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Republikaner-Duell
23. Februar 2012 07:54; Akt: 23.02.2012 11:40 Print
Eine müde Debatte in einem müden Rennen
von Martin Suter - Mit einer enttäuschenden Leistung in der TV-Debatte auf dem US-Sender CNN bereitete Rick Santorum, der neue Spitzenreiter der Republikaner im Vorwahlkampf, seinen Abstieg vor.
Das Rennen um die Nomination zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten ähnelt immer stärker einer Achterbahnfahrt. Die Wagen der vier verbliebenen Anwärter rasen mal in die Höhe, mal in die Tiefe; sie schleudern rechts und links um Kurven, und wenn sie ganz oben sind, wird es den Insassen schwindlig.
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Rick Santorum gegen «Privilegien» für Schwule
Am Mittwoch ergriff Rick Santorum der Höhenkoller. Der sozial erzkonservative Ex-Senator aus Pennsylvania hatte sich in den vergangenen zwei Wochen laut Umfragen an die Spitze des Feldes gesetzt und musste aus dieser Position erstmals eine Fernsehdebatte bestreiten. Das Ergebnis war für die verhältnismässig wenigen Zuschauer, die zwei Stunden lang ausharrten, wenig erbaulich: Santorum musste oft mehrfach ansetzen, verhedderte sich in der formelhaften Sprache des Kongresses und blieb fast während der ganzen Debatte in der Defensive.
Den besten Moment des Abends hatte Ron Paul, der libertäre Repräsentant aus Texas. Auf die Frage des CNN-Moderators John King, warum einer von Pauls neuen Wahlkampfspots Rick Santorum als «fake» - Fälschung - bezeichnete, sagte der 76-Jährige knochentrocken: «Warum? Weil er eine Fälschung ist.» Newt Gingrich, der in Umfragen abgeschlagene frühere Kongressführer, kam entspannt und staatsmännisch daher, brachte aber keinen jener speziellen Momente auf die Bühne in Mesa, Arizona, der seine Position markant verbessern könnte.
Stotternder Romney als Sieger
Der Gewinner hiess ohne Zweifel Mitt Romney. Der frühere Gouverneur von Massachusetts kam zwar auch zuweilen leicht ins Stottern. Er verriet, wie sehr ihm die Kritik der Rivalen unter die Haut geht, als er die von ihm eingeführte Gesundheitsreform in Massachusetts als «Romneycare» bezeichnete - ein Begriff, den Republikaner verwenden, um die Ähnlichkeit von Romneys Reform mit der bei ihnen verhassten «Obamacare» des amtierenden Präsidenten hervorzuheben.
Doch insgesamt war Romney am besten vorbereitet und lieferte die verständlichsten Antworten. Einmal etablierte er sich als Alphatier der Runde, indem er des Moderators Frage nach seinen Schwächen schlicht ignorierte: «Sie dürfen die Fragen stellen, die sie wollen; ich darf die Antworten geben, die ich will», erklärte Romney.
Wider Erwarten kam Rick Santorum nicht bei Fragen nach seinen radikal-konservativen Einstellungen zu Abtreibung, Schwulenehe und Religion ins Schleudern. Solche vom Saalpublikum mit Buhen quittierte Themen waren rar, und Santorum konnte die Angriffe relativ unbeschadet parieren, indem er gesetzgeberische Zurückhaltung versprach. In Verlegenheit geriet er jedoch, als er seine Stimmen für Subventionen im Senat verteidigen musste. In langfädigen Erklärungen vermochte er keine klare Linie herauszuarbeiten. Der Politologe Larry Sabato von der Universität Virginia tweetete: «Rick, du bist in einem tiefen Loch. Hör' auf zu graben.»
Erneuter Turn-Around in den Vorwahlen?
