«Sicherheitsrisiko»

07. Juni 2013 06:24; Akt: 07.06.2013 10:42 Print

Geheimdienst-Chef schlägt zurück

Der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper ist unglücklich über die Enthüllungen der US-Presse. Diese seien «verwerflich» und würden die Sicherheit gefährden.

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: NSA-Direktor General Keith B. Alexander und Leiter des U.S. Cyber Command musste sich in Washington den Fragen der Poltiker stellen und verteidigte die umfängliche Spionage seiner Behörde. Rechts von ihm sitzt Rand Beers vom Department of Homeland Security. Die Enthüllungen reissen nicht ab: Am Freitag, 7. Juni 2013, meldet der «Guardian», dass US-Präsident Barack Obama seine Geheimdienste angewiesen hat, eine Liste von potenziellen Zielen für Cyber-Attacken zu erstellen. Von der «Washington Post» und dem «Guardian» am Donnerstag veröffentlichte Dokumente sollen beweisen, dass der US-Geheimdienst NSA Zugang zu den Servern von Internet-Giganten wie Google, Microsoft und Apple hat. Mit dem PRISM-Programm verschaffte sich die NSA Zugriff auf gewaltige Datenmengen. Ein Grossteil der internationalen Kommunikation läuft heute über die USA ab, da ein E-Mail, Anruf oder Chat nicht den kürzesten Weg nimmt, sondern immer den billigsten. Aufgezeichnet und abgehört werden beispielsweise über Gmail und Hotmail verschickte E-Mails, über Skype geführte Chats und Videoanrufe sowie Facebook-Aktivitäten. Der Geheimdienst interessiere sich nicht für den Inhalt jeder einzelnen Nachricht, sondern für bestimmte Muster, zum Beispiel: Wer schreibt/telefoniert wann und mit wem? Microsofts soll den US-Behörden bereits seit 2007 Zugriff auf die Server gewähren. Im Überwachungsprogramm PRISM sollen sich auch Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, YouTube, Skype, AOL und seit Ende 2012 Apple befinden. Die National Security Agency (NSA): Ihr Auftrag ist es, Signale – beispielsweise E-Mailverkehr eines Terrorverdächtigen oder Daten von Radarstationen – aus dem Ausland zu sammeln und zu interpretieren. Seit 2007 sammelt sie systematisch Daten von Ausländern, deren Mailverkehr über US-amerikanische Server laufen. Dazu hat sie zentrale Rechner zahlreicher Firmen angezapft. Yahoo gehört dazu, ... ... Google und auch ... ... Microsoft. Sie liefern gemäss des Autors einer internen Präsentation für NSA-Analysten 98 Prozent der Daten, die im Rahmen des Programms PRISM seit 2007 direkt von den Servern der «privaten Partner» gesaugt werden. Auch Youtube wird in der Präsentation als «Partner» bezeichnet, ebenso ... ... der Videotelefoniedienst Skype, mit dem sich hier der britische Thronfolger Prinz Charles anzufreunden versucht, sowie ... ... Internetprovider und Multimedia-Gigant AOL und ... ... Videochat-Community PalTalk, die zwar kleiner ist als die andern Internetfirmen, aber im arabischen Frühling eine wichtige Rolle spielte. Apple habe sich fünf Jahre lang geweigert, sei jetzt aber auch dabei, schreibt die «Washington Post». Der Konzern dementiert dies kategorisch: Daten würden nur in begründeten Einzelfällen herausgegeben. Gleich argumentiert ... ... Facebook, dem die Privatsphäre der Mitglieder heilig sei. Auch die anderen genannten Firmen dementieren, NSA und FBI Zugang zu ihren Rechnern zu gewähren. Gemäss der «Washington Post» werden die Firmen aber in der ihr zugespielten Präsentation als «private Partner» bezeichnet, die an PRISM freiwillig teilnähmen. James Clapper, nationaler Geheimdienstdirektor der USA, sieht durch die Enthüllungen der letzten Tage die nationale Sicherheit gefährdet und wirft den Zeitungen vor, Halbwahrheiten zu verbreiten.

