menschheit ist krank, nicht der Mensch alleine!

    • Merlin am 18.10.2012 17:33 Report Diesen Beitrag melden

      Zustimmung

      Weise Worte. Schade erkennen nur die wenigsten die wahre Wurzel des Übels. Am liebsten bloss die Symptome bekämpfen, wie es Herr Berner vorschlägt. Ist ja auch einfacher...

    • kurt am 18.10.2012 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @durchschauerin

      die gesellschaft und die menschen getrennt zu betrachten zeugt nicht von allzuviel durchblick. eine gesellschaft besteht aus menschen, somit ist immer der mensch die quelle. mit etwas mehr durchblick hätten sie vielleicht erkannt das menschen schon immer ein bedürfnis danach hatten an etwas zu glauben. dumm nur das dieses bedürfnis bislang immer nur von menschen instrumentalisiert wurde. degenerative tendenzen bei menschen haben damit nichts zu tun, lediglich die genetik könnte darüber aufschluss geben.

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