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Nadelöhr am Persischen Golf
19. Januar 2012 18:53; Akt: 20.01.2012 10:49 Print
Die heikle Meerenge
Iran droht die Strasse von Hormus zu sperren und so 20 Prozent der globalen Erdölversorgung zu kappen. Militärisch, politisch und wirtschaftlich dürfte das Land dazu aber kaum in der Lage sein.

Ein Öltanker und ein Containerschiff passieren die Meerenge von Hormus am 15. Januar 2012 nahe der omanischen Küste. (Bild: Keystone/Ali Haider)
Zu den Spekulationen, Iran könnte als Reaktion auf verschärfte Sanktionen die strategisch bedeutende Strasse von Hormus sperren, hat sich nun auch der US-Verteidigungsminister geäussert. Leon Panetta versicherte am Mittwoch, man sei «für alle Fälle vorbereitet» und müsse deshalb auch keine zusätzlichen Truppen in den Persischen Golf verlegen. Ein iranischer General hatte Ende Dezember im Fall eines Erdölembargos mit der Schliessung der Strasse von Hormus gedroht, durch die ein Fünftel der weltweiten Erdölexporte abgewickelt wird. Anfang Jahr unterstrich die iranische Marine die Drohung mit einem grossangelegten Manöver. US-Präsident Barack Obama liess das iranische Staasoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei darauf in einem Brief wissen, dass er diesen Schritt als «rote Linie» erachtet und Amerika entsprechend reagieren würde.
Infografik Timeline IranDas iranische Atomprogramm
Geografie und Navigation
Die Strasse von Hormus misst an ihrer schmalsten Stelle wenig mehr als 50 Kilometer. Sie ist kein internationales, sondern Hoheitsgewässer des Irans und Omans. Gemäss der UN-Seerechtskonvention von 1982 dürfen die beiden Küstenstaaten die friedliche Durchfahrt fremder Schiffe nicht behindern. Rund 14 Öltanker passieren das Nadelöhr täglich mit knapp 17 Millionen Fass Öl oder 20 Prozent der weltweit gehandelten Menge. Dem internationalen Schiffsverkehr steht ein knapp 10 Kilometer schmaler, dreispuriger Korridor zur Verfügung. Je drei Kilometer pro Fahrtrichtung und Mittelstreifen, der nicht befahren werden darf.
Trotz der eskalierenden Kriegsrhethorik ist die Wahrscheinlichkeit sehr klein, dass Iran und die USA am Persischen Golf die Klingen kreuzen werden.
Militärische Machbarkeit
Für eine effektive Seeblockade fehlen der iranischen Marine die Mittel. Ein Teil ihrer Flotte stammt noch aus Beständen des Schahs und hätte gegen die moderne US-Navy keine Chance. Diese verfügt mit der 5. Flotte in Bahrain zudem über eine ständige Präsenz im Persischen Golf. Militärexperten gehen aber davon aus, dass die Iraner mit Seeminen, Anti-Schiff-Raketen und Schnellbooten zumindest kurzfristig grossen Schaden anrichten könnten. «Iran hat in Mittel investiert, mit denen die Strasse von Hormus tatsächlich für eine gewisse Zeit gesperrt werden könnte», sagte US-Vierstern-General Martin Dempsey Anfang Januar gegenüber CBS. Gleichzeitig seien die USA auf dieses Szenario vorbereitet und könnten entsprechend reagieren.
Politische Verwerfungen
Die Kriegsrhethorik der vergangenen Wochen könnte den Eindruck vermitteln, die Schliessung der Seestrasse von Hormus sei vor allem eine iranisch-amerikanische Angelegenheit. Doch versiegt der Erdölfluss aus dem Persischen Golf, leiden darunter vor allem Irans Nachbarn. Im Fall Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen die Beziehungen ohnehin gestört sind, mag dies aus iranischer Sicht akzeptabel erscheinen. Doch es würde auch befreundete Länder wie Irak und Katar treffen. Für eine komplette Blockade müsste die iranische Marine ausserdem in omanische Hoheitsgewässer eindringen, was einem Kriegsakt gleichkäme. Auch von den chinesischen Verbündeten dürfte Iran für einmal keine Hilfe erwarten: Regierungschef Wen Jiabao sagte am Mittwoch, eine Blockade wäre ein «extremistischer Akt, der dem allgemeinen Willen der internationalen Gemeinschaft widersprechen würde».
