Metrojet-Absturz

17. November 2015 10:50; Akt: 17.11.2015 16:23 Print

Putin setzt 50 Millionen Dollar auf Attentäter aus

Moskau stuft den Absturz des russischen Passagierflugzeugs über der Sinai-Halbinsel als Terrorakt ein. Als Reaktion verstärkt Russland die Angriffe auf den IS in Syrien

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Der technische Untersuchungsausschuss der ägyptischen Behörden hat keine Hinweise auf Terrorismus als Grund für den Absturz gefunden: Ein Trümmerteil der russischen Maschine auf dem Sinai. (1. November 2015) Der russische Geheimdienst ist überzeugt, dass eine Bombe an Bord war: Ein Trümmerteil des abgestürzten Airbus. (2. November 2015) Kein Weiterkommen: Nach Angaben des russischen Tourismusverbandes halten sich derzeit 45'000 russische Touristen in Ägypten auf, die Hälfte davon in Sharm al-Sheikh, wo der abgestürzte Airbus gestartet war. (7. November 2015) Aus Ermittlerkreisen wurde nach Auswertung des Flugdatenschreibers bekannt, dass während des Fluges ein Explosionsgeräusch zu hören gewesen sei. Der russische Präsident Wladimir Putin verordnet einen Flugstopp nach Ägypten. (4. November 2015) Britische Touristen kehren mit Bussen vom Flughafen Sharm al-Sheikh in ihre Hotels zurück, nachdem Ägypten nur 8 statt der geplanten 29 Rettungsflüge erlaubt hat. (6.11.2015) Ägypten erlaubt laut EasyJet zwei Rückflüge: Ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft informiert die in Sharm al-Sheikh gestrandeten Touristen. (6.11.2015) Ägyptische Behörden haben Rettungsflüge untersagt: John Casson, britischer Botschafter in Ägypten spricht am Flughafen in Sharm al-Sheikh mit Journalisten. Ob Easyjet ab Ägypten fliegen darf oder nicht ist unklar: Angestellte der britischen Regierung helfen Touristen. (06. November 2015) Hoffnung für britische Touristen – 29 Sonderflüge sollen sie nach Hause bringen. (6. November 2015) Die niederländische Fluggesellschaft KLM lässt Passagiere, die von Kairo nach Amsterdam fliegen wollen, nur noch mit ihrem Handgepäck an Bord. (6. November 2015) Ein US-Satellit hat gemäss Medienberichten über dem Sinai einen Hitzeblitz registriert. (1. November) Ein russischer Ermittler prüft die Pässe der verstorbenen Passagiere. (2. November) Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf eine Explosion an Bord der Maschine. (3. November) Ermittler sammeln die Gepäcksstücke der Verstorbenen. (3. November) Das Flugzeug befand sich laut einem Experten in sicherster Flugphase. (1. November 2015) Die Blackbox hat auf dem Flug 7K9268 komische Geräusche aufgezeichnet. (2. November 2015) Metrojet schliesst einen technischen Defekt aus. (1. November 2015) Ein Flugzeug mit den sterblichen Überresten von 144 Insassen der Unglücksmaschine landete am Montagmorgen in St. Petersburg am Flughafen Pulkovo. (2. November 2015) Die Opfer sollen von etwa 50 Gerichtsmedizinern mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben werden. (2. November 2015) Die sterblichen Überreste werden auf einen LKW geladen und abtransportiert. (2. November 2015) Das Gelände, auf welchem die Maschine abgestürzt ist, wird von russischen Spezialisten untersucht. (1. November 2015) Ausserhalb der russischen Botschaft teilen die Einwohner von Kairo ihr Mitgefühl für die Tragödie auf der Sinai-Halbinsel mit. Inzwischen werden die ersten sterblichen Überreste von Kairo nach Russland transportiert. (1. November 2015) Bewegend: Bei einer grossen Trauerzeremonie haben Tausende von Menschen in St. Petersburg der 224 Opfer des Flugzeugabsturzes in Ägypten gedacht. (1. November 2015) Zum offiziellen Abschluss der Zeremonie legten die Teilnehmer eine Schweigeminute ein. (1. November 2015) Auch in anderen osteuropäischen Staaten wird den Opfern gedacht – so zum Beispiel in Litauen. (1. November 2015) Ein Bild des Grauens: Die Ermittler untersuchen den Unfallort – anfänglich vermutete man einen Abschuss durch eine Rakete. (1. November 2015) Die Absturzstelle des Flugzeuges befindet sich in umkämpftem Gebiet, ägyptische Sicherheitskräfte eskortieren Journalisten und Rettungskräfte. (1. November 2015) Nach dem Unglück des russischen Airbus werden die ersten Bilder des Wracks gezeigt. (31. Oktober 2015) Der ägyptische Premierminister am Unglücksort. (31. Oktober 2015) Die ägyptischen Behörden veröffentlichen die ersten Bilder der abgestürzten Maschine. (31. Oktober 2015) Die Teile liegen überall auf der Halbinsel verteilt. (31. Oktober 2015) Bei der russischen Botschaft in Kiew haben Menschen Blumen und Kerzen niedergelegt. Unter den Opfern befinden sich auch drei Ukrainer. (31. Oktober 2015) Nach dem Absturz des russischen Airbus umfliegen mehrere Airlines vorsichtshalber die Sinai-Halbinsel. (31. Oktober 2015) Keine Überlebenden: Ägyptische Ambulanzfahrzeuge transportieren die geborgenen Leichen. (31. Oktober 2015) Die Opfer sind bis auf drei Ukrainer alles Russen. (31. Oktober 2015) Über 100 Tote wurden geborgen. Am Unfallort kümmern sich Helfer um die Hinterbliebenen der Opfer. (31. Oktober 2015) Eine verzweifelte Angehörige eines Passagiers am Flughafen Pulkowo II in St. Petersburg, wo die Maschine aus Sharm al-Sheikh hätte landen sollen. (31. Oktober 2015) Ambulanzautos warten am Flughafen in Kairo. (31. Oktober 2015)

