In Österreich

10. Dezember 2010 17:34; Akt: 10.12.2010 18:05 Print

Kroatischer Ex-Premier verhaftet

Der wegen Korruptionsvorwürfen gesuchte kroatische Ex-Regierungschef Ivo Sanader ist am Freitagnachmittag in Österreich gefasst worden.

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Sanader ging der Polizei bei einer Kontrolle auf der Tauern-Autobahn im Bundesland Salzburg ins Netz. Er sei anschliessend in ein Gericht in Salzburg gebracht worden, teilte die österreichische Polizei mit. Sobald eine schriftliche Bestätigung der Verhaftung eingegangen sei, werde das Justizministerium Kroatiens eine Auslieferung beantragen, hiess es in Zagreb.

Erst am Freitagmorgen hatten die kroatischen Behörden mitgeteilt, gegen Sanader einen internationalen Haftbefehl ausgestellt zu haben. Nach Angaben des kroatischen Innenministeriums wird er von der Anti- Korruptions-Behörde wegen eines kriminellen Akts und Machtmissbrauchs gesucht.

Am Donnerstag hatte das Ministerium mitgeteilt, dass Sanader das Land verlassen und die Grenze zum Nachbarland Slowenien überquert habe. Nur wenig später entzog das kroatische Parlament dem früheren Ministerpräsidenten seine Immunität als Abgeordneter und machte damit den Weg für die Verhaftung des 57-Jährigen frei.

Auf Geschäftsreise

Ein Anwalt, der Sanader nach eigenen Angaben vertritt, sagte am Donnerstagabend, der Ex-Regierungschef sei auf einer schon vorher geplanten Geschäftsreise und werde «in den nächsten drei bis vier Tagen» zurückkehren.

Kroatische Medien hatten spekuliert, der frühere Regierungschef könnte sich in Österreich aufhalten. Sanader hatte dort studiert, bevor er in den 1990er Jahren in Kroatien seine politische Karriere begann.

Sanader ist der erste kroatische Ministerpräsident, gegen den Korruptionsermittlungen eingeleitet werden. 2003 wurde er erstmals zum Regierungschef gewählt.

Nach einem Sieg seiner Partei Kroatische Demokratische Union (HDZ) bei den Parlamentswahlen Ende 2007 wurde er für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Im Juli 2009 trat er überraschend zurück.

Die Regierung in Zagreb hatte ihren Kampf gegen Korruption zuletzt verstärkt. Das Land strebt einen EU-Beitritt im Jahr 2012 an. Die Erfolge der Behörden gegen Korruption werden von der Europäischen Union daher genau verfolgt.

(sda)