Nigeria

01. Oktober 2010 13:37; Akt: 01.10.2010 18:04 Print

Autobomben zum Geburtstag

Zwei Bombenanschläge bei den Feiern zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Nigerias haben in Abuja mindestens acht Menschen das Leben gekostet.

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Die Feierlichkeiten in Abuja wurden von blutigen Anschlägen überschattet. (Bild: Reuters)

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Nigerias Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit sind von einem schweren Anschlag erschüttert worden. In der Nähe einer Parade in der Hauptstadt Abuja wurden bei der Explosion von zwei Autobomben nach Angaben der Polizei mindestens acht Menschen getötet. Die Bomben explodierten in der Nähe des Justizministeriums, nur etwa 200 Meter vom Platz der zentralen Feiern entfernt, wo Präsident Goodluck Jonathan zum Zeitpunkt der Explosionen eine Militärparade abnahm.

Die Feier ging zwar weiter, Präsident Jonathan verliess sie jedoch, ohne eine angekündigte Rede zu halten. Er bezeichnete die Tat als «boshaften Akt der Verzweiflung».

Nach Angaben eines Polizeisprechers waren alle Opfer Passanten. Augenzeugen berichteten von zerfetzten und verkohlten Leichen nach Explosionen zweier vermutlich mit Sprengstoff beladener Autos. Es habe auch zahlreiche Verletzte gegeben.

Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute hatten nach der ersten Explosion offenbar versucht, ein brennendes Auto zu löschen. Dann kam es zur zweiten Detonation. Rund zehn Autos wurden zerstört. Dichter Rauch hing über dem Anschlagsort.

Per E-Mail angekündigt

Rebellen aus dem Nigerdelta hatten die Bombenanschläge zuvor angekündigt. Die Sicherheitsbehörden hätten 30 Minuten Zeit, den Platz der zentralen Feier in der Hauptstadt Abuja zu evakuieren, warnte ein Sprecher der Befreiungsbewegung für das Niger-Delta (MEND) in einer am Freitag verbreiteten E-Mail. Mehreren Mitgliedern der Rebellen sei es gelungen, in die Sicherheitszone einzudringen und dort Sprengkörper zu platzieren.

Der blutige Zwischenfall sollte dem ungelösten Konflikt im Nigerdelta Aufmerksamkeit bringen. «Nach 50 Jahren des Versagens gibt es nichts zu feiern», hiess es in der Erklärung von MEND- Sprecher Jomo Gbomo. «Seit 50 Jahren werden die Menschen im Nigerdelta um ihr Land und ihre Rohstoffe bestohlen.»

Die MEND-Rebellen, die für die Beteiligung der Bevölkerung des Deltas an den Einnahmen aus der Ölförderung kämpfen, haben seit 2006 mit Anschlägen gegen Ölförderanlagen und Pipelines die Ölförderung des grössten afrikanischen Ölexporteurs um 20 Prozent gedrosselt.

Teile der Rebellen schlossen sich im vergangenen Jahr einem Amnestieprogramm der Regierung an. Rund 20 000 Kämpfer gaben ihre Waffen ab. Viele von ihnen warten seither immer noch auf die zugesagten Zahlungen oder Ausbildungsförderungen.

Geplatzte Träume

Nigeria wurde 1960 von Grossbritannien unabhängig. In Feierstimmung ist die nigerianische Bevölkerung trotz des runden Jahrestags der Unabhängigkeit nicht: Viele der 140 Millionen Menschen im Land sehen die fünf Jahrzehnte als eine Zeit der geplatzten Träume.

In den späten 60er Jahren kamen eine Million Menschen bei einem Bürgerkrieg ums Leben. Mehrere Militärdiktaturen wirtschaften das Land herunter. Neben der Gewalt von Gruppen wie der Mend kommt es in der Delta-Region immer wieder zu Entführungen von ausländischen Ölarbeitern und einheimischen Zivilisten.

(sda)