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Das Töten geht weiter
09. Februar 2012 09:27; Akt: 09.02.2012 17:48 Print
Offensive in Homs fordert Dutzende Tote
Wie kann das Blutvergiessen in Syrien gestoppt werden? Über diese Frage will der syrische Nationalrat beraten. Derweil starben in Homs erneut über 30 Menschen.
Nach fast elf Monaten der Gewalt in Syrien erwägt die Arabische Liga eine gemeinsame Beobachtermission mit der UNO. Unterdessen nimmt der Beschuss der syrischen Stadt Homs kein Ende. Mindestens 57 Zivilisten sollen am Donnerstag getötet worden sein.
Infografik SyrienDie arabische Welt im Umbruch Roter Halbmond bringt Hilfsgüter nach BludanEin Team des Syrischen Roten Halbmondes hat am Donnerstag Hilfsgüter nach Bludan gebracht, einer Stadt rund 50 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt Damaskus. Tausende Menschen waren vor der Gewalt in Zabadani nahe der Grenze zu Libanon nach Bludan geflohen.
Unterstützt von Freiwilligen brachte das Team des Roten Halbmondes den Vertriebenen Lebensmittel und medizinisches Material. Die Organisation hoffe, «morgen oder übermorgen» einen ähnlichen Hilfskonvoi nach Homs schicken zu können, sagte Saleh Dabbakeh, Mediensprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Damaskus der Nachrichtenagentur sda in einem Telefongespräch.
«Es sind Gespräche mit den Behörden im Gang, damit in Zusammenarbeit mit dem IKRK ein ähnlicher Hilfskonvoi nach Homs geschickt werden kann», sagte Dabbakeh. Es gebe sicherlich auch in dieser Stadt Vertriebene, die von einem Gebiet in ein anderes hätten fliehen müssten.
Die Organisation Roter Halbmond ist bereits vor Ort und versucht, den Verletzten zu helfen - eine laut Dabbakeh wegen der anhaltenden Gewalt «fast unmögliche» Aufgabe. Aus dem gleichen Grund sei es praktisch unmöglich, die Zahl der Verletzten zu schätzen. In Homs führt der Rote Halbmond auch eine Klinik, die vom IKRK mit medizinischem Material versorgt wird.
«Unsere grösste Sorge ist die Sicherheit der Freiwilligen des Roten Halbmondes und die Tatsache, dass nicht alle Zugang zu medizinischer Versorgung haben», sagte Dabbakeh. Die Freiwilligen würden zwar nicht gezielt ins Visier genommen, bereits seien aber zwei getötet worden.
Dies meldete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Wegen der chaotischen Lage in der Stadt ist es allerdings kaum möglich, eine genaue Opferzahl zu nennen.
Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete unter Berufung auf Regimegegner, landesweit seien am Donnerstag mindestens 126 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden, davon allein 107 in Homs.
Das syrische Regime räumte eine Militäraktion in Homs ein, um anzufügen, diese richte sich gegen «terroristische Banden». Diese seien für die Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich.
Halbmond plant Hilfskonvoi
Homs, die drittgrösste Stadt Syriens, gilt als ein Zentrum des Widerstands gegen das Regime des syrischen Präsident Baschar al- Assad.
Die jüngste Offensive in Homs begann in der Nacht auf Samstag. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden alleine in jener Nacht mindestens 230 Menschen getötet - bis Mittwochabend starben demnach mehr als 400 Zivilisten.
Der Syrische Rote Halbmond hofft, in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in den nächsten Tagen einen Hilfskonvoi mit Lebensmitteln und medizinischem Material nach Homs schicken zu können. Seit Tagen konnten keine Lebensmittel mehr in die Stadt geliefert werden, Essen und Medikamente werden knapp.
Idee einer gemeinsamen Mission
Nachdem die Arabische Liga ihre Beobachter am Mittwoch aufgefordert hatte, Syrien zu verlassen, erwägt der Staatenbund nun einen gemeinsamen Einsatz mit der UNO. Liga-Generalsekretär Nabil al- Arabi habe die UNO «um Hilfe» gebeten und eine gemeinsame Mission vorgeschlagen, sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch (Ortszeit) in New York.
Ban drückte ausserdem sein Bedauern darüber aus, dass der UNO- Sicherheitsrat nicht in der Lage sei, sich mit einer gemeinsamen Stimme für ein Ende des Blutvergiessens in Syrien auszusprechen. Russland und China hatten am Samstag mit ihrem Veto im Sicherheitsrat eine Syrien-Resolution verhindert.
Das Fehlen eines einheitlichen Vorgehens des UNO-Sicherheitsrats habe die syrische Regierung dazu ermutigt, ihre Angriffe auf Zivilpersonen zu verstärken, sagte Ban. «Tausende sind kaltblütig getötet worden.» Dadurch würden die Behauptungen Assads zunichtegemacht, er spreche für das syrische Volk.
Unterdessen verlautete aus ranghohen Kreisen der Arabischen Liga, die Organisation wolle bei einem Treffen in der kommenden Woche darüber beraten, ob der oppositionelle Syrische Nationalrat als legitime Vertretung Syiens anerkannt werden soll.
Der Führungsstab des Rates beriet unterdessen im Golfemirat Katar, wie das Blutvergiessen gestoppt werden könnte. Offenbar wird stärker als bisher auf militärische Optionen gesetzt. Unter anderem wird über Waffenlieferungen an Deserteure diskutiert.
Deutschland weist Diplomaten aus
Aus Protest gegen die Einschüchterung von syrischen Regimegegnern in Deutschland hat die deutsche Regierung am Donnerstag vier syrische Diplomaten ausgewiesen. Aussenminister Guido Westerwelle drohte zugleich mit weiteren Strafmassnahmen. Westerwelle forderte überdies einen Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für den Syrien-Konflikt.
Die Türkei wiederum setzt auf einen neuen Fahrplan zur Beilegung des blutigen Konflikts ein. Nötig sei ein internationales Forum in der Region, bei dem alle wichtigen Staaten vertreten sein müssten, sagte Aussenminister Ahmet Davutoglu dem türkischen Fernsehsender NTV.
(sda)






















