Ex-Vertrauter packt aus

16. September 2011 17:54; Akt: 17.09.2011 02:01 Print

Berlusconi und die wilden 30Berlusconi und die wilden 30

Die Schlinge um den Hals von Silvio Berlusconi zieht sich weiter zu. Der Mann, der ihm die Prostituierten organisiert haben soll, hat ausgepackt.

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Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmasslichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer «erheblichen Zahl» junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte «Ruby Rubacouri» Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert. Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf. Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom «Cavaliere» bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll «Papi». Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von «Big Brother». Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: «Ein schamloses Luder im Dienste der Macht», nannte sie Sozio. Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl geschafft hat. Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der «Cavaliere» über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: «Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.» Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. Dem Model Aida Yespica versprach der Ministerpräsident: «Mit dir ginge ich überall hin.» Prompt musste er sich öffentlich bei seiner damaligen Ehefrau Veronica Lario entschuldigen.

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Ein ehemaliger Vertrauter von Silvio Berlusconi soll rund 30 junge Frauen für Feiern des italienischen Ministerpräsidenten engagiert haben. Gianpaolo Tarantini habe zwischen September 2008 und Mai 2009 die Frauen nach ihrem Aussehen und Alter ausgesucht, heisst es in nun veröffentlichten Ermittlungsakten.

Zudem habe der Geschäftsmann ihnen Anweisungen erteilt, wie sie sich kleiden und auf den Partys verhalten sollten. Einige der Frauen soll er für Geschlechtsverkehr mit Berlusconi bezahlt haben. Gegen den Ministerpräsidenten selbst wird in diesem Fall nicht ermittelt.

Die Ermittler sprachen von über 100 000 Gesprächen und Anrufen, die Berlusconi belasten. Der Cavaliere soll sich darin über die wilden Nächte mit den Prostituierten ausgelassen haben. Die Frauen sollen aus Italien, Südamerika und Osteuropa stammen.

Unter allem war laut Medienberichten neben den bereits bekannten Namen von Ionna Visan, Francesca Lana und Sara Tommasi die Rede. Alles entweder Callgirls oder italienische Showgirls. Auch die «Königsbiene» Sabina Began kommt in den Protokollen vor. Auch die soll Berlusconi Frauen vermittelt haben.

Tarantini und seine Ehefrau Angela Devenuto waren Anfang des Monats in Rom festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, Berlusconi im Zusammenhang mit den Sex-Gerüchten erpresst zu haben.

500 000 Euro an Tarantini

In Bari wurde bereits zuvor wegen Förderung der Prostitution gegen Tarantini ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Neapel geht davon aus, dass der Geschäftsmann Berlusconi gedrängt hat, für die Anwalts- und Unterbringungskosten seiner Familie aufzukommen. Im Gegenzug habe er zugesagt, den Ministerpräsidenten aus den Ermittlungen in Bari herauszuhalten.

Die Vereinbarung habe offenbar vorgesehen, dass sich Tarantini um eine Verständigung im Strafverfahren bemühen sollte, um einen öffentlichen Prozess zu vermeiden, sagte Staatsanwalt Francesco Greco Anfang September. Damit habe wohl verhindert werden sollen, dass für Berlusconi kompromittierende Abhörprotokolle von Telefongesprächen zwischen den Prostituierten veröffentlicht werden.

Wie viel Geld Berlusconi für seine Kooperation an Tarantini gezahlt hat, sagte Greco damals nicht. Das Magazin «Panorama» hatte Ende August berichtet, es seien einmalig 500 000 Euro und weitere monatliche Zahlungen geflossen.

Die Frauen des Präsidenten:

Sara Tommasi:

Barbara Guerra:

(aeg/sda)