Kim Jong-nams letzte Worte

17. Februar 2017 13:31; Akt: 17.02.2017 13:31 Print

«Sehr schmerzhaft, sehr schmerzhaft»

Nach der Attacke am Flughafen in Kuala Lumpur soll Kim Jong-nam sofort gemerkt haben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dann stöhnte er nur noch.

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«Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», heisst es beim südkoreanischen Geheimdienst. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam (r.) eine reale Gefahr für Kim Jong-un (l.) darstellte – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf Kim Jong-uns Paranoia zurück. Der Personenkult um die Kim-Dynastie gehört zum öffentlichen Leben in Nordkorea. Der Platz mit den riesigen Statuen von Kim Il-sung und Kim Jong-il in Pyongyang ist ein Pilgerort für Menschen aus dem ganzen Land. (16. April 2012) Ein Foto von 1981 zeigt Kim Jong-nam mit seinem Vater Kim Jong-il. Der Junge sei das Ein und Alles für seinen Vater gewesen, von dessen Grossvater, Staatsgründer Kim Il-sung, aber abgelehnt worden, da das Kind aus einer inoffiziellen Beziehung stammte. Am Dienstag, 14. Februar, war der 45-jährige Kim Jong-nam in Malaysia getötet worden. Offenbar haben ihn zwei Agentinnen vergiftet. Zwei Frauen sollen ihn ermordet haben: Ein südkoreanischer TV-Sender zeigt in den Nachrichten den Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, sowie die beiden Tatverdächtigen vor einem Restaurant in Pyongyang, Nordkorea. (15. Februar 2017) Eine Aufnahme der Überwachungskamera soll eine der Verdächtigen zeigen. (14. Februar 2017) Verstossen, weil er Disneyland sehen wollte: Der getötete Kim Jong-nam ist grosses Thema in den südkoreanischen Medien. (14. Februar 2017) Dieses Bild soll Kim Jong-nam am Flughafen Narita in Tokio zeigen. (4. Mai 2001) Kim Jong-il (rechts), Ende 2011 verstorben, und sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un bei einer Militärparade zu Ehren der Arbeiterpartei Nordkoreas. (10. Oktober 2010) Der 33-jährige Kim Jong-un liebt die grossen Posen, wie etwa diese Selbstinszenierung auf dem höchsten Berg Nordkoreas, dem 2750 Meter hohen Mount Paektu. (18. April 2015) Kim Jong-un ist der dritte und jüngste Sohn von Kim Jong-il. Er gilt als unberechenbarer und grausamer Diktator. Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Jang Song-thaek (links), die graue Eminenz des Staates, hinrichten. (16. Februar) 2012) Der heutige Herrscher Nordkoreas (im Bild eingekreist) soll als Jugendlicher in der Schweiz gelebt haben, wo er ein Internat im Kanton Bern besuchte. Zudem studierte er an der Uni Genf. (Bild ohne Datumsangabe) Kim Jong-nam ist der älteste Bruder von Kim Jong-un. Er war als Nachfolger von Kim Jong-il vorgesehen gewesen, fiel aber in Ungnade. (28. Juli 2011) Kim Jong-il herrschte von 1994 bis Ende 2011. Als der «Geliebte Führer» starb, herrschte in ganz Nordkorea – weitgehend staatlich verordnet – grosse Trauer. (28. Dezember 2011) Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von drei Generationen der Kim-Dynastie regiert. Kim Il-sung (1912–1994) verstand sich als Kommunist. Der erste Herrscher der Kim-Familie hat Kultstatus in Nordkorea. (21. Mai 1987) Während seiner 17-jährigen Herrschaft ging es Kim Jong-il (1941–2011) vor allem um Machterhaltung und Modernisierung des international isolierten Landes. (23. August 2002) Kim Jong-un – hier mit Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangigen Militärs – macht dort weiter, wo sein Vater aufhörte. Parolen sind die Leitlinien der Kim-Diktatur zur Erziehung des Volkes. Das letztjährige Motto lautete: «Verwandeln wir das Land in ein sozialistisches Märchenland.» (18. Februar 2016)

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«Sehr schmerzhaft, sehr schmerzhaft, ich wurde mit Flüssigkeiten besprüht», soll Kim Jong-nam noch gesagt haben, bevor er am 13. Februar am International Airport 2 in Kuala Lumpur zusammenbrach und verstarb.

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Wie die malaysische Newssite «The Star» mit Verweis auf «China Press» schreibt, sei der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un unmittelbar nach der Attacke am Montag mit schmerzverzerrtem Gesicht noch rund 15 Meter Richtung Flughafen-Service getorkelt.

Jong-nam verstarb auf dem Weg ins Spital

Dabei habe der 46-Jährige die Worte «very painful» («sehr schmerzhaft) mehrmals wiederholt. Danach habe Kim Jong-nam nur noch gestöhnt, so «The Star».

Flughafenmitarbeiter brachten den Nordkoreaner in die Klinik des Flughafens. Kim Jong-nam verlor das Bewusstsein — die Ärzte wollten ihn ins Spital von Putrajaya überliefern. Doch bereits auf dem Weg dahin verstarb der sechsfache Familienvater.

Nordkorea soll DNA-Proben liefern

Die Polizei vernahm am Freitag zwei verdächtige Frauen. Eine 28-jährige Vietnamesin war am Mittwoch am Flughafen von Kuala Lumpur gefasst worden, eine 25-Jährige In­do­ne­si­e­rin wurde in der Nacht zum Donnerstag verhaftet. Sie werden beschuldigt, Kim Jong-nam mit Gift ermordet zu haben. Zudem wurde ein Mann aus Malaysia verhört.

Die malaysischen Behörden wollen den Leichnam erst zur Überführung nach Pyongyang freigeben, wenn seine Familie DNA-Proben abgeliefert hat. Bislang habe kein Angehöriger Kim Jong-nam identifiziert.

(vbi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Med Wurst am 18.02.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben...

    in was für einer kranken Welt wir leben. Das Schlimme daran ist,dass sicher auch noch andere Regierungen / Politiker ähnliche solcher Aufträge vergeben,wenn ihnen andere Menschen zu "gefährlich" werden.

  • Randal am 17.02.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    Er wählte Disneyland anstatt Diktatur. Ein Held.

  • Rudolf Keller am 18.02.2017 04:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tragisch

    Eltern kann man sich nicht aus suchen. Sein Schicksal war fatal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Med Wurst am 18.02.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben...

    in was für einer kranken Welt wir leben. Das Schlimme daran ist,dass sicher auch noch andere Regierungen / Politiker ähnliche solcher Aufträge vergeben,wenn ihnen andere Menschen zu "gefährlich" werden.

  • Rudolf Keller am 18.02.2017 04:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tragisch

    Eltern kann man sich nicht aus suchen. Sein Schicksal war fatal.

  • hr.sowieso am 17.02.2017 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt der Geheimdienste

    Können auch genauso Südkoreanische Agenten gewesen sein, oder Amerikanische, oder von der UN.

  • marco corrad am 17.02.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    think about the earth

    wir sind so sehr das, was wir nicht zu sein vermögen ...

  • Randal am 17.02.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    Er wählte Disneyland anstatt Diktatur. Ein Held.