Todesstrafe für Todesfahrer

01. Juli 2012 06:00; Akt: 01.07.2012 06:11 Print

Saudi Arabien will einen Raser köpfen

An Wochenenden am Stadtrand mit kreischenden Reifen über Highways driften – das ist in Saudi-Arabien ein Volkssport. Nun geht das Regime von Riad rigoros gegen die waghalsigen Stunt-Fahrer vor.

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In Saudi-Arabien ist ein junger Mann zum Tod verurteilt worden, weil er während eines Stunts mit seinem Auto in der Nähe der Metropole Riad zwei Menschen getötet und Fahrerflucht begangen hat. Das berichtet die saudische Tageszeitung «El Watan».

Er ist der zweite Saudi, der die Todesstrafe gewärtigt wegen eines Drifts mit tödlichem Ausgang. 2005 ist ein Marineoffizier verurteilt worden, der bei einem nächtlichen Stunt drei Minderjährige getötet hatte. Seine Strafe wurde später in 3000 Peitschenhiebe und 20 Jahre Haft umgewandelt.

Nicht selten Todesopfer

Driften, bei dem der Fahrer sein Auto quer zur eigentlichen Fahrtrichtung stellt, ist im Mittleren Osten ein beliebter illegaler Volkssport. Anders als beim westlichen Drift geht es beim arabischen Driften – Tafheet genannt – nicht darum, driftend Kurven zu fahren, sondern auf geraden Strecken das Auto zum Schlingern und Drehen zu bringen.

Die waghalsigen Stunts werden mit sehr hohen Geschwindigkeiten auf öffentlichen Strassen gemacht. Oft kommt es zu hässlichen Zusammenstössen mit anderen Autos, Hindernissen oder Zuschauern. Nicht selten gibt es Tote. Auf YouTube finden sich viele Videos mit üblem Ausgang.

Die «New York Times» bezeichnete Tafheet in einer Reportage als populärsten Sport der gelangweilten und unterbeschäftigten saudischen Jugend. Sie trifft sich an Wochenenden an den Highways, dort wo die Stadt in Wüste übergeht, um sich diesem zweifelhaften Vergnügen zu widmen: «Es ist eine Art kollektiver Schrei der Frustration, eine seltene Äusserung von Ausgelassenheit in einem ultrakonservativen Land, in dem die Geschlechter streng getrennt sind und fast jede öffentliche Unterhaltung illegal ist.»

Drifter werden selten geschnappt

Bei den Autos, die bei den riskanten Vorführungen arg strapaziert werden, handelt es sich meist um gemietete Mittelklassewagen. Der Polizei, die von besorgten Anwohnern oder Beobachtern gerufen wird, gelingt es offenbar höchst selten, die Drifter zu schnappen.

Der verurteilte Raser bezeichnete sich selbst als «Mutannish» – als Mann, dem alles egal ist. Das Gericht begründete die Todesstrafe mit dem «abscheulichen Frevel», den er begangen hat und hofft, mit dem Urteil andere davon abzuhalten, «mit der nationalen Sicherheit zu spielen». Wann das Todesurteil vollstreckt werden soll, ist nicht bekannt.

Gemäss Amnesty International hat Saudi-Arabien 2011 mindestens 82 Menschen exekutiert, viele von ihnen durch öffentliches Köpfen.

(le)