Bundestagswahl 2017

24. September 2017 22:01; Akt: 24.09.2017 22:01 Print

«Die Demokratie hat ein Männerproblem»

Katerstimmung in der Berliner SPD-Wahlzentrale. Und mittendrin der Schweizer SP-Politiker und Ex-Botschafter Tim Guldimann. Ihn freut etwas ungemein.

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AfD-Wähler feiern in Erfurt: Rückt Deutschland jetzt nach rechts? Die Rechtspopulisten ziehen mit einem starken Ergebnis neu in den Bundestag ein. Bundeskanzlerin Merkel hat den Einzug der AfD in den Bundestag als «grosse Aufgabe» bezeichnet. Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte Merkel in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die Union habe auf ein besseres Ergebnis gehofft als die erzielten rund 33 Prozent, räumte Merkel ein, betonte aber gleichzeitig: «Wir haben einen Auftrag eine Regierung zu bilden.» Linke-Chefin Sahra Wagenknecht zieht Bilanz: Man hätte sich im deutschen Wahlkampf mehr der Flüchtlingsthematik widmen müssen. «Am Ende hat man dann der AfD überlassen, bestimmte Dinge anzusprechen, von denen die Menschen einfach erleben, dass sie so sind.» In seiner ersten Rede nach der historischen Wahlpleite sagte SPD-Parteichef Martin Schulz der AfD den Kampf an: «Wir sind das Bollwerk der Demokratie.» Die Christdemokraten von Kanzlerin Angela Merkel haben die Bundestagswahl in Deutschland bei deutlichen Stimmenverlusten gewonnen. Sie kommt auf 32,5 bis 33,5 Prozent. Feierstimmung im AfD-Lager: Beatrix von Storch (r.) freut sich, dass die Rechtspopulisten mit einem zweistelligen Ergebnis erstmals im Parlament vertreten sind. Freude auch bei den Grünen: Sie erreichten 9,2 bis 9,4 Prozent der Stimmen. 2013 lagen sie noch bei 8,4 Prozent. Herbe Enttäuschung und lange Gesichter hingegen im SPD-Lager: Kanzlerkandidat Martin Schulz landete mit 20,0 bis 21,0 Prozent (2013: 25,7) abgeschlagen auf Platz zwei. Die Sozialdemokraten erzielten damit ihr schlechtestes Bundestagsergebnis aller Zeiten. Die SPD will nach der historischen Wahlpleite in die Opposition gehen. «Wir werden den Oppositionsauftrag der Wähler annehmen», sagte Parteivize Manuela Schwesig. Auch Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: «Der Platz der SPD ist in der Opposition.» Letzte Umfragen sahen die CDU/CSU von Kanzlerin Angela Merkel zwischen 34 und 36 Prozent - einem deutlichen Verlust zu 2013. Dennoch stehen im CDU-Lager in Berlin Häppchen - wie diese schwarzen, roten und gelben Burger - für die Siegesfeier bereit. Die Wahllokale schliessen um 18.00 Uhr, gleich darauf senden die grossen Fernsehsender die ersten Prognosen. Bundeskanzlerin Merkel hat am Nachmittag im Berliner Bezirk Mitte ihre Stimme bei der Bundestagswahl abgegeben. Die Kanzlerin kam in Begleitung ihres Ehemanns Joachim Sauer. Leicht lächelnd steckte sie ihre Wahlunterlagen in die Urne. Bei der Bundestagswahl 2017 hat sich eine ähnliche Wahlbeteiligung abgezeichnet wie vor vier Jahren. Bis um 14.00 Uhr gaben 41,1 Prozent der deutschen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der deutschen Bundestagswahl deutet sich vielerorts eine höhere Beteiligung als 2013 an. Und so sieht wählen im Schwarzwald aus. Etwas verwirrt? Müssen Sie nicht sein ... ... denn diese Leute aus Hornberg-Reichenbach haben sich entschlossen, ihre Stimme in Tracht abzugeben. Der Hut mit den roten Bömbeln nennt sich übrigens «Bollenhut». Manche empfanden den Wahlkampf dieses Jahr etwa so wie ... ... dieser Hund in einem Aachener Wahllokal: ... ... zum Gähnen. Auch er sieht mässig begeistert aus, der kleine Bayer. Wir plädieren an dieser Stelle dafür, dass auch wir Schweizer in Trachten wählen gehen. So wie dieser Mann in Bayrischzell. Das wäre das Ende der ewig gleichen Urnenbilder. Wählen ist Bürgerpflicht: Eine Nonne gibt ihre Stimmen in einem Wahllokal in Berlin ab. Martin Schulz tat dies bereits und küsste dann seine Frau Inge in seiner Heimatstadt Würselen (Nordrhein-Westfalen).

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Statt einer Zusammenfassung zur Wahl, hat 20 Minuten Tim Guldimann* in der SPD-Zentrale in Berlin für eine abschliessende Einschätzung angemorst, inmitten Katerstimmung.

Herr Guldimann, eine historische Niederlage für die SPD. Sind Sie in der SPD-Parteizentrale in Berlin den Tränen nahe?
Nein, nicht wirklich. Die Stimmung hier in der SPD-Parteizentrale ist zwar sehr gedämpft, doch man hat es kommen sehen.

