Dänemark

23. Dezember 2015 23:41; Akt: 23.12.2015 23:41 Print

«Ich bin nicht Polizist, um Flüchtlinge zu berauben»

Dänemark will Flüchtlingen Bargeld und Schmuck abnehmen. Polizisten, die den Job ausführen sollen, wehren sich.

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Um die Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen zu finanzieren, will Dänemark künftig Vermögenswerte ankommender Asylbewerber konfiszieren. Dänische Polizisten sollen Flüchtlingen künftig Uhren, Schmuck und alles, was einen Wert von über 400 Euro hat, abnehmen. Ausgenommen sind Mobiltelefone und Eheringe. Über den Vorschlag der rechtsliberalen Regierung wird am 26. Januar entschieden – wobei eine grosse Mehrheit im dänischen Parlament den Vorschlag unterstützt.

Jetzt meldet sich ein Kopenhagener Polizist zu Wort. Auf Facebook erklärt Jacob Nielsen: «Ich bin nicht Polizist geworden, um Flüchtlingen ihr Eigentum zu rauben!» Über 20'000-mal wurde der Beitrag bis jetzt geteilt.

«Soll ich Gold aus dem Mund pulen?»

Weiter sagt Nielsen, er habe in Dänemark 13 Jahre lang loyal wechselnden Regierungen gedient, auch angesichts von Gesetzen und Regeln, mit denen er nicht einverstanden ist. «Ich habe Brandbomben, Steine, Glasflaschen und vieles mehr ertragen – für Angelegenheiten, die nicht die meinen waren, und für Menschen, die ich nicht mochte.»

Er sei Polizist geworden, weil er wisse, dass Gerechtigkeit etwas ist, für das man hart arbeiten muss. «Und weil jemand diejenigen schützen muss, die sich nicht selbst wehren können», so Nielsen. Er nehme Menschen oft Sachen weg, weil sie illegal oder gestohlen seien oder sie damit anderen wehtun könnten.

«Stellt sich die Regierung vor, dass ich jetzt an der Grenze stehe und das Gold aus dem Mund oder den Unterhosen jener herauspule, die versuchen, das Letzte zu schützen, was sie haben?», fragt Nielsen. Die Aufgaben eines Polizisten seien der Schutz von Bürgern und Demokratie – nicht das Plündern von Flüchtlingen.

«Nicht in der Lage zu beurteilen, wie viel ein Ring wert ist»

Auch Claus Oxfeld, Chef der Polizeigewerkschaft, sagt, er halte das Vorhaben für völlig unpraktikabel: «Wir Polizisten sind doch überhaupt nicht in der Lage, zu beurteilen, ob ein Ring nun 1000, 5000 oder 10'000 Kronen wert ist», erklärt er auf dem öffentlich-rechtlichen Sender DR.

Integrationsministerin Inger Støjberg widerspricht gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: «Ich glaube schon, dass die meisten schätzen können, ob etwas 1000 oder 20'000 Kronen wert ist.» Wenn man Zweifel habe, «kann man den Schmuck ja schätzen lassen oder ihn nicht beschlagnahmen».

Auf Facebook fügt Støjberg hinzu, die geplanten Massnahmen stellten Asylbewerber lediglich dänischen Arbeitslosen gleich, die nur Sozialleistungen erhielten, wenn sie allen Besitz verkauften, der mehr wert als 10'000 Kronen sei (rund 1449 Franken).

«Einige wissen nicht, ob dies ein Scherz ist»

Den Vorstoss der Rechtsliberalen brauche es gar nicht, findet Zachary Whyte, der zu Asyl- und Integrationsfragen an der Universität von Kopenhagen forscht: «Flüchtlinge kommen in Dänemark nicht mit grossen Mengen an Geld oder Schmuck an», sagte er der «Washington Post». Er fügt hinzu: «Es sagt ziemlich viel über die dänische Politik aus, dass derzeit einige Menschen nicht wissen, ob dies ein Scherz ist oder nicht.»

Unterdessen kam auch aus Übersee Kritik an dem Gesetzesvorschlag: Die «Washington Post» zog die Parallele zu Nazi-Deutschland, das damals Gold und andere Wertsachen von Juden konfisziert hatte.

(cfr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EP am 24.12.2015 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Congratulation!

    Ein toller Mann und Polizist! Jedes Land könnte stolz sein auf solches Personal!

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  • psylognom am 23.12.2015 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine macht der Korruption

    vielen Dank! Ab jetzt bin ich wieder überzeugt, dass es doch noch anständige Polizisten gibt..

  • Prof am 24.12.2015 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Endlich mal einer mit Herz, Verstand und Mut! Solche braucht es in diesen Zeiten. Bravo!

Die neusten Leser-Kommentare

  • mitdenker am 24.12.2015 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    solidarisch

    Einfache Sache. Die MEHRHEIT der Bevölkerung hat entschieden, solidarisch ein Asylwesen zu betreuben. Wenn nun die die kommen auch solidarisch ihr Vermögen aufbringen um dem einenen Volk zu helfen, könnten wir alle gemeinsam noch mehr bewirken. Naja ich selbst würde jedoch das Asylwesen für Wirtschalftsflüchtlinge abschaffen, aber eben die Demokratie meint es wohl anders. Somit lasst sie kommen, aber lasst sie auch gutes tun, sowie auch wir gutes vollbringen.

  • Tomy am 24.12.2015 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach künden

    Ich finde auch nicht alles gut was mein Arbeitgeber macht. Der Typ kann ja künden. Aber dann müsste er mit Arbeiten anfangen.

  • Serena R am 24.12.2015 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist das problem

    Ich verstehe beide seiten..ich meine es echt nicht ok wen man jemanden das letzte was er noch hat wegnimmt! Aber es auch gut einfach nur zum zeigen das wir hier in europa auch etwas machen müssen für das geld! Denn manchmal habe ich einfach das gefühl das die hier her kommen und erwarten das hier alles wunderschön vorbereitet auf sie wartet..doch auch wir in europa haben probleme! wenn beide seiten (europäer&flüchtlinge) aufeinander eingehen können wir es schaffen!!

  • nicci283 am 24.12.2015 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn!

    Brecht ihnen doch auch noch die Goldkronen aus den Zähnen wie damals im 2ten Weltkrieg. Ich bin schockiert!

  • Ozi am 24.12.2015 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist auch so

    Als ich in die Schweiz kam 1993 mussten wir auch alles Geld und Wertsachen abgeben. Und wir wurden in Bellinzona in einem Camp umzäunt und abgeriegelt gehalten. Eine Stunde am Tag dürften wir auslaufen..... Bin ich dankbar für die Aufnahme, Essen und Dach über dem Kopf-absolut und für immer. War es menschlich? NEIN!!

    • Denise am 24.12.2015 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Ozi

      Dankbar,nicht menschlich? Ein Widerspruch in sich.

    • n.b am 24.12.2015 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denise

      wo ist denn hier der wiederspruch? man kann auch "dankbar" sein für etwas wenn es einem auf eine"unmenschliche" art und weise gegeben wird

    • Yannick am 24.12.2015 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ n.b.

      Ich denke nicht dass man dann dankbar ist. "" Widerspruch" ohne ie.

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