Politiker teilt aus

09. August 2012 15:06; Akt: 09.08.2012 15:07 Print

Madonna, eine «ehemalige Hure»

Die ganze Affäre rund um die Skandal-Band Pussy Riot scheint dem russischen Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin zu viel zu werden. Er beschimpft deren Kollegin Madonna.

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Am zu besprechen. : Pussy-Riot-Mitglied Nadescha Tolokonnikowa darf das Gefängnis verlassen. Kaum in Freheit fordert sie ein «Russland ohne Putin». Nadescha Tolokonnikowa zeigt sich in Siegerpose. Kurz davor war bereits Maria Aljochina freigelassen worden. Ein Amnestie-Gesetz ermöglichte ihre Freilassung. Im Hintergrund steht ihr Anwalt Piotr Saikin. In diesem Gefängnis in Nischni Nowgorod sass Aljochina ein. Die 23-jährige Aktivistin und Mutter tritt aus Protest gegen die «unmenschlichen Haftbedingungen» in den Hungerstreik. Tolokonnikowa war in diesem Gefängnis in Krasnojarsk eingesperrt. : Das höchste Moskauer Gericht bestätigt das Urteil gegen die beiden Inhaftierten Pussy-Riot-Mitglieder und wirft Vorwürfe eines politischen Prozesses zurück. «Sie sind keine politischen Häftlinge, sondern einfach nur Rowdys», heisst es. Maria Aljochina, die eine Woche zuvor in den Hungerstreik getreten war, da man sie von ihrer eigenen Bewährungsanhörung ausgeschlossen hatte, wurde in ein Spital eingeliefert. Wende im Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot. Eine der drei verurteilten Frauen, Jekatarina Samuzewitsch, wird im Berufungsverfahren freigesprochen. Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden. Die zwei anderen Frauen, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, müssten aber für zwei Jahre ins Gefängnis, teilte das Gericht am mit. Der Berufungsprozess gegen die zweijährige Haftstrafe für die drei Frauen wird fortgesetzt. Die Verteidigung befand das Urteil für falsch: Das Gericht habe in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger der Band. Die Polizei markierte Präsenz. Zwei Personen wurden festgenommen. Am 17. August 2012 werden die Mitglieder der Punkband Pussy Riot - Jekaterina Samuzewitsch, 30, Maria Aljochina, 24, und Nadeschda Tolokonnikowa, 23 (v.l.) - wegen Rowdytums «aus religiösem Hass» von einem Moskauer Gericht zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Putin kann nicht gnädig sein: Pussy Riot haben ein . «Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten», schrieb Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». An ein unanabhängiges Urteil glaubt die 22-Jährige nicht. «Das ist eine Illusion.» Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Auch am Tag der Urteilverküdung kam es vor dem Gerichtssaal in Moskau zu Tumulten und Verhaftungen. Bei den Protesten wurde laut Nachrichtenagentur Interfax der Oppositionsführer ) Bürgerrechtler aus aller Welt haben für den , Proteste gegen Prozess angekündigt. Amnesty International erkennt die drei Musikerinnnen als politische Gefangene an. statt: Der russische Staat und die orthodoxe Kirche gehen hart gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot vor. Nadeschda Tolokonnikowam, Maria Aljochina und Jekaterina Samutzewitsch (v.l.) am 8. August 2012 im Gerichtssaal. Bereits am Morgen des , stehen Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in Moskau präsent. Ebenfalls bereits am Vormittag werden die drei angeklagten Frauen ins Gericht gebracht, im Bild Maria Aljochina. Unterstützung erhalten die drei Pussy-Riot-Mitglieder von der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen. Am 17. August 2012 fällen sie ein orthodoxes Kreuz, das als Zeichen für die Opfer politischer Repression errichtet worden war. Die für Pussy Riot typischen farbigen Sturmmasken auf einem sozialistischen Monument zu Ehren der sowjetischen Armee in der bulgarischen Hauptstadt Bereits in den Tagen vor der angekündigten Urteilseröffnung kommt es weltweit zu Protesten: Vor dem spanischen Aussenministerium in . Selbst in Südamerika protestierten Frauen gegen den Prozess. Zivile Polizisten verhaften Demonstrantinnen vor der russischen Botschaft in . Drei Demonstrantinnen mit den für Pussy Riot typischen Sturmmasken vor der russischen Botschaft in . Das Symbol von Pussy Riot - und inzwischen ein Symbol für den Protest gegen Putin: Farbige Sturmmasken bei einer Demonstration in am 14. August. Unterstützung für Pussy Riot auch in . Hart gingen die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, wo Pussy Riot Filmaufnahmen machte, die zur Anklage führten. Internationale Künstler solidarisierten sich mit den angeklagten Mitglieder der Frauenband. «Nadeschda rechnet nicht damit, dass Putin ihnen vergeben hat», sagt der Ehemann der angeklagten Nadeschda Tolokonnikowa (im Bild). Er konnte seine Frau nach Monaten erstmals Mitte August im Gefängnis besuchen. Tolokonnikowa gab sich am Rande des Prozesses kämpferisch - obwohl der Mutter einer vierjährigen Tochter mehrere Jahre Haft drohten. Die drei angeklagten Mitglieder der Putin-kritischen Punkband mussten sich während des Prozesses in einem Plexiglas-Häuschen im Gerichtssaal aufhalten. Den Prozess ausgelöst hatte ein lautloser Auftritt der Band in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie hatten dort Filmaufnahmen gemacht für das Putin-kritische Lied «Gottesmutter, vertreibe Putin». Internationale Bands setzten sich für die drei jungen Frauen ein. haben sich kritisch über die Gefangenschaft der Musikerinnen geäussert. Auch in Russland protestierten Prominente. Die russische Filmregisseurin Olga Darfy tauchte im Juni 2012 am Moskauer Filmfestival in einer Maske auf - eine Anspielung auf die typischen Sturmmasken von Pussy Riot. Ein Künstler hat sich dabei die Lippen zugenäht.

