29. März 2008 09:18; Akt: 29.03.2008 09:33 Print

Chinesen in Tibet: «Kultureller Völkermord»

Der Dalai Lama hat die chinesische Siedlungspolitik in Tibet als «kulturellen Völkermord» verurteilt. Die gezielte Ansiedlung von Chinesen sei eine «demografische Aggression», um die Tibeter zur Minderheit im eigenen Lande zu machen.

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Das sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Samstag in seinem indischen Exil. In der alten tibetischen Hauptstadt Lhasa lebten derzeit rund 100.000 Tibeter, aber doppelt so viele Chinesen. «Es gibt Beweise, dass Monat für Monat mehr Chinesen nach Tibet kommen», kritisierte der Dalai Lama.

Der buddhistische Geistliche sprach von Plänen, nach den diesjährigen Olympischen Sommerspielen in Peking etwa eine Million weitere Menschen nach Tibet zu entsenden. Eine Quelle für seine Angaben nannte er nicht. Es ist jedoch allgemein bekannt, dass China schon seit Jahrzehnten die Ansiedlung von Han-Chinesen, also der Mehrheitsethnie, als politische Strategie in Tibet benutzt.


Kurzbesuch von Diplomaten in Lhasa

Die chinesische Regierung organisierte am Samstag eine Kurzbesuch von internationalen Diplomaten in Lhasa, denen sie ihre Sicht der Vorfälle vor zwei Wochen erläuterte. Eine ähnliche Reise für Journalisten zwei Tage zuvor wurde von etwa 30 Mönchen zur Protestveranstaltung genutzt, um Religionsfreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu fordern. Die Diplomaten kamen nicht mit Demonstranten in Berührung.


Entschädigung für Opfer der Unruhen

Die Regierung kündigte ein Entschädigungsprogramm für die Opfer der Unruhen an. Demnach sollen die Familien von 18 getöteten Zivilpersonen jeweils 200.000 Yuan (18.000 Euro) erhalten, wie die Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag berichtete. Mit Bezug auf vier weitere Opfer - einen Polizisten und drei nach amtlicher Darstellung auf der Flucht Erschossene - wurden keine Angaben zu etwaigen Entschädigungen gemacht. Die Behörden gehen offiziell von 22 Toten aus, Exil-Tibeter von fast 140.

Die Regierung erklärte ausserdem, dass die bei den Unruhen Verletzten kostenlos medizinisch behandelt würden. Dabei handelt es sich offiziell um 382 Zivilpersonen und 241 Polizisten. Die Besitzer von zerstörten Häusern und Geschäften sollen laut Xinhua Aufbauhilfen erhalten.

(dapd)