Schmidt in Nordkorea

07. Januar 2013 18:52; Akt: 07.01.2013 18:52 Print

Was macht der Chef von Google in Kims Reich?

von Peter Blunschi - Google-Boss Eric Schmidt besucht Nordkorea, das Land mit der weltweit schärfsten Internet-Zensur. Eine «humanitäre Mission» – oder Signal für eine Öffnung?

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Eric Schmidt (l.) nach der Landung in Pjöngjang. Rechts Delegationsleiter Bill Richardson. (Bild: Keystone/AP/David Guttenfelder)

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Es ist ein Trip, der Fantasien beflügelt. Am Montag traf Eric Schmidt, der frühere CEO und heutige Verwaltungsratspräsident des Internet-Giganten Google, in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ein. Er gehört einer Delegation an, die von Bill Richardson geleitet wird, Ex-Gouverneur von New Mexico und ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten Nationen. Offiziell handelt es sich um eine «humanitäre Mission» – die Amerikaner wollen sich unter anderem um die Freilassung eines inhaftierten US-Bürgers koreanischer Herkunft bemühen.

Seit die Reisepläne letzte Woche publik wurden, jagen sich jedoch die Spekulationen. Was hat der Google-Chef in dem abgeschotteten Land zu suchen, in dem der Zugang zum Internet so restriktiv gehandhabt wird wie nirgendwo sonst? Die meisten Nordkoreaner müssen sich mit einem staatlichen Intranet begnügen, wenn sie überhaupt Zugang zu einem Computer haben. Die weite Welt des Web ist nur etwa 4000 Mitgliedern der Elite zugänglich, schrieb der ehemalige Asien-Berater des früheren US-Präsidenten George W. Bush, Victor Cha, auf der Website des Center for Strategic and International Studies.

Ein Gegenbesuch

Bill Richardson betonte, dass es sich nicht um eine «Google-Reise» handle. Er sei sich aber sicher, dass Eric Schmidt sich «für wirtschaftliche Themen und den Aspekt der sozialen Medien» in Nordkorea interessiere. Es sei unwahrscheinlich, dass der Suchmaschinen-Betreiber in Pjöngjang ein geschäftliches Projekt anstossen werde, meinte Victor Cha. Und doch sei es faszinierend, dass eine solche Reise überhaupt zustande komme: «Ein Staat, in dessen Zentrum die restriktive Informations-Kontrolle steht, empfängt ein westliches Unternehmen, das den schrankenlosen Informationsfluss wesentlich erleichtert.»

In gewisser Weise handelt es sich um einen Gegenbesuch: Im April 2011 hatte eine Delegation nordkoreanischer Beamter die USA bereist und gemäss der «Los Angeles Times» auch das Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View besucht. Für Peter Beck von der Asia Foundation in Washington, einer Mitorganisatorin dieser Reise, gibt es «beträchtliche gegenseitige Interessen» zwischen Google und Nordkorea. Das isolierte Land sei die «letzte Aussengrenze» in Sachen Internet. Google könne bei deren Erschliessung «ein sehr starker Partner» sein, meinte Beck gegenüber der Voice of America.

Reformpläne schon weit fortgeschritten?

Da wirkt es mehr als nur zufällig, dass Nordkoreas neuer Machthaber Kim Jong-Un in seiner Neujahrsansprache einen «radikalen Wandel» angekündigt hat, der die völlig verarmte Volksrepublik, in der viele Menschen an Unterernährung leiden, in einen «wirtschaftlichen Riesen» umwandeln soll. Der Tech-Sektor spielt in den Plänen des jungen Diktators, der einen Teil seiner Schulbildung in der Schweiz erhielt, eine wichtige Rolle. Bei der wirtschaftlichen Öffnung lässt sich das kommunistische Land laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von deutschen Ökonomen und Juristen beraten.

Es gebe bereits einen Masterplan, mit dem ausländische Investoren angeworben werden sollen, sagte einer der beteiligten Wissenschaftler: «Die wollen die Öffnung noch in diesem Jahr.» Ob sich Kim Jong-Un durchsetzen kann, hängt vom Militär ab, das unter seinem Vater Kim Jong-Il zur wichtigsten Institution im Staat wurde und das auch die Wirtschaft kontrolliert. Das Militär werde die Kontrolle nicht abgeben wollen, meinte der deutsche Experte gegenüber der FAZ, «daher ist überhaupt nicht ausgemacht, dass die Reformansätze durchkommen.» Die Reise des Google-Chefs könnte dann nur eine Episode bleiben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tomy am 07.01.2013 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmidt tut das einzig richtige!

    Nämlich einen Schritt zugehen auf Nordkorea. Der Junior ist vielleicht bemüht um eine Öffnung. Übrigens wollte schon der alte Herr Kontakte zu den USA ausbauen und wurde damals von Clinton tatsächlich erhört! Nur wurde dies dann von der Busch-Regierumg leider wieder total ignoriert worauf sich die Fronten ja bekanntermassen wieder verschärften.

  • Pat Heiziger am 07.01.2013 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Doch plötzlich Öffnung?

    Kommt da etwa die schweizer Freiheit bei Kim Jong-Un zum Vorschein? Den Anschein hats! Wäre ja wohl für das Volk und auch den Rest der Welt am Besten! Träume sind ja erlaubt und müssen nicht unbedingt solche bleiben (siehe DDR)... Aber das Militär spuckt dann gern mal in die Suppe, Kim!

