Ist Chávez schwer krank?

09. Dezember 2012 20:17; Akt: 09.12.2012 21:26 Print

Hugo Chávez ernennt Kronprinz

Erstmals hat Venezuelas Präsident einen potenziellen Nachfolger ernannt. Sein Stellvertreter Nicolas Maduro kommt zum Handkuss. «Er ist ein ganzer Revolutionär», sagt Chávez über den 50-Jährigen.

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Im Oktober gewann Chávez die Präsidentschaftswahl in Venezuela überraschend klar.

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Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat nach einer erneuten Krebsdiagnose erstmals einen potenziellen Nachfolger ernannt. Der 58-jährige Sozialist hob am Wochenende überraschend seinen Stellvertreter Nicolas Maduro als Kronprinzen auf den Schild.

«Er ist ein ganzer Revolutionär, ein Mann von grosser Erfahrung trotz seiner Jugend, mit grosser Hingabe und Arbeitsbereitschaft», lobte Chávez seinen acht Jahre jüngeren Weggefährten. «In einem Szenario, das eine neue Präsidentenwahl vorschreiben würde, solltet Ihr Nicolas Maduro wählen.»

Über seine erneute Krebserkrankung informierte Chávez die Bevölkerung am Samstagabend persönlich in einer Fernsehansprache. Bei Kontrolluntersuchungen in Kuba seien wieder Krebszellen gefunden worden, sagte der Präsident umrahmt von mehreren Ministern.

«Es ist absolut notwendig, absolut entscheidend, dass ich mich einem erneuten chirurgischen Eingriff unterziehe.» Er wollte dafür am Sonntag wieder nach Havanna reisen. «Mit Gottes Willen und wie bei den bisherigen Malen auch, werden wir wieder siegreich sein.»

Gast von Fidel Castro

Chávez hat sich seit Juni 2011 drei Mal einer Krebsoperation unterzogen. Dafür reiste der selbsternannte Nachfolger des südamerikanischen Revolutionshelden Simon Bolivar stets nach Kuba - als besonderer Gast seines politischen Mentors Fidel Castro.

Über die genaue Art seines Krebsleidens gibt es kaum offizielle Informationen. So hatte das Präsidialamt in Caracas nach der ersten Erkrankung im vergangenen Jahr erklärt, dass der Beckenbereich von Chávez betroffen sei.

Spekulationen über Krankheit

Die Tatsache, dass Chávez nun erstmals öffentlich einen Nachfolger bezeichnet hat, könnte darauf hindeuten, dass seine Erkrankung weitaus schwerwiegender ist als zuletzt angenommen.

Der Präsident war nach einem leidenschaftlich geführten Wahlkampf noch im Oktober erneut im Amt bestätigt worden. Chávez gilt als einer der weltweit bekanntesten Linkspolitiker. Ebenso bekannt ist er für seine Ausfälligkeiten gegenüber den USA.

Während seiner 14-jährigen Herrschaft hat Chávez die Sozialausgaben dank der sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft massiv erhöht und die soziale Ungleichheit im Land verringert. Gleichwohl leidet das südamerikanische Land unter einer hohen Kriminalität und Inflation. Korruption und Willkür sind in den Staatsbetrieben weit verbreitet.

Gemässigter Weggefährte

Der 50-jährige Maduro war früher Busfahrer und engagierter Gewerkschafter, was ihm Sympathien unter den Chavez-Anhängern einbringen dürfte. Gleichwohl gilt der seit 2006 amtierende Aussenminister unter westlichen Diplomaten als eher gemässigter Weggefährte von Chávez.

«Unter den Spitzen-Chavistas ist er vom Umgang her der ruhigste und umgänglichste Kandidat», sagte ein europäischer Diplomat über den mutmasslichen Nachfolger. Sollte Chávez sein Amt wegen seiner Krebserkrankung niederlegen, müsste innerhalb von 30 Tagen eine Neuwahl stattfinden.

(sda)