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Russland hat den Absturz des russischen Flugzeugs auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten mit 224 Toten jetzt offiziell als Terrorakt eingestuft. Eine selbst gebastelte und an Bord gebrachte Bombe habe die Maschine Ende Oktober in der Luft gesprengt, sagte Alexander Bortnikow, der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB. Die Behörde setzte eine Belohnung von 50 Millionen Dollar für Hinweise auf die Urheber aus. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien noch schärfer vorzugehen und reagierte umgehend: Nach der Einstufung des Flugzeugabsturzes als Terroranschlag hat die russische Luftwaffe Stellungen der Dschihadistenmiliz in Syrien angegriffen. Russische Kampfflugzeuge bombardierten Ziele in Raka und in der Provinz Deir Essor.

Der IS hatte bereits kurz nach dem Absturz erklärt, den Flieger vom Himmel geholt zu haben und dies als Vergeltung für die russischen Luftangriffe auf die Miliz in Syrien bezeichnet. Russland und auch Ägypten hatten sich nach dem Absturz zunächst lange gegen die Möglichkeit eines Anschlags gesträubt, während die USA und Grossbritannien relativ schnell eine an Bord geschmuggelte Bombe als Ursache vermuteten. Ägyptische Medien verbreiteten die jüngsten Erkenntnisse aus Moskau, es gab aber zunächst keinen Kommentar vor offizieller Seite.

Keine Bodentruppen

Putin sagte am Dienstag nach den neuesten Erkenntnissen des FSB, das Land werde seine Luftangriffe gegen den IS und andere Gruppen in Syrien nicht nur fortsetzen, sondern verstärken. Er wies das Verteidigungsministerium und Generäle an, Vorschläge zu unterbreiten, wie der russische Einsatz modifiziert werden könne. Sein Sprecher Dmitri Peskow sagte aber, all dies bedeute nicht, dass Russland Bodentruppen nach Syrien schicken werde.

Die Belohnung werde in Dollar ausgezahlt, teilte der FSB weiter mit. Die Behörde rief Russen sowie die internationale Gemeinschaft auf, zu kooperieren und die «Terroristen» zu identifizieren.

Selbst gebastelte Bombe

«Ich kann sicher sagen, dass es ein Terrorakt war», sagte Bortnikow Putin bei einem Treffen nach dessen Rückkehr vom G-20-Gipfel in der Türkei. «Unseren Experten zufolge explodierte an Bord eine selbst gebastelte Bombe, die etwa einem Kilogramm TNT entspricht». Die Explosion habe das Flugzeug in der Luft auseinanderbrechen lassen. Das erkläre auch, warum die Wrackteile über solch einem grossen Gebiet niedergegangen seien. Nachdem Bortnikow das Wort «Terrorakt» ausgesprochen habe, habe Putin alle Beteiligten des Treffens zu einem Moment des Schweigens aufgefordert, hiess es.

Russland, ein enger Verbündeter von Syriens Präsident Baschar al-Assad, fliegt seit Ende September Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat - und nach Einschätzung westlicher Länder auch auf gemässigte Rebellen. Der IS hatte Moskau auch angedroht, als Vergeltung für die Bombardements Anschläge in Russland selbst zu verüben.

Keine Überlebenden

Wo die Bombe gebaut wurde, blieb unklar. Sie sei aber ausserhalb Russlands produziert worden, sagte Bortnikow. Der Airbus der russischen Gesellschaft Metrojet war am 31. Oktober im Badeort Scharm el Scheich im Süden der Sinai-Halbinsel mit Ziel St. Petersburg gestartet und etwa 23 Minuten später im Norden abgestürzt. Alle Menschen an Bord kamen ums Leben, die meisten von ihnen waren russische Touristen.

Der IS gilt auch als Urheber der Serie von Terrorakten, bei der am Freitag in Paris 129 Menschen ums Leben kamen und 350 verletzt wurden.

(dia/sda)