  • J. Meyer am 07.01.2013 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mal abwarten

    Könnte durchaus möglich sein, das der Junior andere Pläne hat, als sein Senior selig. Doch wie im Bericht bereits erwähnt, dürfte die Elite des Militärs wohl was dagegen haben. Wurden deshalb ranghohe Militärs kürzlich ein Kopf kürzer gemacht? Für NK wäre das wirklich ein Segen, könnte sich das Land dazu entschliessen, oder besser gesagt, die Elite sich dazu entschliessen, das Land zu öffnen. Muss ja nicht gleich sperrrangelweit geöffnet werden, sondern Schritt für Schritt. Und davon abgesehen, auch die Elite könnte dadurch profitieren, nicht nur das Volk, wobei Letzteres mehr davon hätte.

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  • Pat Heiziger am 07.01.2013 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Doch plötzlich Öffnung?

    Kommt da etwa die schweizer Freiheit bei Kim Jong-Un zum Vorschein? Den Anschein hats! Wäre ja wohl für das Volk und auch den Rest der Welt am Besten! Träume sind ja erlaubt und müssen nicht unbedingt solche bleiben (siehe DDR)... Aber das Militär spuckt dann gern mal in die Suppe, Kim!

  • Tomy am 07.01.2013 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmidt tut das einzig richtige!

    Nämlich einen Schritt zugehen auf Nordkorea. Der Junior ist vielleicht bemüht um eine Öffnung. Übrigens wollte schon der alte Herr Kontakte zu den USA ausbauen und wurde damals von Clinton tatsächlich erhört! Nur wurde dies dann von der Busch-Regierumg leider wieder total ignoriert worauf sich die Fronten ja bekanntermassen wieder verschärften.

  • J. Meyer am 07.01.2013 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mal abwarten

    Könnte durchaus möglich sein, das der Junior andere Pläne hat, als sein Senior selig. Doch wie im Bericht bereits erwähnt, dürfte die Elite des Militärs wohl was dagegen haben. Wurden deshalb ranghohe Militärs kürzlich ein Kopf kürzer gemacht? Für NK wäre das wirklich ein Segen, könnte sich das Land dazu entschliessen, oder besser gesagt, die Elite sich dazu entschliessen, das Land zu öffnen. Muss ja nicht gleich sperrrangelweit geöffnet werden, sondern Schritt für Schritt. Und davon abgesehen, auch die Elite könnte dadurch profitieren, nicht nur das Volk, wobei Letzteres mehr davon hätte.

  • Mark am 07.01.2013 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Doch keine Hinterwäldler?

    Ich habe langsam das Gefühl, dass Norkorea doch nicht so hinterwäldlerisch ist, wie es und die Presse gerne in den letzten Jahren verkaufen wollte.. ist dieser Staat vielleicht doch weiterentwickelter als Gedacht? Man wird sehen!

    • Vanessa am 07.01.2013 19:49 Report Diesen Beitrag melden

      NK freut sich auf Touris!

      Sie können gerne NK besuchen und werden selbst sehen wie fortgeschritten das Land ist, wenn sie unseren Medien nicht trauen!

    • B.H: am 08.01.2013 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Gefühl

      Vielleicht stimmt Ihr Gefühl. Kempinski, GOOGLE, Sawiris und andere sind wohl kaum dumme Romantiker. UND NK hat wichtige Rohstoffe, besonders seltene Erden! Ich hoffe, dass es NK gelingt einen eigenen und mutigen Schritt in die Zukunft zu tun. Eine Revolution durch das Staatsoberhaupt wäre genial. Viel Glück!

    • Antikommunist am 08.01.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Augen auf und nicht alles glauben....

      Mark, Das denke ich auch, dass in westlichen Medien die negativen Dinge von NK äusserst schlecht dargestellt werden und das "gute" nicht bemerkt wird. Dafür gibt es aber You-tube mit neueren Berichten mit Reisedoku u.s.w! Mal schauen und eigene Meinung bilden! Papier nimmt alles an!!! Gerne reise ich mal dahin!

    • Auslandschweizer am 08.01.2013 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      Nord Korea ist Wunderschön

      Ich fliege nun schon seid 3 Jahren mit meiner chinesischen Freundin via Peking nach Nord Korea um Urlaub zu machen. Im westen wird immer die Chinesische/Nordkoreanische Propaganda betont. Nur wenige von uns Westerln überzegen sich selbst von dem was unsere schönen Medien schreiben. Irgendwo zwischen der West und Ost Propaganda liegt die Wahrheit. Liebe Schweizer WACHT AUF!!!! glaubt nicht jeden Mist in der Zeitung. grüsse aus Shanghai

    • Reisender am 08.01.2013 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht entwickelt

      Ein Bekannter von mir hat das Land mal auf einer Reise besucht und das ist schon gewissermassen eindrücklich. Man musste jegliche Kommunikationsmittel bei der Einreise abgeben und erhält diese erst bei der Ausreise zurück. Dann wird man während der ganzen Tour von einem Führer begleitet - man darf sich nicht frei im Land bewegen. Nichtsdestotrotz können die vielen negativen Eindrücke nicht verborgen werden. Leere Strassen, leere Läden, Kontrolle überall. Faszinierend mag es trotzdem sein für einen Westler, aber faszinierend auf eine paradoxe Art und Weise.

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