Demo in Marseille

26. Oktober 2012 16:36; Akt: 26.10.2012 17:10 Print

Was empört diese Französinnen so?

In 75 französischen Städten marschierten die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe auf. Auch in Marseille. Doch wurden Demonstranten nach allen Regeln der Kunst vorgeführt.

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In 75 Städten in Frankreich haben diesen Dienstag, 23. Oktober, rund 1300 Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe mobil gemacht. Dazu aufgerufen hatte die französische Gruppierung «L'association Alliance Vita». Das Motto der Vereinigung, die unpolitisch und überkonfessionell sein will, lautet: «Ein Vater. Eine Mutter. Lügt eure Kinder nicht an.»

Auch in Marseille gingen Dutzende Gegner der Homo-Ehe auf die Strasse. Die Schülerinnen Julia (17) und Auriane (19), beide grundsätzlich Befürworterinnen der gleichgeschlechtlichen Ehe, beobachteten den Aufmarsch die Rechtschaffenen – und wollten ihm etwas entgegensetzen.

Nur: «Es hätte nichts genützt, mit diesen Leuten zu diskutieren. Es hätte auch nichts genützt, sie anzuschreien oder zu beleidigen, das hätte sie nur noch mehr bestärkt», sagte Julia später dem Magazin «Tétu».

Und so besannen sich Julia und Auriane auf Gandhi, Martin Luther King und das Motto «Make love not war» zurück, stellten sich vor all die «Alliance-Vita»-Mitglieder und küssten sich innig. Danach tauchten die beiden Kolleginnen wieder in der Menge unter.

Foto ging um die Welt

Sie hatten ihre Mission erfüllt – wie an den Gesichtern der Demonstranten abzulesen ist. Besser noch: Just in dem Moment, in dem sich die Gesichter der Demonstranten angesichts des Kusses vor Ekel verzogen, drückte der AFP-Fotograf Gérard Julien auf den Auslöser. Wenig später ging das Foto via Twitter um die Welt – ein ansehnliches Plädoyer für Toleranz.

Einer Ifop-Umfrage vom August zufolge waren 65 Prozent der Franzosen für die Öffnung der Ehe. Beim Recht auf Adoption gab es hingegen keine klare Mehrheit unter der französischen Bevölkerung.

Die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare ist eines der Wahlversprechen des sozialistischen Präsidenten François Hollande, der seit Mai im Amt ist. Premierminister Jean-Marc Ayrault hatte Anfang Juli angekündigt, dieses Versprechen bis zum ersten Halbjahr 2013 umzusetzen. Ein erster Gesetzesentwurf soll am 7. November dieses Jahres im Kabinett beraten werden.

(gux)