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Nach den Enthüllungen über streng geheime Programme zur massenhaften Sammlung von Kommunikationsdaten geht die US-Regierung in die Gegenoffensive: Geheimdienstchef James Clapper nannte die Veröffentlichungen am Donnerstag «verwerflich» und eine mögliche Gefährdung der Sicherheit. Die Fähigkeit der USA, auf Bedrohungen zu reagieren, könnte langfristig und unumkehrbar geschädigt werden.

Clapper sagte, Medienberichte über die Programme enthielten Ungenauigkeiten und hätten entscheidende Informationen weggelassen. Er werde die Geheimhaltung über einige Details des Telefonprogramms aufheben, damit die US-Bürger über dessen Grenzen informiert würden. Dazu gehöre, dass ein Sondergericht das Programm alle 90 Tage überprüfe. Dieses Gericht untersage den Behörden, wahllos Telefondaten zu durchsuchen. Alle Anfragen würden nur genehmigt, wenn Fakten einen begründeten Verdacht belegten.

Audio, Video, Mails, Fotos und Dokumente

Die Zeitungen «Washington Post» und der britische «Guardian» berichteten am Donnerstag, die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) und die Bundespolizei FBI durchsuchten auch die grössten Internetangebote und Sozialen Netzwerke. Allerdings war zunächst nicht klar, ob das «PRISM» genannte Programm wie die Telefondatensammlung allumfassend oder zielgerichtet auf Terrorismusverdächtige oder Straftäter angelegt ist.

Den Zeitungen zufolge extrahieren die NSA- und FBI-Fahnder Audio, Video, Fotos, E-Mail-Dokumente und Verbindungsdaten, um Kontakte und Bewegungen einer Person nachzuvollziehen. Zu den betroffenen Firmen gehören Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, YouTube und Apple.

Google teilte dazu in einer Erklärung mit, es überlasse den Behörden Nutzerdaten in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht und prüfe solche Anfragen sorgfältig. «Hin und wieder werfen uns Leute vor, eine 'Hintertür' für die Regierung in unseren Systemen geschaffen zu haben», erklärte Google. «Google hat aber keine 'Hintertür' für die Regierung, um an private Nutzerdaten zu kommen.»

«Kein direkter Zugang»

Facebook teilte mit, der Schutz der Privatsphäre habe für das soziale Netzwerk höchste Priorität. Wenn eine Behörde von Facebook spezielle Informationen über einen Nutzer haben wolle, werde das nach geltender Rechtslage geprüft. Einen direkten Zugang zu den Facebook-Servern gebe es für die Behörden nicht.

Die Regierung von Präsident Barack Obama hatte nach dem «Guardian»-Bericht indirekt eingeräumt, dass systematisch Millionen von Telefonverbindungsdaten normaler Bürger gesammelt werden. Das Weisse Haus verteidigte die Massnahme als «entscheidendes Instrument» im Kampf gegen Sicherheitsbedrohungen. Die demokratische US-Senatorin Dianne Feinstein sprach von einer seit längerem gängigen Praxis. Dennoch gab es einen Aufschrei der Empörung, unter anderem vom ehemaligen demokratischen Vizepräsidenten Al Gore.

Patriot Act als Grundlage

Die britische Zeitung berichtete konkret von einer geheimen gerichtlichen Anordnung, mit der die Nationale Sicherheitsbehörde NSA derzeit die Verbindungsdaten aller Kunden des Telefonkonzerns Verizon sammeln lässt. Die Anordnung vom 25. April gelte noch bis 19. Juli, berichtete die Londoner Zeitung. Sie verpflicht Verizon - mit 121 Millionen Kunden einer der grössten Telefonkonzerne der USA -, der NSA täglich Informationen über alle Telefongespräche in ihren Systemen zu übermitteln - seien es Inlands- oder Auslandsgespräche.

Die gesetzliche Grundlage für die Anordnung ist den Angaben zufolge der Patriot Act, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurde. Dem Zeitungsbericht zufolge werden Daten wie Gesprächsdauer, Standort, Uhrzeit und Identifikationsnummern weitergegeben. Weder die NSA noch Verizon nahmen zu dem Bericht Stellung.

(bem/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matrix am 07.06.2013 04:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcome to the real world

    So viel zum thema cloud computing bei google microsoft u co. Suuberi sach und effizient, sicher total förderlich um viele "Kunden" los zu werden Dann sagen wir auf wiederseh'n die zeit mit euch war wunder schön es ist nun besser jetzt zu geh'n, wir können keine tränen seh'n schönen gruss und auf wiederseh'n (die toten hosen)

  • dkritiker am 07.06.2013 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert es?

