Chinas Papiertiger

27. September 2012 07:33; Akt: 27.09.2012 09:36 Print

«So etwas zu bauen, dauert sehr, sehr lange»

Im Inselstreit mit Japan lässt China die Muskeln spielen und stellt seinen ersten Flugzeugträger in Dienst – vorerst ohne Kampfflugzeuge. Die fehlen der Marine noch.

Die Liaoning, Chinas erster Flugzeugträger, wird am 25. September 2012 feierlich in Dienst gestellt. (Video: Youtube/ForyourInfoM)
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Der Streit zwischen China und Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer köchelt seit Wochen auf niedriger, aber heisser werdenden Flamme. Am Dienstag hat das Reich der Mitte den ultimativen Trumpf in Seegefechten ausgespielt – «Liaoning», seinen ersten und einzigen Flugzeugträger. Bei der feierlichen Indienststellung am Marinestützpunkt Dalian nahmen Staatspräsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao höchstpersönlich teil. «Der heutige Tag wird als Chinas Eintritt ins Zeitalter der Flugzeugträger in die Geschichte eingehen», wurde Kapitän Zhang Zheng von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert.

Der Kommandant der «Liaoning», die China 1998 aus sowjetischen Beständen erwarb, gestand allerdings ein, dass es bis zu einer «mächtigen chinesischen Marine» noch ein «weiter Weg» sei. Tatsächlich fehlte an der Zeremonie etwas Essentielles: Flugzeuge. Laut Einschätzungen von Militärexperten besitzt China keine Kampfflugzeuge, die in der Lage sind, auf der «Liaoning»zu landen. «Fakt ist, dass dieser Flugzeugträger für die chinesische Marine nutzlos ist», sagte You Ji von der National University of Singapore gegenüber der «New York Times».

Abschreckungspotential beschränkt

Trotz aller patriotischen Fanfaren stellt sich somit die Frage, inwiefern sich die «Liaoning» zur Machtdemonstration eigne. Gegen die US-Marine ist sie laut You Ji chancenlos und gegen seine kleineren Nachbarn wäre ihr Einsatz unverhältnismässig – mit Ausnahme der vietnamesischen Luftwaffe, deren russische SU-30-Kampfflugzeuge dem Koloss gefährlich werden könnten: «Sollte der Flugzeugträger im Südchinesischen Meer von den Vietnamesen beschädigt werden, wäre das ein immenser Gesichtsverlust», sagte er. «Das ist es nicht wert.»

Bisher haben chinesische Piloten lediglich simulierte Flugzeugträger-Landungen an Land üben können. Um das anspruchsvolle Manöver einer Landung auf einem fahrenden Untergrund zu üben, bräuchte die chinesische Luftwaffe entsprechendes Fluggerät. «So etwas zu bauen, dauert sehr, sehr lange», sagte You Ji. Eine Kopie der flugzeugträgertauglichen, russischen Suchoi Su-33 ist derzeit in Entwicklung und soll frühestens 2016 einsatzbereit sein. Bis dahin wird sich die chinesische Marine mit Helikoptern zufriedengeben müssen.

(kri)