Neue Proteste in Ägypten

04. Februar 2012 13:35; Akt: 04.02.2012 14:47 Print

«Das Volk will den Marschall hinrichten»«Das Volk will den Marschall hinrichten»

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, dem Symbol der ägyptischen Revolution, demonstrieren wieder hunderte Menschen. Einige von ihnen fordern gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats.

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Am 4. Februar versuchen zwei Männer, die Demonstranten in Kairo am Werfen von Steinen zu hindern - vergeblich. Bei den neuen Unruhen sind erneut elf Menschen ums Leben gekommen. Die Proteste in Ägypten entzündeten sich wieder, nachdem es an einem Fussballspiel in Port Said im Zuge schwerer Ausschreitungen über 70 Tote gegeben hatte. Die Demonstranten wollen teils nichts geringeres als die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats. Am Rande der gewaltsamen Proteste in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist am 3. Februar im Gebäude der Steuerbehörde in Feuer ausgebrochen. Am 3. Februar stürmten Demonstranten in Kairo ein Gebäude und versuchten es in Brand zu setzen. Die Proteste in Ägypten weiten sich aus. Zwei Personen wurden in der Stadt Suez erschossn Über 600 Fussball-Fans wurden einen Tag nach der Tragödie von Port Said bei einer Demonstration in Kairo verletzt. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Fussball-Fans vor. Vor dem Innenministerium kam es zur Konfrontation zwischen der Polizei und den Demonstraten. Tausende Ägypter marschieren vom Fussballklub Al-Ahly zum Innenministerium. Vor dem Parlamentsgebäude kommt es zu Protesten. Dort entlässt Premierminister Kamal al-Ganzouri in einer Krisensitzung die Spitze des Fussballverbands. Auf dem Sphinx-Platz in Kairo versammeln sich Tausende Fussballfans. Die Trauer um die Toten ist gross. Hier weinen Frauen bei einer Beerdigung eines Opfers der Ausschreitungen. Nach dem Abpfiff einer Fussball-Partie im ägyptischen Port Said zwischen Al-Masry und Al-Ahly Kairo sind am 1. Februar 2012 dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Spieler und Fans in Sicherheit zu bringen. Zuschauer haben den Rasen gestürmt und sollen Jagd auf die Spieler und Fans des Vereins Al-Ahly gemacht haben. Die Spieler von Al-Ahly flüchteten in die Kabinen, wo sie sich einschlossen. Der Mediziner sprach von Chaos und forderte eine umgehende Untersuchung. Die Ordnungskräfte mussten dem Treiben hilflos zusehen. Als Reaktion auf die Gewalt in Port Said zünden auch Fans an einem Fussballmatch in der Hauptstadt Kairo die Tribünen an. Verzweifelt versuchten sie, dem Treiben zu entkommen. «Das ist Krieg, der geplant war», wurde der Mannschaftsarzt von Al-Ahli zitiert. Auf die Spieler war von den gegnerischen Fans regelrecht Jagd gemacht worden. Bei den Ausschreitungen wurden wohl über 1000 Menschen verletzt. Die Fans warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Ein Mann hält in einer Moschee in Port Said Totenwache für seinen Bruder, der bei den Unruhen sein Leben verloren hatte. Am Bahnhof von Kairo warten Krankenwagen und tausende Angehörige und Freunde auf die Rückkehr verletzter Al-Ahli-Fans aus Port Said. Am Bahnhof von Kairo. Eine Militärmaschine transportierte die Verletzten. Sie wurden nach Kairo gebracht, wo sie medizinische Hilfe erhielten. Zahlreiche Verletzte werden von Sanitätern weggetragen. Blutverschmierte Tribünen-Sitze zeugen von den Ereignissen am Vorabend. 73 Menschen sind bei den Auseinandersetzungen nach dem Fussballspiel vom 1. Februar in Port Said gestorben. Hier trauert ein Mann um seinen Bruder. Zuvor haben Fans der Klubs al-Ahly und al-Zamalek vor dem Fussballstadion in Kairo gegen die Gewaltexzesse am gestrigen Match demonstriert. Am Morgen des 2. Februar warten Menschen am Bahnhof von Kairo auf ihre Angehörigen, die vom Fussballspiel in Port Said zurückkehren. Manche sind verletzt und werden von ihren Freunden getragen. Am 2. Februar treffen sich Al-Ahly-Fans sich vor dem Klubhaus in Kairo und skandieren Anti-Militär-Slogans. Generalstaatsanwalt Mahmoud Abdel-Meguid (2.v.l.) besucht am Tag nach den Ausschreitungen das Stadion von Port Said. Der Gouverneur von Port Said, Mohamed Abdullah, ist zurückgetreten. Die Leiter der Sicherheits- und Polizeibehörde sind suspendiert worden.

