Kritik an Moskau

16. November 2012 14:40; Akt: 16.11.2012 15:03 Print

Merkel setzt sich für Pussy Riot einMerkel setzt sich für Pussy Riot ein

Bei ihrem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Kritik am Urteil gegen die Band Pussy Riot geäussert.

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Wende im Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot. Eine der drei verurteilten Frauen, Jekatarina Samuzewitsch, wird im Berufungsverfahren freigesprochen. Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden. Die zwei anderen Frauen, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, müssten aber für zwei Jahre ins Gefängnis, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Der Berufungsprozess gegen die zweijährige Haftstrafe für die drei Frauen wird fortgesetzt. Die Verteidigung befand das Urteil für falsch: Das Gericht habe in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger der Band. Die Polizei markierte Präsenz. Zwei Personen wurden festgenommen. Am 17. August 2012 werden die Mitglieder der Punkband Pussy Riot - Jekaterina Samuzewitsch, 30, Maria Aljochina, 24, und Nadeschda Tolokonnikowa, 23 (v.l.) - wegen Rowdytums «aus religiösem Hass» von einem Moskauer Gericht zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Putin kann nicht gnädig sein: Pussy Riot haben ein . «Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten», schrieb Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». An ein unanabhängiges Urteil glaubt die 22-Jährige nicht. «Das ist eine Illusion.» Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Auch am Tag der Urteilverküdung kam es vor dem Gerichtssaal in Moskau zu Tumulten und Verhaftungen. Bei den Protesten wurde laut Nachrichtenagentur Interfax der Oppositionsführer ) Bürgerrechtler aus aller Welt haben für den 17. August, am Tag der Urteilsverkündung, Proteste gegen Prozess angekündigt. Amnesty International erkennt die drei Musikerinnnen als politische Gefangene an. Der erste Prozesstag fand am 8. August statt: Der russische Staat und die orthodoxe Kirche gehen hart gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot vor. Nadeschda Tolokonnikowam, Maria Aljochina und Jekaterina Samutzewitsch (v.l.) am 8. August 2012 im Gerichtssaal. Bereits am Morgen des 17. August, dem Tag der Urteilsverkündung, stehen Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in Moskau präsent. Ebenfalls bereits am Vormittag werden die drei angeklagten Frauen ins Gericht gebracht, im Bild Maria Aljochina. Unterstützung erhalten die drei Pussy-Riot-Mitglieder von der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen. Am 17. August fällen sie ein orthodoxes Kreuz, das als Zeichen für die Opfer politischer Repression errichtet worden war. Die für Pussy Riot typischen farbigen Sturmmasken auf einem sozialistischen Monument zu Ehren der sowjetischen Armee in der bulgarischen Hauptstadt am 17. August. Bereits in den Tagen vor der angekündigten Urteilseröffnung kommt es weltweit zu Protesten: Vor dem spanischen Aussenministerium in am 16. August. Selbst in Südamerika protestierten Frauen gegen den Prozess. Zivile Polizisten verhaften Demonstrantinnen vor der russischen Botschaft in am 15. August. Drei Demonstrantinnen mit den für Pussy Riot typischen Sturmmasken vor der russischen Botschaft in am 9. August. Das Symbol von Pussy Riot - und inzwischen ein Symbol für den Protest gegen Putin: Farbige Sturmmasken bei einer Demonstration in am 14. August. Unterstützung für Pussy Riot auch in Die Musikgruppe «Brenda» spielt an einem Solidaritätskonzert in der Nähe der russischen Botschaft am 10. August. Hart gingen die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in vor: Am 15. August vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, wo Pussy Riot Filmaufnahmen machte, die zur Anklage führten. Internationale Künstler solidarisierten sich mit den angeklagten Mitglieder der Frauenband. «Nadeschda rechnet nicht damit, dass Putin ihnen vergeben hat», sagt der Ehemann der angeklagten Nadeschda Tolokonnikowa (im Bild). Er konnte seine Frau nach Monaten erstmals Mitte August im Gefängnis besuchen. Tolokonnikowa gab sich am Rande des Prozesses kämpferisch - obwohl der Mutter einer vierjährigen Tochter mehrere Jahre Haft drohten. Die drei Angeklagten werden ihre zweijährige Haft in einem Straflager absitzen müssen: Im Bild Schlafsaal in Moschaisk, 110 Kilometer westlich von Moskau. Ursprünglich war das Urteil auf den 8. August erwartet worden nach einem mehrtägigen Prozess, der als unfair kritisiert wurde. Der Prozess, der Ende Juli begann, sorgte international für grosses Medienecho: Die angeklagte Tolokonnikowa wird am 31. Juli zum zweiten Prozesstag in den Gerichtssaal geführt. Die drei angeklagten Mitglieder der Putin-kritischen Punkband mussten sich während des Prozesses in einem Plexiglas-Häuschen im Gerichtssaal aufhalten. Die drei angeklagten Mitglieder der Punkband Pussy Riot sitzen seit März 2012 in Untersuchungshaft. Am 23. Juli 2012 werden Maria Aljochina (links hinter der Polizistin), Jekaterina Samutzewitsch (Mitte) und Nadeschda Tolokonnikowa (vorne rechts) dem Gericht vorgeführt. Den Prozess ausgelöst hatte ein lautloser Auftritt der Band in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie hatten dort Filmaufnahmen gemacht für das Putin-kritische Lied «Gottesmutter, vertreibe Putin». Das war zuviel für den russischen Staat. Er verhaftete drei Mitglieder der Band. National und international sorgt der Fall für grosse Aufmerksamkeit ... ... kritisiert werden vor allem die harten Strafen für kein allzu schweres Vergehen. Doch der Staat scheint an den dreien ein Exempel statuieren zu wollen. Internationale Bands setzten sich für die drei jungen Frauen ein. haben sich kritisch über die Gefangenschaft der Musikerinnen geäussert. Auch in Russland protestierten Prominente. Die russische Filmregisseurin Olga Darfy tauchte im Juni 2012 am Moskauer Filmfestival in einer Maske auf - eine Anspielung auf die typischen Sturmmasken von Pussy Riot. Ein Künstler hat sich dabei die Lippen zugenäht.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu Beginn der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Moskau kritische Töne zur rechtlichen Situation in dem EU-Nachbarland angeschlagen. So bemängelte sie das Strafmass der Bandmitglieder von Pussy Riot. Ein Auftritt wie der der russischen Punkband in einer Kirche würde auch in Deutschland «Diskussionen» hervorrufen, sagte Merkel am Freitag in Moskau. «Aber dass man dafür zwei Jahre ins Straflager muss, das wäre in Deutschland nicht passiert.»

