Argentinien

06. Juli 2012 00:29; Akt: 06.07.2012 10:09 Print

50 Jahre für Junta-Verbrechen

Der ehemalige Machthaber Argentiniens, Jorge Rafael Videla, ist zu 50 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte den Raub der Babys von Gefangenen der Militärjunta angeordnet.

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50 Jahre Haft: Jorge Rafael Videla hatte den Raub der Babys politischer Gegner angeordnet.

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Videla hatte sich 1976 in Argentinien an die Macht geputscht. Jetzt stand er gemeinsam mit dem letzten Diktator Argentiniens, Reynaldo Bignone, und einer Reihe weiterer Vertreter des alten Regimes vor Gericht.

Die Anklage hatte ihnen vorgeworfen, während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 den Raub von Kindern angeordnet zu haben. Schätzungsweise 500 Neugeborene und Kleinkinder von Frauen, die von den Militärs als Regimegegner verschleppt worden waren, wurden so illegal und unter falschen Namen meist an regimetreue Familien gegeben. Die leiblichen Mütter und oft auch die Väter wurden gefoltert und ermordet.

Jede Spur der politischen Gegner verwischen

Videla und seine Getreuen versuchten während ihrer Zeit an der Macht, jede Spur der bewaffneten linken Guerrillabewegung im Land zu entfernen, weil sie ihrer Meinung nach die Zukunft des Landes bedrohte.

Die bekannteste argentinische Menschenrechtsgruppe, die Grossmütter der Plaza de Mayo, hatte entscheidenden Anteil am Zustandekommen des Prozesses. Nach Schätzungen der Gruppe wurden bis zu 500 Kinder ihren Eltern geraubt, die Zerstörung von Unterlagen machen genaue Zahlenangaben unmöglich.

Die Grossmütter der Plaza de Mayo trugen dazu bei, dass 106 Personen, die Häftlingen als Babys gestohlen wurden, mit Hilfe von DNA-Tests ihre wahre Identität aufspüren konnten. Viele von ihnen wurden, versehen mit einer gefälschten Geburtsurkunde, von Mitgliedern der Junta oder deren Komplizen aufgezogen. Eine Vertreterin der Menschenrechtsgruppe sprach in einer Reaktion auf das Urteil von einem «historischen Tag». Die Justiz habe endlich anerkannt, «dass es einen systematischen Plan zum Raub von Kindern gab, keine Einzelfälle», sagte Tati Almeida vor Reportern.

Die Ex-Generäle sitzen schon hinter Gittern

Videla hatte in dem Prozess ausgesagt, es habe keinen solchen systematischen Plan gegeben und warf inhaftierten Frauen vor, ihre ungeborenen Kinder im Kampf gegen den Staat als menschliche Schutzschilde eingesetzt zu haben.

Sieben der neun angeklagten Militär- und Polizeivertreter wurden zu Haftstrafen zwischen 5 und 40 Jahren verurteilt, die andern zwei freigesprochen. Videla und der zu 15 Jahren verurteilte 84-jährige Bignone verbüssen bereits lebenslange Haftstrafen wegen anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Trotz eines Gesetzes, das Verurteilten über 70 Jahren üblicherweise die Verbüssung ihrer Strafe unter Hausarrest gestattet, sitzen sie hinter Gittern.

(bem/sda)