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Nach der Kritik von Pop-Ikone Madonna am Umgang Russlands mit der Punkband Pussy Riot hat Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin indirekt schweres Geschütz gegen die Musikerin aufgefahren. Der Politiker scheint sich dabei eine schwere Entgleisung geleistet zu haben.

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Über den Kurznachrichtendienst Twitter schrieb der Politiker: «Jede ehemalige B., die einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, erlaubt sich Vorträge über Moral zu halten, insbesondere, wenn sie sich im Ausland auf Tournee befindet.» Hinter der Abkürzung verbirgt sich möglicherweise das Wort «Bljad» (auf Deutsch «Hure»).

Madonna hatte sich während eines Gastspiels in Russland für eine baldige Freilassung der Musikerinnen von Pussy Riot ausgesprochen, die wegen Rowdytums angeklagt sind. «Ich bin für die freie Meinungsäusserung und gegen Zensur und hoffe, dass die Richter Nachsicht zeigen», hatte die Sängerin erklärt.

Den drei Frauen der russischen Punkband wird vorgeworfen, vor der Präsidentenwahl die Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt und Wladimir Putin von der Kanzel herab verunglimpft zu haben.

Das Vorgehen der Behörden und die seit Monaten andauernde Inhaftierung der jungen Frauen wird international scharf kritisiert. Den Frauen drohen mehrere Jahre Haft. Das Urteil wird für den 17. August erwartet.

Konzert in St. Petersburg

Madonna zeigte sich vor dem zweiten Russland-Konzert am Donnerstagabend trotz scharfer Kritik von Politik und Kirche weiter kämpferisch. Ungeachtet eines Verbots, öffentlich in St. Petersburg über Homosexualität zu reden, werde sie sich mit Schwulen und Lesben solidarisieren, teilte die Sängerin mit.

Dazu werde sie bei dem Konzert rosarote Armbänder verteilen lassen, hiess es auf ihrer Webseite. Der Stadtabgeordnete Witali Milonow von der Regierungspartei Geeintes Russland drohte mit einer Anzeige, sollte Madonna «Homosexualität propagieren». Darauf stehen Geldstrafen. Er werde das Konzert filmen lassen, sagte Milonow.

Sicherheitswarnung der USA

Vor der Erlöserkathedrale in Moskau zündeten Erzkonservative ein Foto von Madonna. «Wir sind gegen Sünde», erklärte der Chef der Vereinigung orthodoxer Kirchenfahnenträger, Leonid Simonowitsch-Nikschitsch, der Agentur Interfax.

Das Generalkonsulat der USA in St. Petersburg gab auf seiner Internetseite wegen möglicher gewaltsamer Proteste von Madonna- Gegnern eine Sicherheitswarnung heraus. Die russische Polizei sei mit 350 Mann im Einsatz, hiess es in russischen Medien.

(sda)