Bis zu 20 Prozent

12. Oktober 2013 15:14; Akt: 12.10.2013 15:28 Print

Fukushima-Arbeiter wurden stärker verstrahlt

Neue Berechnungen zeigen, dass Arbeiter, die im japanischen Unglücks-AKW Fukushima tätig waren, wohl stärker verstrahlt wurden als ursprünglich gedacht.

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Gute Nachrichten für Fukushima-Bewohner. Mehr als drei Jahre nach der Nuklearkatastrophe erlaubt Japan einigen von ihnen die Rückkehr in die Sperrzone rund um die Atomruine. Die Genehmigung betrifft 357 Personen aus 117 Haushalten aus einem Stadtteil von Tamura in der geräumten Sperrzone rund um das explodierte Kernkraftwerk. Noch vor über einem Jahr sah dort alles ganz anders aus. Am 22. Februar 2013 posierten Yuzo Mihara (l.) und seine Frau Yuko Händchenhalten in der Sperrzone mitten in der verlassenen Kleinstadt Namie in der Präfektur Fukushima. Das Ehepaar trug Mundschutz und weisse Schutzkleidung. Yuzo inspizierte ein zerstörtes Haus in seiner Nachbarschaft. Wie alle insgesamt 21'000 Einwohner von Namie musste er nach dem Störfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi sein Heim verlassen. Yuzo versuchte seinen verlassenen Laden vor Eindringlingen zu schützen. Er und seine Frau gehören nun zum mehr als 100'000 Personen zählenden Heer der «Nuklear-Flüchtlinge». Yuko betet vor dem Ahnenschrein in ihrem Haus. Die meisten Bewohner von Namie hoffen immer noch auf eine Rückkehr in ihre Heimatstadt. Doch nach wie vor dürfen sie aufgrund der Strahlung nur für einige Stunden zurückkehren und ihre Häuser instand stellen. Im verlassenen Haus der Miharas haben sich Mäuse eingenistet. Bilder der Bewohner kleben am Fenster eines evakuierten Hauses in Namie. Daneben hängt ein Zettel, auf dem die Betreibergesellschaft von Fukushima Daiichi, Tepco, kritisiert wird. Eine verlassene Puppe in einer verlassenen Stadt. Dieses Schild machte einst Automobilisten auf die Primarschule in Namie aufmerksam. Schon lange sass niemand mehr auf dieser Bank in Namie. Die Natur überwuchert die Technik: Stillleben in der verlassenen Stadt Tomioka, die ebenfalls in der Sperrzone liegt. Auch dieser dekorierte Zaun liegt in Tomioka. Diese Getränke- und Lebensmittel-Automaten in Naraha haben den Geist schon längst aufgegeben. Gras wächst um diese verlassenen Häuser in Nahara ... ... und Gras zwängt sich durch Risse im Strassenbelag, die durch das Erdbeben entstanden. Kein Kind schwingt sich auf diese Einräder vor einer Schule in Yamakiya. In Iitate wird radioaktiv verseuchte Erde gelagert. Iitate liegt ebenfalls in der Sperrzone. Ein Polizist inspiziert verlassene Häuser in Iitate. Die Strassenbeleuchtung funktioniert in Iitate noch. Eine öffentliche Toilette in der teilweise evakuierten Stadt Kawauchi. Die Zahl zeigt Strahlungswerte an. Eine Strassensperre markiert den Beginn der Sperrzone um das beschädigte Atomkraftwerk.

Das Sperrgebiet von Fukushima

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Arbeiter am Unglücksreaktor von Fukushima sind vermutlich stärker verstrahlt worden als zunächst berechnet. Die Behörden und der AKW-Betreiber Tepco hätten die Dosis in der ersten Zeit nach der Katastrophe im Frühjahr 2011 womöglich um bis zu 20 Prozent unterschätzt.

Dies heisst es in einem UNO-Bericht über den am Samstag auch die Zeitung «Asahi Shimbun» schrieb. Grund dafür sei, dass viele der rund 25'000 Arbeiter mit einer Zeitverzögerung nach einem Einsatz untersucht worden seien, heisst es in dem UNO-Bericht. So hätten die Auswirkungen der Strahlung von bestimmten Jod-Isotopen nicht mehr erfasst werden können, da diese nur eine Halbwertszeit zwischen 2 und 20 Stunden hätten.

Der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR) hatte die Untersuchungsergebnisse von Tepco sowie japanischen Behörden unter die Lupe genommen. Die UNSCEAR-Berichte dienen nationalen Behörden als Grundlage für Strahlenschutz-Empfehlungen.

Zahlreiche Pannen

An der Atomruine von Fukushima hat es in den vergangenen Monaten zahlreiche Pannen gegeben, die den Betreiber Tepco weiter unter Druck setzen. Zuletzt stieg die atomare Strahlung wieder drastisch an und im Meerwasser vor einem der Reaktoren wurden die höchsten Werte seit zwei Jahren gemessen.

Durch Bauarbeiten wurde verseuchte Erde ins Wasser gespült. Mitte vergangener Woche kamen sechs Arbeiter mit radioaktivem Wasser in Berührung, weil ein Mitarbeiter versehentlich ein Rohr abgetrennt hatte und sieben Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausliefen.

Das Kraftwerk wurde vor zweieinhalb Jahren von der Flutwelle eines Tsunamis getroffen. Daraufhin fielen die Kühlsysteme aus, so dass es zu einer Kernschmelze kam. Es handelte sich um das schwerste Atomunglück seit der Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl.

(sda)