Moon-Sektenführer tot

03. September 2012 08:39; Akt: 03.09.2012 10:29 Print

Sun Myung Moon wollte ein Messias sein

von Hyung-Jin Kim, AP - Er propagierte die interkulturelle Ehe, wurde wegen Spionage festgenommen und der Gehirnwäsche bezichtigt: Der Sektenführer Sun Myung Moon führte ein illustres Leben.

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Sun Myung Moon hielt sich für einen Messias und baute ein globales Wirtschaftsimperium auf. Nun starb der Gründer der umstrittenen Vereinigungskirche, der sowohl US-Präsidenten als auch ranghohe Vertreter Nordkoreas zu seinen Freunden zählte, im Alter von 92 Jahren. Der Gründer und Patriarch der Vereinigungskirche wurde in den 1970er und 1980er Jahren weltbekannt, als er Massentrauungen in verschiedenen Ländern mit Tausenden von Anhängern veranstaltete. «Internationale und interkulturelle Ehen sind der schnellste Weg, um eine ideale Welt des Friedens zu schaffen», schrieb Moon 2009 in seiner Autobiografie. «Die Menschen sollten über die nationalen und kulturellen Grenzen hinweg andere Menschen aus Ländern heiraten, die sie als ihre Feinde ansehen, sodass eine Welt des Friedens schneller eintritt.» Über die Jahre baute Moon rund um die Vereinigungskirche ein weitverzweigtes Geschäftsimperium auf. Kritiker warfen ihm vor, einen obskuren Führerkult in der Glaubensgemeinschaft etabliert zu haben. Zudem gab es Hinweise auf fragwürdige Rekrutierungsmethoden. Eltern von Anhängern in den USA und anderen Ländern berichteten von Gehirnwäsche. Mit seiner ungewöhnlichen, von konservativen und familienorientierten Werten durchdrungenen Bibelinterpretation versammelte Moon schnell zahlreiche Anhänger hinter sich. Moon wurde 1920 im heutigen Nordkorea geboren. Im Alter von 16 Jahren sei ihm Jesus erschienen und habe ihn beauftragt, sein Werk zu vollenden. Ende der 1940er Jahre wurde Moon in Nordkorea wegen des Vorwurfs der Spionage für Südkorea festgenommen und inhaftiert. Jahrzehnte später traf sich Moon mit dem Gründer Nordkoreas, Kim Il Sung (Bild). In seiner Autobiografie schrieb Moon, er hab Kim dazu aufgefordert, dessen Atombemühungen aufzugeben. Als der nordkoreanische Machthaber 1994 starb, entsandte Moon eine Delegation nach Nordkorea, was bei Konservativen in seiner Heimat auf Kritik stiess. Nach eigenen Angaben hat die Vereinigungskirche weltweit Millionen Mitglieder, Aussteiger hingegen beziffern die Zahl der Anhänger auf nicht mehr als 100 000. Die Vereinigungskirche warf der US-Regierung vor, Moon wegen dessen zunehmenden Einfluss und Popularität unter jungen Amerikanern zu verfolgen. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er 1960 Hak Ja Han Moon. Die Vereinigungskirche kündigte den Beginn einer 13-tägigen Trauer für Moon an. Die Beisetzung soll am 15. September stattfinden.

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Sun Myung Moon hielt sich für einen Messias und baute ein globales Wirtschaftsimperium auf. Nun starb der Gründer der umstrittenen Vereinigungskirche, der sowohl US-Präsidenten als auch ranghohe Vertreter Nordkoreas zu seinen Freunden zählte, im Alter von 92 Jahren. Moon sei in einem Krankenhaus nahe seinem Wohnort Gapyeong in Südkorea gestorben, teilten Kirchenvertreter am Montag (Ortszeit) mit. Seine Frau und seine Kinder seien an seiner Seite gewesen, sagte Kirchensprecher Ahn Ho Yeul. Moon war im vergangenen Monat mit einer Lungenentzündung in die Klinik gebracht worden.