Falls die Debatte überhaupt eine Wirkung entfaltet, dann könnte sie durchaus Mitt Romney wieder zur Spitze zurückführen. Für Arizona, wo am Dienstag eine neue Vorwahlrunde stattfindet, kommt sie etwas spät. In dem westlichen Wüstenstaat haben über die Hälfte der republikanischen Primärwähler ihre Stimme bereits schriftlich abgegeben. Aber in Michigan, dem zweiten Vorwahlstaat vom Dienstag, könnte sich Romneys Debattenleistung auszahlen. Der Mormone stammt aus dem mittelwestlichen, von der Wirtschaftskrise schwer getroffenen Industriestaat, und er hatte immer gerechnet, dort obenauf zu schwingen. In den letzten Tagen sah er sich jedoch in lokalen Umfragen von Santorum arg bedrängt - eine Schmach, die er nun hinter sich zu lassen hofft.
Interessanterweise biederte sich keiner der Kandidaten den Wählern in Michigan an, indem er Obamas Rettung von General Motors und Chrysler mit Steuergeldern guthiess. Alle vier Anwärter sagten, Washington habe sich ungerechtfertigt in die Autoindustrie eingemischt. Sie behaupteten, den beiden Unternehmen ginge es heute gleich gut oder besser, wenn sie einen ordentlichen Konkurs hätten durchmachen müssen.
Eine Woche nach der Wahlrunde vom Dienstag folgt der «Super Tuesday» mit Ausscheidungen in Alaska, Georgia, Idaho, Massachusetts, North Dakota, Oklahoma, Tennessee, Vermont und Virginia. Selbst wenn Romney seine führende Stellung zurückerobern und eine Mehrzahl der Delegierten verbuchen könnte, würde aber keiner der Kandidaten aus dem Rennen aussteigen. Die heutige Runde bliebe dem bereits ermüdeten Publikum erhalten. Immerhin steht auf absehbare Zeit keine TV-Debatte mehr auf dem Programm.
Die republikanische Partei hält bis zum 26. Juni in allen 50 US-Bundesstaaten Vorwahlen ab, um ihren Kandidaten für Präsidentschaft zu bestimmen. Für die Nomination genügt eine einfache Mehrheit von 1144 der total 2286 Delegiertenstimmen. (Stand 29. Februar 2012)
Quelle: AP
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Alle 6 Kommentare

























Hmmmm???
Wie diese Favoriten ständig wechseln...... aber komischer Weise hören wir nie etwas von Ron Paul, dabei ist er der wahre Favorit. Scheint so, als ob die Medienignoranz weiterhin gegen Ron Paul anhält! Das kommt davon wenn man der einzige Kriegsveteran unter den Kandidaten ist und weiss wovon er spricht, was natürlich nicht der Sinn der Sache ist!
Ron Paul
Ron Paul ist fuer mich der einzige, den man ernst nehmen kann von den Republikanern... Er haelt seit Jahren an seinen Prinzipien fest und unterlaesst jegliche Skandale
normal
Da hast Du absolut recht. Ron Paul nennt die unbequemen Dinge beim Namen, und das gefällt den Medien nicht. Ich schaue mir jedoch gerne diese TV-Debatten an, es gibt nichts lustigeres als reale Politiker die sich gegenseitig anschnauzen.
Ron-Paul-Verschwörung?
My goodness, was wollen diese Ron Paul-Verschwörer immer? Er hat noch in keiner Vorwahl gewonnen, er kommt in Umfragen nie auf einen Anständigen Wert, und er ist zwar verlässlicher und ehrlicher als die anderen, aber für die USA und die Welt absolut unwählbar. Der Mann ist in keinem Sinn der Favorit. Das hat nichts mit Medienignoranz oder dergleichen zu tun - in den Medien ist, wer dafür zahlt, so einfach geht das im Wahlkampf.
Ron Paul
mag zwar die richtigen Fragen stellen. Aber seine Antworten wären eine Katastrophe.
Obama for President
Hoffentlich hält Ron Paul bis am Schluss durch und kanditiert anschliessend für die Libertarians. Das wäre ein starker Vorteil für Obama!