Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
G-20-Gipfel
24. September 2009 13:42; Akt: 24.09.2009 14:00 Print
Wer tritt auf die Boni-Bremse?
von Matthias Armborst/AP - Üppige Boni führen zu übermässigen Risiken, die wiederum zu Krisen ungeahnten Ausmasses führen können - diese Ansicht ist seit dem beispiellosen Einbruch der Weltwirtschaft weit verbreitet. Doch was tun gegen Entgelt-Exzesse?
-
G-20-Gipfel: Wer tritt auf die Boni-Bremse?
-
Auch ohne USA: Barroso fordert Alleingang in der Boni-Frage
-
Microsoft will Vertrauen stärken: Aktionäre dürfen über Löhne mitbestimmen
-
Sanktionen gefordert: Die EU legt sich in der Bonifrage mit den USA an
-
EU-Sondergipfel: EU will klare Richtlinien für Boni
- Dossiers
-
Finanzkrise
- Was meinen Sie?
-
Von der Finanzkrise zur Wirtschaftskrise
Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy wollen auf dem am Donnerstag beginnenden G-20-Gipfel in Pittsburgh unter anderem verbindliche Boni-Bremsen durchsetzen.
«Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir die richtigen Lehren aus der Finanzmarktkrise ziehen und damit sicherstellen, dass sich eine solche Krise nicht wiederholt», sagte Merkel vor ihrem Abflug. Doch ob es wirklich zu einschneidenden Massnahmen kommt, ist fraglich: Mit Rücksicht auf die eigenen Finanzstandorte waren Grossbritannien und die USA bei diesem Thema bisher zurückhaltend.
Problem ist Systemimmanent
Das Problem ist das System. Gerade die Investmentbanker erhalten traditionsgemäss vergleichsweise knappe Grundgehälter. Boni auf ihre Einkommen ermöglichten ihnen aber häufig Millionen-Bezüge, Goldgräber-Stimmung herrschte. «Das ganze Tun, Denken und Handeln der Händler war auf den Bonus ausgerichtet», schreibt die Brokerin «Anne T.» in ihrem Buch «Die Gier war grenzenlos». Die Geldhäuser verteidigten ihre Extra-Zahlungen: Ohne sie wären die fähigsten Leute davongelaufen, hiess es häufig.
Nach dem Lehman-Schock schien zeitweise Mässigung einzukehren: Geldhäuser senkten - teils gezwungenermassen, teils demonstrativ - ihre Top-Manager-Vergütungen. So gingen die Bezüge von mehr als 300 Vorstandsvorsitzenden der im Standard & Poor's 500 Index geführten Unternehmen 2008 um 7 Prozent zurück auf durchschnittlich 7,6 Millionen Dollar (5,8 Millionen Euro), wie eine AP-Analyse ergab. Ein Minus von 97 Prozent auf 1,2 Millionen Dollar musste beispielsweise Morgan Stanley-Chef John Mack einstecken - für ihn gab es weder Boni noch Aktienoptionen.
Zu wenig Bescheidenheit
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekam für das Krisenjahr 2008 noch 1,39 Millionen Euro, wie es ihm Geschäftsbericht heisst - nur 10 Prozent seines Gehalts von 2007. Ackermann selbst empfahl eine Beschränkung, auch mit Blick auf den sozialen Frieden. Andere waren weniger bescheiden: Die bei der Übernahme durch die Commerzbank entlassenen neun Vorstände der Dresdner Bank erhielten inklusive Abfindungen rund 58 Millionen Euro - obwohl ihr Haus ein Minus von mehr als 6 Milliarden angehäuft hatte. Die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort pochten auf Prämien von insgesamt 400 Millionen Euro.
Bestrafung bei unverdienten Boni
Mit Blick auf Fälle wie diese hat sich zumindest in der EU die Auffassung durchgesetzt, dass ein auf kurzfristige Gewinne ausgerichtetes Unternehmenshandeln unterbunden werden sollte. Ein im Vorfeld von Pittsburgh verabschiedeter Katalog sieht Bestrafungen für den Fall vor, dass Banken unverdiente Boni auszahlen. Weitere wichtige Forderungen sind:
- eine verbesserte Führung und Aufsicht zwecks angemessener Kontrolle von Vergütungen
- mehr Transparenz und schärfere Offenlegungsvorschriften
- ein angemessenes Verhältnis zwischen variablen Vergütungen inklusive Boni und festen Vergütungen; garantierte Boni sollen vermieden werden
- eine angemessene Frist, während der Aktienoptionen nicht eingelöst und erhaltene Aktien nicht verkauft werden können
- eine Möglichkeit für Aufsichtsräte, Vergütungen im Falle nachlassender Leistungen zu reduzieren
- eine Beschränkung der gesamten von einer Bank ausgeschütteten Sonderzahlungen auf einen bestimmten Anteil des Unternehmensgewinns.
Ohne internationale Regeln lässt sich dies alles wohl kaum durchsetzen, will man Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Finanzstandorten vermeiden.
Deutsche Finanzmarktexperten mehrheitlich für Eingriffe
Bei deutschen Finanzmarktexperten jedenfalls gibt es eine klare Mehrheit für neue Regeln bei der Managerentlohnung - dies zumindest ist das Ergebnis einer Befragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Fast 90 Prozent der 250 Befragten sind demnach der Meinung, dass eine Veränderung der Vergütungssysteme für Manager unbedingt nötig ist.
Ebenso viele erwarten, dass eine Verlängerung der Haltefristen für Aktienoptionen Fehlanreizen entgegen wirken würden. Gleiches gilt für Malus-Regelungen, die bei unternehmerischem Misserfolg zu einer Kürzung der Managergehälter führen würden. Eine Ausweitung der Haftung des Managements bei unternehmerischen Misserfolgen halten 74 Prozent für eine vielversprechende Massnahme. Nur eine Minderheit plädiert dagegen für Obergrenzen für Managergehälter.





