Der Gründer und Patriarch der Vereinigungskirche wurde in den 1970er und 1980er Jahren weltbekannt, als er Massentrauungen in verschiedenen Ländern mit Tausenden von Anhängern veranstaltete. «Internationale und interkulturelle Ehen sind der schnellste Weg, um eine ideale Welt des Friedens zu schaffen», schrieb Moon 2009 in seiner Autobiografie. «Die Menschen sollten über die nationalen und kulturellen Grenzen hinweg andere Menschen aus Ländern heiraten, die sie als ihre Feinde ansehen, sodass eine Welt des Friedens schneller eintritt.»

Kritiker warfen ihm vor, einen obskuren Führerkult in der Glaubensgemeinschaft etabliert zu haben. Zudem gab es Hinweise auf fragwürdige Rekrutierungsmethoden. Eltern von Anhängern in den USA und anderen Ländern berichteten von Gehirnwäsche. Nach eigenen Angaben hat die Vereinigungskirche weltweit Millionen Mitglieder, Aussteiger hingegen beziffern die Zahl der Anhänger auf nicht mehr als 100 000.

Moon baute weitverzweigtes Firmenimperium auf

Über die Jahre baute Moon rund um die Vereinigungskirche ein weitverzweigtes Geschäftsimperium auf. In den USA gehört die Zeitung «Washington Times», das New Yorker Hotel in Manhattan und die Bridgeport Universität in Connecticut zum Portfolio des Konglomerats. In Südkorea besitzt Moon ein Ski-Resort und eine Fussballmannschaft, in Nordkorea ein Hotel und eine Autofabrik.

Moon wurde 1920 im heutigen Nordkorea geboren. Im Alter von 16 Jahren sei ihm Jesus erschienen und habe ihn beauftragt, sein Werk zu vollenden. Mit seiner ungewöhnlichen, von konservativen und familienorientierten Werten durchdrungenen Bibelinterpretation versammelte Moon schnell zahlreiche Anhänger hinter sich.

Vertrauter Umgang mit Kim und Nixon

Ende der 1940er Jahre wurde Moon in Nordkorea wegen des Vorwurfs der Spionage für Südkorea festgenommen und inhaftiert. Jahrzehnte später traf sich Moon mit dem Gründer Nordkoreas, Kim Il-Sung. In seiner Autobiografie schrieb Moon, er hab Kim dazu aufgefordert, dessen Atombemühungen aufzugeben. Als der nordkoreanische Machthaber 1994 starb, entsandte Moon eine Delegation nach Nordkorea, was bei Konservativen in seiner Heimat auf Kritik stiess.

Auch zu den konservativen US-Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan und George H.W. Bush pflegte Moon ein gutes Verhältnis. Dabei verbrachte er Mitte der 1980er Jahre 13 Monate in einem US-Gefängnis, weil ihn ein New Yorker Geschworenengericht wegen falscher Steuererklärungen verurteilte. Die Vereinigungskirche warf der US-Regierung vor, Moon wegen dessen zunehmenden Einfluss und Popularität unter jungen Amerikanern zu verfolgen.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er 1960 Hak Ja Han Moon. Die noch zehn lebenden Kinder des Paars sehen sich offenbar nicht als spirituelle Nachfolger ihres Vaters. «Es ist nicht unsere Rolle, seine messianische Bestimmung fortzuführen», sagte sein jüngster Sohn und religiöser Direktor der Vereinigungskirche, Hyung Jin Moon, im Februar 2010 in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. «Unsere Rolle ist eher die von Aposteln, in der wir teilen (...) in der wir Brücken sind, um zu verstehen, welche Art von Leben unsere beiden Eltern lebten.»

Die Vereinigungskirche kündigte für (heute) Montag den Beginn einer 13-tägigen Trauer für Moon an. Die Beisetzung soll am 15. September stattfinden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • insider am 03.09.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    ein ...

    ..durchgedrehter typ weniger..

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  • Till ULENSPIGEL am 03.09.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zeig mir deine Freunde...

    Aha, Ron Reagan als Freund....soooo eine Referenz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Till ULENSPIGEL am 03.09.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zeig mir deine Freunde...

    Aha, Ron Reagan als Freund....soooo eine Referenz!

  • insider am 03.09.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    ein ...

    ..durchgedrehter typ weniger..

    • Piet Westdijk am 03.09.2012 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Er war immerhin ein Mensch

      Er war immerhin ein Mensch!!

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