Malta

04. Dezember 2017 10:41; Akt: 04.12.2017 14:47 Print

Festnahmen nach Mord an Journalistin

Nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia sind zehn Verdächtige festgenommen worden. Die Bloggerin war durch eine Autobombe getötet worden.

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Sieben Wochen nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta sind zehn Verdächtige festgenommen worden. Alle Verdächtigen stammten aus Malta, sagte Ministerpräsident Joseph Muscat am Montag.

Muscat teilte nicht mit, ob es sich bei den Festgenommenen um direkt Tatverdächtige oder mutmassliche Hintermänner handelte. Auch ihre Motivlage blieb vorerst unklar. «Ich habe eine klare Vorstellung, was sie getan haben und wer sie sind, aber ich kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Informationen bekannt geben», so der Regierungschef.

Die regierungskritische Bloggerin Daphne Caruana Galizia war am 16. Oktober in der Nähe ihres Hauses auf der Mittelmeerinsel mit ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Der Anschlag hatte das kleine EU-Land geschockt und auch international Wellen geschlagen.

Auf Malta kam es zu Protesten gegen Korruption und gegen eine Unterwanderung des politischen Systems durch Kriminelle. Es war von einem «Mord im Stile der Mafia» die Rede.

Eine Million Euro Belohung

Die Festnahmen erfolgten nach Angaben des Ministerpräsidenten in einem gemeinsamen Einsatz von Polizei, Armee und Staatsschutz. Die Verdächtigen müssen nun innerhalb von 48 Stunden befragt werden. Dann muss entschieden werden, ob Anklage gegen sie erhoben wird oder ob sie wieder auf freien Fuss kommen.

Sie seien bereits eine Zeit lang beobachtet worden, fügte Muscat hinzu. An den Ermittlungen seien das FBI, Europol und finnische Sicherheitsbehörden beteiligt gewesen. Warum die Finnen involviert waren, war zunächst unklar.

Einige der Verdächtigen sollen polizeibekannt gewesen sein. Die Regierung hatte eine Million Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.

Augenzeugen im Ort Marsa berichteten der Zeitung «Times of Malta», die Festgenommenen seien auf den Boden geworfen worden. Militär und Polizei hätten die Gegend morgens abgeriegelt.

Vorwürfe gegen Muscat

Ministerpräsident Muscat steht in dem Fall unter politischem Druck: Nach der Ermordung von Caruana Galizia, hatte ihr Sohn Muscats Regierung eine Mitschuld an dem Anschlag gegeben.

Caruana Galizia hatte mehrfach Korruptionsvorwürfe gegen Vertraute des Mitte-Links-Politikers erhoben. Mit ihren Enthüllungen hatte die 53-jährige Journalistin unter anderem für vorgezogene Neuwahlen auf Malta gesorgt. Das Magazin «Politico» hatte die Journalistin als «ein ganzes Wikileaks in einer einzigen Frau» bezeichnet.

Zweifel an Maltas Werten

Zuletzt hatte sich Galizia mit den sogenannten Panama Papers beschäftigt. Dabei war sie möglichen Verbindungen zwischen Mitarbeitern der maltesischen Regierung, ausländischen Banken und Firmen in Steuerparadiesen nachgegangen.

Zahlreiche europäischen Staaten hatten unabhängige Ermittlungen zu dem Mordfall gefordert. EU-Parlamentarier meldeten Zweifel an der Einhaltung europäischer Grundwerte in Malta an. Die Rechtsstaatlichkeit sei im kleinsten EU-Land in Gefahr.

(sda)