Jerusalem

28. Juli 2017 07:42; Akt: 28.07.2017 22:18 Print

Israel beschränkt Zugang zum Tempelberg

Kehrtwende in Jerusalem: Die israelische Polizei verbietet am Freitag vorübergehend Männern unter 50 Jahren den Eintritt zur heiligen Stätte.

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Der unbehinderte Zugang dauerte nur kurz: Israelische Polizisten positionieren sich vor dem Felsendom auf dem Tempelberg am 27. Juli 2017. Nach dem Abbau der umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen durch Israel kamen zwar erstmals wieder Palästinenser zu Gebeten in die heilige Stätte Zahlreiche Palästinenser versammelten sich am Fuss des Felsendoms und feierten den Abbau der Sperren mit einem Hupkonzert und Böllern. Ein Teilnehmer sprach von einem «Sieg» über Israel. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte derweil die Todesstrafe für den palästinensischen Attentäter, der drei jüdische Siedler erstochen hatte. Sorgt immer wieder für Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern: Der Tempelberg in Jerusalem. (Archivbild) Israel verwehrt Männern unter 50 Jahren den Zutritt zur Altstadt und zum Tempelberg für die Freitagsgebete: Palästinensische Geistliche sprechen mit israelischen Polizisten. (21. Juli 2017) Der Zugang ist nur Männern ab dem Alter von 50 Jahren sowie allen Frauen gestattet: Hunderte jüngerer Männer, denen der Zugang verwehrt wurde, beten auf der Strasse ausserhalb der Altstadtmauern. Bei Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften nach den Freitagsgebeten auf dem Tempelberg in Jerusalem sind mindestens 20 Palästinenser verletzt worden. Ein vermummter Palästinenser holt mit einer Steinschleuder aus. Nach Angaben einer Polizeisprecherin griffen Muslime nach dem Gebet Sicherheitskräfte mit Steinen an. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mussten rund 20 Menschen in Spitälern behandelt werden, weil sie von Hartgummigeschossen getroffen worden waren oder Tränengas eingeatmet hatten: Ein israelischer Polizist macht ein Selfe während den Krawallen. Zum Freitagsgebet strömen normalerweise Zehntausende Muslime: Palästinensische Gläubige beten vor der Jerusalemer Altstadt. (20. Juli 2017) Israel hat Metalldetektoren an den Zugängen zum Tempelberg aufgestellt: Israelische Sicherheitskräfte riegeln während Protesten den Zugang zur al-Aqsa-Moschee in Jerusalem ab. (20. Juli 2017) Eine Palästinenserin hält während des Protests gegen die Sicherheitsbestimmungen in Jerusalem den Koran hoch. (20. Juli 2017) Beten neben bewaffneten Sicherheitskräften: Im Laufe der Woche haben sich immer mehr Muslime an Gebeten in den Strassen um den Tempelberg beteiligt. (19. Juli 2017)

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Nach neuen Unruhen hat Israel den Zugang zum Tempelberg in Jerusalem vorübergehend wieder eingeschränkt. Männern unter 50 Jahren war der Zugang zu den heiligen Stätten am Freitag verwehrt, wie die Polizei mitteilte.

Befürchtet würden neue Demonstrationen und Gewalt, erklärten die Sicherheitskräfte. Es blieb jedoch zunächst ruhig. Am Abend wurde die Altersbeschränkung für den Zugang zum Tempelberg wieder aufgehoben. Der Freitag ist der Hauptgebetstag der Muslime.

Tempelberg in Jerusalem: Israel schränkt den Zugang nach neuen Ausschreitungen wieder ein. (Video: Tamedia/AFP)

Im Westjordanland wurde ein Palästinenser erschossen, der laut Armee einen israelischen Soldaten mit einer Stichwaffe attackierte. Am Rande des Gazastreifens wurde laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium ein Jugendlicher von Schüssen israelischer Soldaten getötet. Bei den Konfrontationen seien zudem sechs Palästinenser verletzt worden.

