Gesetz in Texas

15. März 2017 14:30; Akt: 15.03.2017 14:30 Print

Politikerin will Männer fürs Masturbieren büssen

Das Abtreibungsgesetz in Texas ist streng. Eine Demokratin will es den männlichen Gesetzgebern nun heimzahlen – mit einem abstrusen Vorstoss.

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Wenn ein Mann sich selbst befriedigt, verschwendet er seinen Samen, statt ihn zu Fortpflanzungszwecken zu nutzen. Abstruser Gedanke? Die texanische Kongressabgeordnete Jessica Farrar schlug vergangenen Freitag ein Gesetz vor, das masturbierende Männer mit einer 100-Dollar-Busse bestrafen soll. Schliesslich sei Masturbation «ein Akt gegen das ungeborene Kind» und gegen die «Unantastbarkeit des Lebens». Mit ihrem Vorstoss will die US-Demokratin auf das nach ihrer Ansicht zu harsche Abtreibungsgesetz aufmerksam machen.

Farrars Gesetzentwurf fordert ausserdem eine 24-Stunden-Wartefrist für Männer, die sich einer Vasektomie oder einer Dickdarmspiegelung unterziehen wollen oder die sich Viagra verschreiben lassen wollen. Mit der House Bill 4260 wolle sie die männliche Gesundheit schützen, schreibt die «Houston Press». Dass ihr Vorschlag nicht durchkommen wird, weiss die Politikerin – sie meint ihn auch nicht wirklich ernst. Vielmehr wolle sie männlichen Gesetzgebern zeigen, wie es ist, wenn der Staat sich in intime medizinische Belange einmischt.

Ihr Entwurf spiegle reale Gesetze in Texas, schrieb Farrar auf Twitter.


«A Woman's Right to Know»

«Schauen wir uns an, was Texas den Frauen angetan hat», sagte die 50-Jährige zu CNN. «Was, wenn Männer die gleichen aufdringlichen Prozeduren erleben müssten?» In dem republikanischen US-Bundesstaat müssen Ärzte abtreibungswilligen Frauen eine Broschüre mit dem Titel «A Woman's Right to Know» («Das Recht einer Frau, zu wissen») zu lesen geben. Kritiker werfen den Machern der Schrift vor, falsche und ideologisch sowie religiös gefärbte Inhalte zu verbreiten, die Patientinnen von einem Schwangerschaftsabbruch abbringen sollen.

In einem Abschnitt des Prospekts heisst es demnach, dass es eine Verbindung zwischen Brustkrebs und Abtreibungen gebe – eine Behauptung, für die Studien keinen Beweis gefunden haben. Zudem erlaubt Texas keine Abtreibungen nach der 20. Schwangerschaftswoche, es sei denn, das Leben der Frau ist gefährdet. Selbst wenn der Fötus eine tödliche Krankheit hat, muss die Schwangere das Kind austragen. Frauen, die abtreiben lassen wollen, müssen eine Ultraschalluntersuchung machen und sich das Bild ihres ungeborenen Kindes erklären lassen.

Nicht nur das Gesetz erschwert Abtreibungen in Texas: Es gibt auch kaum noch Kliniken, die Abtreibungen vornehmen. Seit 2014 ist ihre Zahl von 44 auf 18 gefallen, weil der Bundesstaat Ärzten und Einrichtungen harte Beschränkungen auferlegt hat. Diese hat der Oberste Gerichtshof zwar später zurückgenommen, doch entsprechende Kliniken sehen sich nach wie vor Anfeindungen ausgesetzt.

«Sie sollte Biologie-Unterricht nehmen»

In der Folge hat Texas laut Farrar die höchste Müttersterblichkeits-Rate der entwickelten Welt. Einer Studie zufolge hat sich die Zahl der Frauen, die an Schwangerschaftskomplikationen starben, von 2010 bis 2014 verdoppelt.

