1400 Frauen und Kinder

11. September 2017 12:41; Akt: 11.09.2017 12:41 Print

Irak hält Familien von IS-Kämpfern in Lager fest

Tausende Ausländer waren ins vom IS ausgerufene Kalifat gereist. Viele Kämpfer brachten ihre Frauen und Kinder mit. Nach der jüngsten IS-Niederlage sind nun auch sie inhaftiert worden.

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Die irakischen Behörden halten nach Angaben von Insidern rund 1400 ausländische Frauen und Kinder von mutmasslichen IS-Kämpfern in einem Lager fest. Derzeit werde versucht, deren Identitäten mit Hilfe der mutmasslichen Heimatländer zu klären, sagte ein Mitarbeiter des irakischen Geheimdienstes der Nachrichtenagentur Reuters. Das Lager stehe südlich der Stadt Mossul, einer ehemaligen Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Reuters-Reporter sahen hunderte Frauen und Kinder in dem Lager auf Matratzen in Zelten sitzen. Dort wurde unter anderem türkisch, französisch und russisch gesprochen. Helfern zufolge kommen viele der Frauen und Kinder nach eigenen Angaben aus Russland, der Türkei und Zentralasien, aber auch aus europäischen Ländern.

Die meisten von ihnen hätten sich gemeinsam mit ihren Männern in der Stadt Tal Afar den kurdischen Peshmerga ergeben. Die Peshmerga hätten dann die Frauen und Kinder an irakische Kräfte übergeben. Die Männer hingegen, die für Kämpfer des IS gehalten wurden, seien von den Peshmerga inhaftiert worden. Peshmerga und die irakische Armee hatten Tal Afar Ende August vom IS zurück erobert.

Unklarheit über Rückkehr

Dem Mitarbeiter des irakischen Geheimdienstes zufolge wird derzeit mit den Botschaften über eine Rückkehr der Frauen und Kinder in ihre mutmasslichen Heimatländer verhandelt. Die meisten hätten aber keine Original-Papiere bei sich.

Aus den Reihen westlicher Länder waren zuletzt Bedenken geäussert worden gegen eine Rückkehr von radikalisierten Kämpfern und ihren Familien nach dem Sturz einiger IS-Hochburgen. Aus Frankreich hatte es im August geheissen, man sei dafür, dass Erwachsene, denen Verbindungen zum IS vorgeworfen würden, im Irak vor Gericht gestellt würden.

Vom Ehemann getäuscht

Zwei Frauen in dem Camp, mit denen Reuters-Reporter sprechen konnten, gaben an, sie seien von ihren Männern mit in den Irak gebracht worden, als diese sich dem IS angeschlossen hätten. Eine der Frauen sagte, sie sei von ihrem Mann über dessen wahre Absichten getäuscht worden.

Andere rücken die Herrschaft des IS in positives Licht: «Wir konnten unsere Religion in Aserbaidschan nicht praktizieren, sagte eine der Frauen, Fejrusa, die ursprünglich aus der russischen Teilrepublik Dagestan stammt. «Uns wurde gesagt, dass sie im Irak den Islam umgesetzt hätten und wir kamen hierher und es war wahr. Wir lebten unsere Leben als Muslime und wir waren glücklich, bis die Kriegsflugzeuge kamen und alles zerstörten», sagte sie.

«Wir haben keine Morde gesehen. Das ist nicht passiert», sagt auch eine andere. Weitere Bewohner, die vor der Eroberung Tal Afars im August zu Tausenden aus der Stadt geflohen waren, hatten hingegen von Gräueltaten und Hunger unter dem brutalen Joch des IS berichtet. Die Frauen erklärten, sie wüssten nichts über das Schicksal ihrer Männer, die sich kurdischen Kämpfern ergeben hatten.

Die Frauen und Kinder dürfen das Lager derzeit nicht verlassen. Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC), eine humanitäre Hilfsorganisation, forderte, der Irak müsse nun schnell klarmachen, was er mit den Frauen und Kindern vorhabe. Gegenwärtig seien sie dort faktisch Gefangene. Sie hätten aber Anspruch auf Schutz, Hilfe und Information.

(sda)