Grossbritannien nach Brexit

06. September 2017 14:28; Akt: 06.09.2017 16:18 Print

Geheimes Positionspapier zu Einwanderung geleakt

Grossbritannien will den Familiennachzug erschweren und die Zahl der Migranten mit geringer Berufsqualifikation minimieren. Das zeigt ein geheimes Positionspapier.

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Die britischen Regierung will nach dem Brexit die Zahl der EU-Migranten mit geringer Berufsqualifikation verringern. Grossbritannien plant die schrittweise Einführung eines neuen Einwanderungssystems, das unter anderem das Niederlassungs- und Zuzugsrecht für die meisten europäischen Migranten und ihre Familien aufhebt. Das zeigt eine geleaktes Dokument, das der Zeitung «The Guardian» vorliegt. Den Plänen zufolge müssen sich EU-Bürger, die nach dem Brexit nach Grossbritannien einwandern wollen, um eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung bewerben. Als hochqualifiziert eingestufte Zuwanderer können sich dagegen um eine bis zu fünfjährige Genehmigung bewerben.

Londons Bürgermeister zeigt sich empört

Auch beim Familiennachzug plant das Innenministerium demnach strengere Kriterien: Dieser soll auf Lebenspartner, Kinder unter 18 Jahren und erwachsene Unterhaltsberechtigte beschränkt werden.

«Es muss eine Balance geben, wir wollen das Land attraktiv machen für gut ausgebildete Menschen, die hierher kommen wollen und ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten wollen – wir wollen ihnen nicht die Tür zuschlagen», sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon.

Weniger gut kommt das Vorschlagspapier bei Londons Bürgermeister Sadiq Khan an: «Das Vorschlagspapier liest sich wie eine Skiz­zie­rung um die Wirtschaft zu erwürgen», sagte Khan.

Führende Minister müssen den Entwurf noch billigen

Ein Regierungssprecher sagte, an die Öffentlichkeit durchgesickerte Dokumente würden nicht kommentiert. «Wir werden unsere ersten Vorschläge für ein neues Einwanderungssystem, mit dem das Vereinigte Königreich die Kontrolle über seine Grenzen zurückbekommt, später im Herbst darlegen.»

Dem Zeitungsbericht zufolge müssen führende Minister im Kabinett von Premierministerin Theresa May den 82 Seiten starken Entwurf noch billigen. Darin heisst es: Einwanderung könne nur dann als wertvoll für das Land als Ganzes betrachtet werden, wenn sie nicht nur den Migranten selbst nutze, sondern auch den schon im Land lebenden Bürgern zu einem besseren Leben verhelfe.

Derzeit verhandeln Grossbritannien und die EU über den Brexit, der Ende März 2019 vollzogen sein soll. Grösste Streitpunkte sind neben den Rechten der EU-Bürger in Grossbritannien die britischen Finanzverpflichtungen gegenüber der EU und die Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland.

(fur/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bravo am 06.09.2017 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo England. Ihr nützt eure neue Freiheit und wisst damit was anzufangen. Die Schweiz hingegen ist wohl noch das einzige Land, das alle EU Regeln befolgt, obwohl nicht EU Mitglied.

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  • marko32 am 06.09.2017 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir gut.

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  • Crazy Horse am 06.09.2017 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so.

    Gut so. Sollte ein Vorbild für die Schweiz sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 06.09.2017 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    dann werden viele gut ausgebildete britische Fachkräfte, die jetzt arbeitslos sind, einen Job im Niedriglohnsegment finden. Wer dann keinen annimmt, dem kann man dann die Unterstützung streichen, da er ja nicht arbeiten will.

  • Lebensarchitekt am 06.09.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlich sollte man keine...

    geringqualifizierten Einwanderer zulassen, die in Konkurrenz mit den unteren Einkommensklassen der Einheimischen treten. Verrückt wird es dann, wenn Sozialhilfe an diejenigen gezahlt werden muss, die ausschiesslich zu diesem Zweck eingewandert sind. Und ganz verrückt ist, dass dann auch noch Kindergeld und andere Sozialleistungen an die Zuhausegebliebenen gezahlt wird.

  • Lebensarchitekt am 06.09.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "No Border - No Nation!"

    Die Briten haben entschieden, wieder eine souveräne Nation sein zu wollen. Mit einem britischen Gericht als letzter Instanz und der Freiheit, zu entscheiden, wer sich in Grossbritannien aufhalten soll, und wer nicht. "No Border, No Nation!" - dieser Ideologie hängt man in Westminster eben nicht an...

  • rene w am 06.09.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spannend

    Spannend. Interessant wäre zu erfahren wie es mit der Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien weitergeht. Die eingebürgeten Migranton von dort haben ja oft für den Brexit gestimmt, auch in der Hoffnung dass sie dann wieder vermehrt ihre Angehörigen nachziehen können. Ich denke die einflussreichen Branchen wie die Banken werden ihre Fachleute schon bewilligt bekommen. Und die Branchen im Niedriglohnsektor werden sich mit Schwarzarbeitern also Illegalen behelfen. Interessant ist, was an der Grenze zu Irland geschehen wird, die wollen sie ja nicht wieder etablieren

  • Jeanne am 06.09.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau Frau May

    Einmal mehr. Chapeau Frau May. Die Schweiz hätte Sie als Politikerin bitter nötig. Wenn ich mir so unsere Frauen im Bundesrat ansehe......Mir verschlägt es die Sprache. Wohl besser.