    Dass die grossen Geheim- und Sicherheitsdienste mitlesen war seit Zeiten von Hotmail bekannt und anzunehmen. Auch bekannt ist, dass die Sicherheitsdienste Verschlüsselungsalgorythmen nicht zulassen, solange die Entwickler diesen die Entschlüsselungstechnik nicht soweit eröffnen, dass sie problemlos entschlüsseln können (bsp. netscape's 128bit verschlüsselung war verboten anzuwenden in den usa). So, und jetzt die grosse Enthüllung? sicher nicht! Die USA mit ihrer Kontrollparanoia brauchen es doch, sonst könnten sie womöglich nicht so viel Kontrolle ausüben. Willkommen in der Realität!

  • Etienne Rainer am 07.06.2013 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nacht

    Die Menschen scheinen langsam aufzuwachen?! Wir begeben uns doch alle naiv und unbesorgt in die Internetfalle, freiwillig! Gewisse paranoide Kreise, wollen dem Volk klar machen, dass die totale Überwachung zum Schutz der Allgemeinheit sei, namentlich all die bösen Terroristen die uns bedrohen dingfest zu machen! Drum schlaf schön ein und gute Nacht, wir werden alle überwacht, kein Grund, dass man sich Sorgen macht, drum schlaft schön ein und gute Nacht.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Xoff Pardey am 07.06.2013 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Innere Sicherheit

    Wer bestimmt eigentlich, was die Innere Sicherheit der USA gefährdet? Ich glaube bald, dass schlicht alles gefährdend ist, das nicht absolut auf der Linie einiger weniger selbsternannter Sicherheitsapostel liegt. Was bin ich froh, dass wir hierzulande noch ungestraft Kritik äussern und verrückte Ideen haben können!

  • Erik am 07.06.2013 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wir alle sind schon lange gläsern

    Aber was daran stört ist, dass die Ausspionierten, also wir, kein Recht haben, an "Ihre Daten" zu kommen, um zum Beispiel an juristisch verwertbares Beweismaterial zu kommen. Und der Datenschützer sollte verhältnismässig sein, wenn es um Videobeweissicherung Privater geht: Es kann ja nicht sein, dass ein/der Staat alles darf, die Amis vielleicht sogar eine Scharfrichterdrohne losschicken aber der Private hingegen gar keine potentiellen Beweismittel sammeln darf, juristisch-beweismitteltechnisch wehrlos bleiben muss.

  • Jonas Schenk am 07.06.2013 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    was ist da neu dran?

    glaubt ihr er ist der erste präsident dessen geheimdienst leute abhört und ausspioniert? es gibt sogar private firmen die sowas machen da können dann arbeitgeber ihre angestellten anschauen.

  • dkritiker am 07.06.2013 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert es?

    Dass die grossen Geheim- und Sicherheitsdienste mitlesen war seit Zeiten von Hotmail bekannt und anzunehmen. Auch bekannt ist, dass die Sicherheitsdienste Verschlüsselungsalgorythmen nicht zulassen, solange die Entwickler diesen die Entschlüsselungstechnik nicht soweit eröffnen, dass sie problemlos entschlüsseln können (bsp. netscape's 128bit verschlüsselung war verboten anzuwenden in den usa). So, und jetzt die grosse Enthüllung? sicher nicht! Die USA mit ihrer Kontrollparanoia brauchen es doch, sonst könnten sie womöglich nicht so viel Kontrolle ausüben. Willkommen in der Realität!

  • Mr. Morpheus am 07.06.2013 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 2

    Seit dem patriot act der von unser allen etabliert wurde, ja der, der einst 2 Kriege anzettelte und jetzt Hunde mahlt, werden alle total überwacht. Wir leben nicht seit gestern in einer Totalitären Gesellschaft. Die Bürgerrechte von den Nord-Amerikanern wurden 2001 den Bach runtergespült aber auch bei uns ist nicht alles koscher! Personen welche dem Establishment nicht in den Kram passen wurden lange vor 2001 versorgt ebenfalls ohne Anklagepunkte und auf unbestimmte Zeit.