In ironischer Anlehnung an die Abtreibungsbroschüre hat Farrar ihren Gesetzesvorschlag «A Man's Right to Know Act» genannt. Ihr Vorstoss solle auf die sexistische Doppelmoral hinweisen, so die Demokratin, und auf die Hindernisse, die Frauen im Gesundheitswesen in den Weg gelegt werden.

Von republikanischer Seite bläst der Angeordneten scharfer Wind entgegen: «Ihr Versuch eines Abtreibungsvergleichs offenbart einen Mangel an biologischem Grundwissen», befand das Kongressmitglied Tony Tinderholt. «Sie sollte am Biologie-Unterricht einer Highschool teilnehmen», empfahl der Republikaner. Tinderholt selbst legte kürzlich einen Entwurf vor, nach dem Abtreibungsanbieter bestraft und Frauen, die ihre Schwangerschaft beendet haben, des Mordes angeklagt werden sollten.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oli P. am 15.03.2017 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Manche Länder und Gesetze sind einfach dermassen Fragwürdig...

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  • Karin am 15.03.2017 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde das Unterstützen

    Gut so, denn anders kapieren es die Abgeordneten ja nicht. Schon traurig, das ein Fötus mehr Rechte hat als ein Mexikanischer Einwanderer, und das auf Kosten einer Frau. Sind wir ehrlich, denen geht es darum die Selbstbestimmung einer Frau über ihren Körper zu beschränken, denn würden diese Politiker tatsächlich für "Unantastbarkeit des Lebens" einstehen würde es Alleinerziehenden, Obdachlosen, Waisen und vielen weiteren viel besser gehen. Aber die schwachen und verwundbaren Mitglieder der Gesellschaft werden kaum unterstützt und nur ausgebeutet.

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  • Jochum am 15.03.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Find ich eigentlich gut die Odee dahinter. Lasst leute die abtreiben wollen abtreiben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • xyng lo pen am 16.03.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    erlaubter mord

    an alle abtreiber freaks ihr müsst schon wissen der unterschied zwischen mord und abtreiben ? wenn nicht dann lade ich euch ein steht nebenbei ihr werdet sehen das der fetus bereits lebt bei der abtreibung das nenne ich mord . es gibt immer mehr ärzte die das nicht mehr machen wollen denn sie wissen dass sie täglich mord ausüben - alle rechtfertigungen nützen nicht es bleibt mord auch wenn euren gewissen es so nicht haben will .

  • Benz am 16.03.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Und so was ist im Kongress

    Der Republikaner, der der Frau mangelndes biologisches Verständnis vorwirft dabei aber selber offensichtlich keine Ahnung vom Konzept der Analogie hat.

  • Domi am 16.03.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Spende

    Ich will aber, dass meine Busse über mehreren Millionen für einen guten Zweck gespendet wird. z.B gegen Überbevölkerung

  • L.L_18 am 16.03.2017 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die richtig falsche Lösung

    Verbietet den Männern das Masturbieren und baut damit die Pfeiler eines Vergewaltigungsstaates. Manche Leute sollten wirklich mehr Nachdenken und weniger Reden.

  • Expat am 16.03.2017 03:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist erlaubt

    Ist dann aber Oralverkehr auch verboten, das ist ja dann in diesem Zusammenhang auch Verschwendung des Erbgutes. Ist ja nur eine Frage.

    • Input am 16.03.2017 08:27 Report Diesen Beitrag melden

      Intelligente Nachkommen

      Expat - lies doch einfach mal den Artikel und, vor allem die Kommentare unter den Fotos. Es geht nicht ums Masturbieren, sondern darum, endlich unsinnige Gesetzte über Bord zu werfen. Ich bin im Übrigen nicht davon überzeugt, dass alles so "verschwendete" Erbgut wirklich als Verschwendung gesehen werden muss, denn, wir wollen ja intelligente Nachkommen.

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