Tröstet Sie denn der Einbruch der Union etwas?
Sagen wir so: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Die Union hat rund einen Viertel der Wähler, die SPD etwa einen Fünftel verloren. Für beide Parteien gilt so: Das war ein Verdikt gegen die etablierten Parteien.

Wie erklären Sie sich den AfD-Erfolg?
Dieses Resultat von über 13 Prozent der Stimmen zeigt, dass hier kein Kampf zwischen links und rechts stattfand, sondern einer von unten gegen oben. Diese «unten-hoch-Betroffenheit» hat viele Neuwähler mobilisiert – und es ist grundsätzlich gut, dass so der demokratische Wille zum Ausdruck kommt.

Auch wenn es etwas früh ist: Wer hat der AfD zum Sieg primär verholfen?
Sehr viele Männer, wie es scheint. In Ostdeutschland wählte offenbar jeder vierte Mann die AfD! Hier hat die Demokratie ein Männerproblem.

Was verändert der Sieg der AfD jetzt auf der grossen deutsche Politbühne?
Im Bundestag wird man jetzt mit der AfD reden, ihr dabei aber auch Grenzen aufzeigen müssen. Vor allem muss der Wille des Volkes respektiert werden.

Die SPD will in Opposition treten und keine Grosse Koalition mehr bilden. Was halten Sie davon?
Das freut mich ungemein. Denn zählt man die Resultate der vier kleinen Parteien zusammen, kommt man auf etwa 42 Prozent – ein starkes Votum gegen die Grosse Koalition. Jetzt hoffe ich auf eine Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP.

* Tim Guldimann ist Schweizer SP-Nationalrat, aber auch SPD-Mitglied. Der 67-Jährige wohnt in Berlin, wo er von 2010 bis 2015 Schweizer Botschafter.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fair am 24.09.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    so ist das...

    Speck? Sooo viel Respekt für ihr eigenes Volk?? Hauptsache die Eingewanderten bekommen von ihr den nötigen Respekt, oder wie??

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  • Bürger am 24.09.2017 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht

    Bitte lasst diese Frau nicht schon wieder gewinnen!! Die hat ganz Europa ins Unglück gestürzt!! Auch wenn wir nicht in der EU sind, spüren wir trotzdem das ganze Ausmass mit ihrer Willkommenskultur!! Die Sozialkassen sind leer, mehr Gewalt auf den Strassen, überfüllter ÖV und vieles mehr!!!

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  • Na Sowas am 24.09.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wie jetzt?

    An den Eigenen Speck ? :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spatz am 25.09.2017 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hüben wie drüben

    Der Herr Guldimann sitz hier im Nationalrat für die SP und drüben in der SPD. Da sieht man doch mal, wozu eine Doppelbürgerschaft gut ist.wem wohl seine Loyalität gilt....finde nur ich das verwerflich?

  • CWeiss am 25.09.2017 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratieverständnis unter null

    So so. Jetzt ist die Demokratie also noch durch die Männer gefährdet, weil die in der irrigen Ansicht, frei wählen zu dürfen, nicht richtig gewählt haben, wobei richtig bedeutet, so wählen, wie Guldimann das will. Reicht es eigentlich nicht, dass die etablierten deutschen Politiker und Medien ein höchst eigenartiges Demokratieverständnis an den Tag legen? Muss jetzt Tim Guldimann auch noch auf den Zug der totalitären Moralisten aufspringen, die nur so lange Demokratie wollen, wie das rauskommt, was sie sich wünschen?

  • Jörg Studer am 25.09.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN

    Nein Herr Guldimann, die Demokratie hat kein Männerproblem! Das ist Demokratie. Es mag sein dass sehr viele Männer die AfD gewählt haben, doch deswegen hat die Demokratie kein Männerproblem! Vielmehr scheint es ein Problem des Politischen Establishments zu sein, offenbar fühlen sich mehr und mehr Menschen von der alteingesessenen Classe Politique nicht mehr verstanden - und die wählen dann eben neue Köpfe oder Parteien. Zu sagen die Demokratie habe ein Männerproblem ist lediglich ein abschieben des schwarzen Peter, und absolut sexistisch - obwohl die Schweizer SP und vermutlich auch die deutsche SPD Sexismus bekämpfen will.

  • Anaconda am 25.09.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch, oder ?

    Kann ein Schweizer in einer Partei in der Schweiz und zugleich in derselben in Deutschland Parteimitglied sein? Hat er auch zwei Pässe???

  • Kurt am 25.09.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Was soll dieser Titel? Die beiden stärksten Personen in der AFD sind Frauen. Und die Partei, welche einen Mann als Parteiführer hat, wurde abgestraft. Diese Wahl war sehr wohl zugunsten der Frauen. (Zudem hat die AFD etwas gegen die frauen-unterdrückenden Burkas).

    • Die Burka ist ein Männerproblem oder am 25.09.2017 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      die Männer sind das Burka-Problem

      Es ist nicht "Die Burka" die unterdrückt, es sind deren Männer, die man ab 20 Uhr alle einsperren sollte, damit die Frauen mal ein paar Stunden frei herumlaufen könnten.

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