Wirtschaftliche Folgen
Nicht nur die Hauptabnehmer von Erdöl aus dem Persischen Golf - asiatische Grossverbraucher wie China, Indien, Japan und Südkorea - bekämen eine Blockade zu spüren. Da der Erdölpreis massiv steigen dürfte, würden auch westliche Industrienationen in Mitleidenschaft gezogen. Den grössten Schaden dürfte indes die iranische Wirtschaft davontragen, denn sie ist für Importe und Exporte ebenfalls auf die Strasse von Hormus angewiesen. Ohne die Erlöse aus dem Erdölgeschäft würde Iran seine Haupteinnahmequelle für Devisen verlieren. Ohne die Möglichkeit, grosse Mengen Getreide, Reis und Zucker zu importieren, käme es zu Versorgungsengpässen.
Alternative Pipelines
Sollte der Seeweg wegfallen, könnte Erdöl den Persischen Golf auch über Pipelines verlassen. Zwar existieren zahlreiche Verbindungen von der Arabischen Halbinsel ans Rote Meer oder über den Irak und die Türkei ans Mittelmeer. Abgesehen von den höheren Transportkosten könnten sie mit ihrer limitierten Kapazität nur einen Bruchteil dessen transportieren, was Supertanker auf dem Seeweg befördern. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen derzeit an einer Pipeline, welche das Nadelöhr Hormus umgeht. Sie führt von Abu Dhabi nach Fujairah am Golf von Oman. Sie ist allerdings noch nicht fertiggestellt und hat ebenfalls eine begrenzte Kapazität von 1.5 Millionen Barrel pro Tag.
Aus der jüngeren Geschichte
Vor nicht allzu langer Zeit drohte die Strasse von Hormus schon einmal zum Casus Belli zu werden. Mitte der 1980er-Jahre trat der Konflikt zwischen Iran und Irak in die Phase des sogenannten Tankerkriegs im Persischen Golf. Beide Länder versuchten durch Angriffe auf Handelsschiffe und Öltanker den Gegner vom Welthandel abzuschneiden. Der irakische Diktator hatte allerdings noch einen Hintergedanken: Letztlich wollte er den Iran dazu bringen, in seiner Verzweiflung die Strasse von Hormus zu schliessen und damit die USA in den Krieg hineinzuziehen. Wohlwissend, dass sie gegen den «grossen Satan» keine Chance hätten, liessen sich die Iraner nicht zu diesem Schritt provozieren – und werden es wohl auch 2012 unterlassen.
(kri)
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Alle 22 Kommentare

























Seerechtsübereinkunft
Die USA, Oman und Iran haben die SRÜ (Seerechtübereinkunft) nie Ratifiziert. Weiter liegt die Einfahrt in den Golf nun mal in iranischen Hoheitsgewässern - und diese darf ein Staat sperren. Auf andern Portalen war die "Drohung" wesentlich differenzierter dargestellt. Es hiess, "Wenn der Westen chinesische oder koreanische Tanker an der Weiterfahrt hindere, schliesse der Iran die Strasse. Ausserdem verlangt auch Oman seit Jahren (erfolglos), dass sich Kriegsschiffe anmelden müssen. Das Risiko einer "ff" Aktion ist sehr hoch (Tonkin, Liberty, Gleiwitz etc.), der Schuldige klar...
Christoph
Schaut die Doku "War on Democracy" und ihr wisst was gespielt wird. Geschichte wird von Siegern geschrieben, und ihr seid abhängig von der pro-us-israel medienlandschaft. Traurig, dass man sich in Zeiten von Youtube usw nicht einfach mal informieren kann bevor man eine Hexenjagd aus Unwissenheit startet!
so zu sagen: Verschwörung
richtig...!!!
3-Weltkrieg Theorie
Habe gerade gestern den neusten Kommentar des Schweizer Börsenexperten Marc Faber gelesen. Er ist überzeugt, dass diese Eskalation in den kommenden 5-Jahren den 3-Weltkrieg auslösen wird. Wenn man die derzeit finanzielle Ausweglosigkeit der USA betrachtet, dann könnte diese Theorie durchaus passen. Die Inflation (Gelddruckerei) vernichtet den Dollar und die eingemotteten Rüstungsgüter verschlingen zusätzlich Milliarden. Wenn der Krieg kommt wird inflationiert, was schlecht für Geldwerte aber besser für Aktienwerte ist, also gut für die USA. Leider stimmten Fabers Theorien bisher fast immer.
Wollt ihr das?!
Genau Ausserdem haben RU und China zugesicher Iran zu verteidigen.. auch wenn das ein 3. atomarer WK wird.
Inoffizielle Weltmacht
Sollte dies passieren (und es sieht so aus), gibt es eine neue (offizielle) Weltmacht und zwar Israel.