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Bei den Protesten gegen den regierenden Militärrat in mehreren Städten in Ägypten sind mindestens elf Menschen getötet worden, wie am Samstag aus Sicherheitskreisen verlautete. Tausende Menschen hatten am Freitag den Rücktritt des Militärrats gefordert, der überwiegend aus langjährigen Gefolgsleuten des vor einem Jahr gestürzten Machthabers Hosni Mubaraks besteht.

Auslöser war das Blutbad in einem ägyptischen Fussballstadion am Mittwoch, bei dem mindestens 74 Menschen getötet wurden. Viele Menschen werfen den Sicherheitskräften vor, dort absichtlich untätig gewesen zu sein.

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten sich am Samstag wieder hunderte Demonstranten. Viele forderten eine Reform der Polizeikräfte, andere aber auch gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats.

Aufruf zur Einigkeit

Nach den Stadionkrawallen am Mittwoch in Port Said warfen die Protestierenden den Sicherheitskräften Versagen, teilweise auch absichtliche Untätigkeit vor. In Sprechchören forderten sie am Freitag die Hinrichtung des Vorsitzenden des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi. «Das Volk will den Marschall hinrichten», riefen die Demonstranten. Mit Helmen und Gasmasken bahnten sie sich in Kairo ihren Weg Richtung Innenministerium. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ein Regierungsgebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite in Flammen auf.

Bei den Protesten am Freitag wurden alleine fünf Menschen in der Stadt Suez erschossen, wie ein Polizeisprecher erklärte. Dort hatten Sicherheitskräfte auf tausende Demonstranten geschossen, die sich vor dem Polizeihauptquartier versammelt hatten. Insgesamt sechs Tote gab es am Freitag auch bei den Protesten in Kairo vor dem Innenministerium, wie am Samstag bekannt wurde. Bei den Opfern handelte es sich den Angaben zufolge um fünf Demonstranten und einen Polizisten.

Der regierende Militärrat veröffentlichte am späten Abend eine Stellungnahme, in der er die Ägypter zur Einigkeit aufrief und die gegenwärtige Situation als «gefährlichste und wichtigste Phase in der ägyptischen Geschichte» bezeichnete.

«Das ist eine billige Verschwörung»

Die Demonstranten in Kairo und anderen Städten sowie Abgeordnete des neu gewählten Parlaments werfen der Polizei vor, gegen die Ausschreitungen in dem Stadion nicht entschieden vorgegangen zu sein oder der Gewalt tatenlos zugesehen zu haben. Die Proteste richten sich auch gegen den regierenden Militärrat. Viele vermuten, dass hinter den Stadionkrawallen eine geplante Aktion der Generäle stecke, als Vergeltung für die Schlüsselrolle der als Ultras bekannten Fussballfans bei den Protesten, die zum Sturz Mubaraks geführt hatten.

Die Gewalt in Kairo begann am Donnerstagabend und eskalierte über Nacht. Demonstranten stürmten bei einem Protestmarsch die um das Innenministerium errichteten Barrikaden. Einige Demonstranten warfen mit Steinen und Schuhen und zündeten Autoreifen an, die Polizei feuerte Tränengas und Vogelschrot in die Menge. Hunderte Menschen wurden von Sanitätern behandelt.

In Alexandria zogen Tausende Menschen mit Fotos der bei den Stadionkrawallen Getöteten vor das örtliche Hauptquartier der Streitkräfte. In Port Said protestierten Hunderte gegen die Gewalt gegen Fussballfans am Mittwoch. Auf einigen Transparenten war zu lesen: «Port Said ist unschuldig, das ist eine billige Verschwörung.»

(dapd)

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  • Heinz Schröter am 04.02.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Cui Bono?

    Wer steckt wirklich hinter dem Fussballmassaker? Cui Bono? Die Antwort ist zu offensichtlich. Es nützt einzig und allein den Islamisten. Alles, wirklich alles, spricht gegen sie. Sie werden nicht nur von den Militärs gehindert die Macht zu übernehmen, sie haben auch ein grosses Terrornetzwerk aus Fanatikern hinter sich und sie verfügen vor allem über einen bestens funktionierenden Propagandapparat um Gerüchte und Unwahrheiten zu verbreiten und die Tat anderen in die Schuhe zu schieben. Was sie in der ersten Revolution nicht ganz geschafft haben werden sie in einer zweiten sicher gelingen.