Abu Bakr al-Baghdadi

16. Juni 2017 11:17; Akt: 16.06.2017 11:17 Print

Der «unsichtbare Scheich» der IS-Terrormiliz

Der einer Bauernfamilie entstammende Chef des «Islamischen Staats» regiert sein «Kalifat» aus dem Verborgenen und wurde schon mehrmals für tot erklärt.

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Der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, soll Ende Mai durch einen russischen Luftangriff ums Leben gekommen sein. Sein Tod macht nicht das erste Mal Schlagzeilen – in der Vergangenheit hatten irakische Sicherheitskräfte schon mehrfach gemeldet, al-Baghdadi sei verletzt oder getötet worden. Die Berichte, unter anderem vom November 2014 und März 2015, bestätigten sich jedoch nie.

Al-Baghdadi steht seit Mai 2010 an der Spitze der Terrormiliz, die als Al-Qaida-Ableger im Irak begann. Die sunnitischen IS-Fanatiker hatten im Sommer 2014 Teile des Iraks und Syriens erobert. Al-Baghdadi (deutsch: der aus Bagdad Stammende) hatte dort ein «Kalifat» ausgerufen und bezeichnet sich seitdem als «Kalif Ibrahim», als «Führer der Gläubigen» und als Nachfolger des Propheten Mohammed.

Nur ein öffentlicher Auftritt

Darüber brach al-Baghdadi mit al-Qaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken. Die USA setzten ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn aus, das sie zuletzt im Dezember 2016 auf 25 Millionen Dollar erhöhten.

Der IS-Chef tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf. Lange war deshalb unklar, wie al-Baghdadi aussieht, bis er überraschend wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mosul auftauchte und die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich nicht mehr.

Drei Ehefrauen, zwei Kinder

Nach offiziellen irakischen Angaben wurde al-Baghdadi am 1. Juli 1971 als Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri in Samarra geboren. Er ist der drittälteste von vier Söhnen und entstammt einer Familie von Bauern. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003 befand er sich in US-Haft im Irak. Eine Zeit lang war er in Abu Ghraib interniert, danach im Camp Bucca. Nach dem US-Einmarsch im Irak soll er sich erstmals Aufständischen der Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna angeschlossen haben.

Al-Baghdadi soll eine syrische und zwei irakische Ehefrauen und mindestens zwei Kinder haben. Seine erste Frau heiratete er um das Jahr 2000 herum. Eine Ex-Frau wurde 2014 im Libanon verhaftet, ein Jahr später kam sie bei einem Gefangenenaustausch mit der Al-Nusra-Front frei.

Seit 2014 haben die Islamisten des IS in den von ihnen eroberten Gebieten zahlreiche Gräueltaten begangen – von Enthauptungen über Vergewaltigungen bis hin zu Massenhinrichtungen und Verbrennungen ihrer Opfer bei lebendigem Leib.

(mlr/sda)