Schleswig-Holstein

27. Oktober 2016 15:39; Akt: 27.10.2016 18:36 Print

Streit um verweigerten Moschee-Besuch

Ein 13-Jähriger schwänzt den Besuch einer Moschee mit seiner Schule. Die Eltern wehren sich nun juristisch gegen eine Busse von 300 Euro.

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Weil ein 13-jähriger Schüler sich weigerte, mit seiner Klasse die Moschee von Rendsburg zu besuchen, muss sich jetzt die Staatsanwaltschaft damit befassen. (Bild: Keystone/AP/Heribert Proepper)

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In der deutschen Stadt Rendsburg ist ein Streit um einen Schulausflug entbrannt, der nun sogar die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Wie verschiedene Medien, darunter der «Spiegel» und die «Welt», berichten, geht es um die Weigerung eines Schülers (13), eine Moschee zu besuchen.

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Die Verantwortlichen des Gymnasiums sind der Auffassung, dass die Eltern eine Ordnungswidrigkeit begangen hätten, indem sie ihren Sohn vorsätzlich vom Unterreicht ferngehalten hätten. Die Eltern wurden dafür mit 300 Euro gebüsst.

Eltern hätten um «Leib und Leben» ihres Sohnes gefürchtet

Gegen diesen Bussenentscheid legten die Eltern Einspruch ein. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass «niemand gegen seinen freien Willen gezwungen werden darf, einen Sakralbau zu betreten», wie der Anwalt der Familie, Alexander Heumann, in einer Verteidigungsschrift erklärt. Nun muss sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall befassen.

Heumann ist laut «Spiegel» ehemaliges AfD-Mitglied und aktiv im Verein «Bürgerbewegung Pax Europa», der gegen die «Islamisierung der Gesellschaft» kämpft. Nach eigenen Aussagen war er auch bis 2015 im Organisationsteam des Düsseldorfer Ablegers der Pegida, der Dügida.

Die Eltern des Jungen hätten um «Leib und Leben» ihres Sohnes gefürchtet, weil sie so viele Berichte über islamistische Gewalt gesehen hätten, heisst es in der Verteidigungsschrift des Anwalts weiter. Sie wollten ihr Kind nicht «zu Menschen schicken, die es als sogenannten Ungläubigen verachten».

Schulpflicht gilt immer für alle

Für diese Argumentation hat man bei der Schule wenig Verständnis. Die Rektorin der Schule sagte zum NDR: «Es obliegt nicht der Entscheidungsfreiheit der Eltern zu sagen: ‹Das soll mein Kind lernen, aber das nicht.›» Nach Ansicht des Anwalts hat es sich beim Moschee-Besuch aber nicht um Unterricht, sondern um eine «sonstige Schulveranstaltung» gehandelt. Dabei wäre ein Fernbleiben nicht sanktionsfähig.

Rektorin Renate Fritzsche argumentiert hingegen, dass die Schulpflicht immer für alle gelte. Man mache umgekehrt auch keine Ausnahmen für muslimische Kinder, die zum Beispiel in einer christlichen Kirche am Weihnachtssingen teilnähmen.

(ofi)