Entführter Schweizer

09. Februar 2012 12:35; Akt: 09.02.2012 14:27 Print

Die letzten Bilder von Lorenzo V.Die letzten Bilder von Lorenzo V.

Das philippinische Militär und die Polizei haben die Suche nach dem entführten Lorenzo V. und seinem holländischen Begleiter intensiviert. Wer die Entführer sind, ist weiterhin unklar.

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Hier war die Welt für die Ornithologen noch in Ordnung: E.H. (links) im Gespräch mit dem lokalen Führer Ivan Sarenas kurz vor der Entführung, wie die AFP schreibt. Im Hintergrund sieht man noch Lorenzo V. Der Ostschweizer und sein holländischer Kollege E.H. sollen kurz nach diesen Aufnahmen von einer bewaffneten Gruppe entführt worden sein. Die Polizei veröffentlichte die Fotos nach der Entführung. Zunächst hiess es, die drei Männer seien am 1. Februar 2012 in der Stadt Panglima Sugala verschleppt worden. Inzwischen ist klar: Sie wurden auf dem Meer gekidnappt. Ihrem lokalen Begleiter Ivan Sarenas - einem erfahrenen Wildtier-Fotografen - gelang die Flucht. Der Triathlet sprang nach eigenen Angaben vom Boot der Entführer. Die Polizei untersuchte dieses Boot, es soll angeblich jenes der Entführer sein. Noch fehlt aber jedes Spur von Lorenzo V. und seinem Begleiter. Die Entführer haben sich noch nicht bei den Behörden gemeldet. Es ist auch unklar, wer die bewaffneten Männer waren. Militär und Polizei haben inzwischen die Suche intensiviert, wie es hiess. Mit Sicherheitschecks soll verhindert werden, dass die Entführer es in die Provinz Sulu schaffen. Die Provinz gilt als Hochburg bewaffneter Gruppierungen, die ihren Unterhalt mit Entführungen verdienen. Armeesprecher Randolph Cabangbang teilte bereits einen Tag nach der Entführung mit: «Wir haben bereits Armeeeinheiten für die Befreiung der Ausländer aufgeboten», so Cabangbang weiter. Das Motiv der Entführer war laut dem Sprecher zunächst nicht bekannt. In den vergangen Jahren wurden immer wieder Ausländer von den Abu-Saiaf-Rebellen entführt. Diese stehen der Al-Qaida nahe. Beim Schweizer handelt es sich um den Tierpräparator Lorenzo V. Der 35-Jährige gehört zu den prominentesten Vertretern der Branche und wurde häufig als Experte in den Medien zitiert. Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat nach Auskunft eines Sprechers «Kenntnis von Meldungen über eine Entführung», es sei mit den lokalen Behörden in Kontakt. Auch das niederländische Aussendepartement bestätigt die Entführung eines Staatsangehörigen. Lorenzo V. war nicht zum ersten Mal auf den Philippinen unterwegs. Bereits im April 2009 bereiste er das Land. «Sie sind hierhergekommen, um seltene Vögel zu fotografieren. Die beiden waren total entzückt ob den vielen Tieren», sagte ein lokaler Behördenvertreter. Sein Vorgesetzter bei einem Schweizer Museum sagt: «Lorenzo wollte in der Gegend die seltenen Nashornvögel fotografieren.» V. war nicht nur Tierpräparator, sondern auch Falkner und auch sonst sehr umtriebig. Im indonesischen Ostjava richtete V. im 2010 ein Naturhistorisches Museum ein. «Im Februar wird das Museum die Tore öffnen», sagte er im Januar davor gegenüber dem «St. Galler Tagblatt». Er verschickte dazu Container voll von Zootier-Präparaten. Die verschiedenen Stücke vereinte er zu einer grossen Ausstellung. Der Ostschweizer hat gemäss seinen Freunden nicht das Risiko gesucht. «Lorenzo ist ein vorsichtiger Mensch», sagt sein Chef. V. sei bereits in dieser Gegend gewesen und hätte einen einheimischen Guide organisiert. Wer ihn entführt hat, ist unklar. Im Süden der Philippinen gibt es zahlreiche extremistische Gruppierungen, die sich mit Entführungen finanzieren. «Wir können nur hoffen», sagt ein langjähriger Berufskollege, «dass die Entführer Lösgeld verlangen und er wieder gesund heimkommt.»

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Sie sind ausgezogen, um seltene Nashornvögel zu beobachten, nun fehlt jede Spur von ihnen: Der Schweizer Lorenzo V.* und sein holländischer Begleiter E.H.* sind vor einer Woche im Süden der Philippinen entführt worden. Hunderte von Marinesoldaten suchen seither nach den beiden Europäern, bisher erfolglos, wie Sadikul Sahali, Gouverneur der Provinz Tawi-Tawi, gegenüber dem «Philippine Daily Inquirer» sagt.

Bewaffnete Entführer kidnappten V., H. und ihre lokalen Führer in der Stadt Panglima Sugala. «Wer die Kidnapper sind und was sie wollen, wissen wir immer noch nicht», sagte Polizeichef Rodelio Jocson der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Die Gruppe habe die Behörden bisher nicht kontaktiert.

Geiseln sollen noch nicht in Abu-Sajaf-Hochburg sein

Jocson zeigte sich aber optimistisch, dass die Entführer nicht durch die Marine-Blockade rund um den Archipel in Richtung Sulu geflohen sind. «Wir haben unsere Anstrengungen intensiviert und es gibt keinen Anhaltspunkt, dass sie uns entkommen sind.» Die Provinz Sulu gilt als Hochburg der militanten Abu Sajaf. Die islamistische Gruppierung ist berüchtigt. Sie war in der Vergangenheit nicht nur für terroristische Angriffe auf den Philippinen verantwortlich, sondern soll auch der Al Kaida nahestehen.

Nach den Einschätzungen des Polizeichefs befinden sich die Entführer mit ihren Geiseln irgendwo im Dschungel der rund 307 Inseln im Tawi-Tawi-Archipel. Es seien zahlreiche Insel-Chefs an der Suche beteiligt. Den Suchteams hat sich auch Ivan Sarenas angeschlossen. Der Philippino war der lokale Führer der beiden Geiseln, konnte sich aber retten.

Noch keine Forderungen gestellt

Die philippinische Polizei veröffentlichte ein Bild von E.H., Lorenz V. sowie Sarenas, welches vor der Entführung entstanden ist. Es zeigt die drei im Gespräch. Der Gouverneur machte Sarenas Vorwürfe. Er habe fahrlässig gehandelt, als er H. und V. in das Gebiet geführt habe. Es müsste jedem klar sein, dass es dort bewaffnete Gruppen gebe, die nur auf solche Gelegenheiten warteten, so Sahali. Zudem soll Sarenas die örtlichen Behörden nicht zum Schutz aufgeboten haben..

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist über die Entführungen informiert und steht im Kontakt mit den Behörden vor Ort. Zur aktuellen Lage wollte sich das EDA nicht äussern – zum Schutze des Schweizers. Governeur Sahali sagte gegenüber dem «Inguirer», dass er täglich mit dem EDA und den niederländischen Behörden telefoniere, «aber auch sie haben bisher noch nichts von den Geiseln gehört».

(amc)