Russlands Präsident Wladimir Putin erwiderte, man müsse den Fall insgesamt sehen, es habe auch antisemitische Handlungen der Bandmitglieder gegeben. Er fuhr fort: «Das können wir nicht dulden.» Er wolle aber eine «offene Diskussion, ohne Hassansatz». Es gebe zwischen Deutschland und Russland auch «keine düsteren Zeiten», sondern ab und an «Meinungsverschiedenheiten».

Die Kanzlerin wird bei den 14. deutsch-russischen Regierungskonsultationen von einigen Ministern sowie einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Bei den Konsultationen sollen unter anderem Wirtschaftsabkommen unterzeichnet werden. Thema der Gespräche wird nach Worten von Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) auch die zugespitzte Lage in Nahost sein.

Merkel sagte weiter: «Unsere Freundschaft wird nicht besser, wenn wir alles unter den Teppich kehren und nicht darüber diskutieren.» Es dürfe auch nicht jede Kritik sofort als destruktiv angesehen werden. Die Kanzlerin ging auch auf das Thema Rechtsstaatlichkeit in Russland grundsätzlich ein. So gebe es eine ganze Reihe von Gesetzen, «bei denen ich nicht erkennen kann», was daran die Meinungsfreiheit stärke. In Deutschland sei man auch von Regierungsseite gewohnt, auf Kritik einzugehen und zu reagieren. «Wenn ich da immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich keine drei Tage Bundeskanzlerin sein.»

Förderung des Jugendaustauschs

Westerwelle hatte zuvor im Deutschlandfunk davor gewarnt, die Kritik an Russland zu überziehen. Kritik müsse möglich sein, etwa wenn es um die Syrienpolitik oder die innere Entwicklung Russlands gehe. Gleichzeitig sei es aber das Interesse der Bundesrepublik, die strategische Partnerschaft mit Russland auszubauen.

Deutsche Regierungskreise hatten bereits vor der Reise angekündigt, Merkel werde im Gespräch mit Putin im Kreml den Umgang mit der Zivilgesellschaft in Russland ansprechen. Hintergrund sind die Menschenrechtsverletzungen in dem Land und das teils gewaltsame Vorgehen gegen die Opposition. Der Bundestag hatte vor kurzem einen Antrag verabschiedet, der die repressiven Tendenzen in dem Land mit scharfen Worten anprangert und auf eine Stärkung von Zivilgesellschaft und Rechtsstaatlichkeit in Russland pocht. Moskau reagierte pikiert.

Es gibt aber auch versöhnliche Schritte: Ein Ziel beider Staaten ist es etwa, den Jugendaustauch zu stärken. Um die Kontakte zwischen jungen Leuten aus Russland und Deutschland zu fördern, soll es Visa-Erleichterungen geben. Eine entsprechende Absichtserklärung wollten am Freitag die Aussenminister Westerwelle und Sergej Lawrow unterzeichnen. «Unser Fernziel heisst Visa-Freiheit; dem müssen wir uns Schritt für Schritt annähern», sagte Westerwelle.

(dapd)

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  • Ueli am 16.11.2012 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Wer in die Medien will und dann auf Anstand und Moral pfeifft, muss die Konsequenzen tragen. Ich hab mir einige Bilder der "Show" angesehen und das war weder ein Protest gegen putin noch gegen die Kirche. Es war einfach nur eine medienwirksame Selbstdarstellung, die band hat vorher niemand gekannt, nun kennt sie die ganze welt. Nur können sie wohl vorübergehend im arbeitslager keine Musik machen. (Sofern man dem gekreische Musik sagen kann.) Und das sage ich als Rock-fan.

  • Georges am 16.11.2012 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte für alle!

    Wieso setzt sich die gute Frau Merkel nicht für jene eigenen EU-Bürger ein, die von der Polizei zusammen geknüppelt werden, weil sie von der Sparerei zugunsten der Finanzwelt genug haben? Haben diese hunderte von Menschen keine Menschenrechte? Eine Punkband aber schon? Sorry, aber es ist einfach alles viel zu durchsichtig, liebe EU-Politiker.

  • CH-Bürger am 16.11.2012 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bewundere Frau Merkel

    aber wenn sie sich in die Justiz der Russen nicht einmischen, wenn 3 dumme Mädchen zu recht oder unrecht absitzen müssen