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, Palästinenser hätten versucht, den Sicherheitszaun zu Israel zu beschädigen. Es sei auf die Hauptanstifter gefeuert worden.Wegen der Tempelberg-Krise gab es in dem Küstengebiet mehrere Protestaktionen.

Nach dem Abbau der umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen durch Israel waren am Donnerstag erstmals seit rund zwei Wochen wieder Palästinenser zu Gebeten auf den Tempelberg gekommen. Kurz darauf gab es aber erneut Zusammenstösse mit israelischen Sicherheitskräften. Der Rote Halbmond sprach von mehr als 180 Verletzten rund um die Al-Aksa-Moschee.

Ausserdem gab das palästinensische Gesundheitsministerium bekannt, dass die Zahl der bei den jüngsten Auseinandersetzungen Getöteten auf sechs gestiegen sei. Das sechste Opfer, ein 26-jähriger Palästinenser, wurde demnach drei Tage zuvor im Westjordanland verletzt.

Kritik von Amnesty International

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den israelischen Sicherheitskräften vor, eine friedliche Menschenmenge mit «Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschossen» an einem Zugang zum Tempelberg beschossen zu haben. Die Organisation Palestinian Prisoners Club teilte mit, mindestens 119 Menschen seien festgenommen worden, 21 von ihnen weiter in Gewahrsam. Am Freitag zum Mittagsgebet war es jedoch zunächst ruhig. Tausende Gläubige kamen zu den Gebeten auf dem Tempelberg. Jugendliche Palästinenser protestierten an einem Zugang zu dem Gelände gegen Israel. Es kam lediglich zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern haben sich seit Mitte Juli extrem verschärft, nachdem Israel als Reaktion auf einen Anschlag auf Polizisten Metalldetektoren an einem Zugangspunkt zum Tempelberg aufgestellt hatte. Aus Protest gegen die Sicherheitsvorkehrungen und aufgestachelt von Gerüchten, Israel wolle den fragilen Status Quo bei der Kontrolle des Gebiets zu seinen Gunsten verändern, boykottierten die Muslime die Kontrollstellen und protestierten teilweise gewaltsam in Ost-Jerusalem. Am Donnerstag baute Israel die Sicherheitsvorkehrungen ab, wegen der Palästinenser für Freitag zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen hatten. Die Palästinenser kündigten daraufhin ein Ende ihrer Proteste an. Die israelische Polizei erklärte, die Zugangskontrollen seien nun wieder in dem Zustand wie vor dem Anschlag auf die Polizisten am 14. Juli. In den frühen Morgenstunden am Donnerstag versammelten sich zahlreiche Palästinenser am Fuss des Tempelbergs und feierten den Abbau der Sperren mit einem Hupkonzert und Böllern. Ein Teilnehmer sprach von einem «Sieg» über Israel. Am Nachmittag kamen erstmals wieder tausende Gläubige zum Gebet auf den Tempelberg.

Jordanien fordert Ermittlungen Jordanien verweigerte unterdessen dem israelischen Botschafter und seinem Botschaftsstab die Rückkehr in Land, bis Ermittlungen zu einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Jordaniens Hauptstadt Amman eingeleitet seien. Am Sonntagabend hatte laut dem israelischen Aussenministerium ein israelischer Wachmann der Botschaft einen jordanischen Angreifer erschossen und versehentlich auch einen zweiten Jordanier tödlich getroffen. Der Wachmann, der laut Israel diplomatische Immunität geniesst, kehrte am Montag nach Israel zurück, wo er wie ein Held empfangen wurde. Jordaniens König Abdullah forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu auf, den Verdächtigen vor Gericht stellen zu lassen. Am Freitag demonstrierten hunderte Jordanier nahe der israelischen Botschaft und forderten deren Schliessung. Israel kündigte eine Untersuchung gegen den Wachmann an, wie das israelische Aussenministerium am Freitagabend mitteilte. Die Untersuchung werde den anerkannten rechtlichen Verfahren folgen. Israel werde Jordanien über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

(sep/fal/sda)