Mugabe mit Katheter?

10. November 2017 21:55; Akt: 10.11.2017 21:55 Print

25-Jährige wird wegen Tweet zur Staatsfeindin

Martha O’Donovan (25) wird vorgeworfen, die Regierung in Simbabwe stürzen zu wollen. Sie hatte sich über Präsident Mugabe lustig gemacht.

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Der Amerikanerin Martha O'Donovan wird in Simbabwe Anstachelung zum Sturz von Mugabe sowie Untergrabung der Autorität des Staatschefs vorgeworfen. Gestern musste sie vor Gericht antraben, kam aber gegen eine Kaution von 1000 Dollar vorerst frei. Die Beschuldigte wies in einer von ihr unterzeichneten Erklärung die Vorwürfe als «unbegründet und böswillig» zurück.

O'Donovan war vergangene Woche wegen eines Tweets festgenommen worden. Dieser legt nahe, dass der 93-jährige Präsident des Landes, Robert Gabriel Mugabe, einen Katheter braucht. «Wir werden von einem egoistischen und kranken Mann regiert», hiess es dazu.

Der Tweet war von einem anonymen Konto abgesetzt worden, das bereits eine grosse Fan-Gemeinschaft im Land hat, darunter auch zahlreiche Journalisten, wie die «New York Times» schreibt. Unter @matigary werden jeweils scharfe Kommentare über den 93-jährigen Mugabe gepostet, der das Land seit 1980 mit harter Hand regiert.

O'Donovan arbeitet für eine Organisation namens Magamba Network, die sich für Demokratie in Simbabwe einsetzt. Die 25-Jährige soll, so die Staatsanwaltschaft, Zugang zu dem regierungskritischen Konto gehabt haben. Ihr Ziel sei gewesen, Aufstände wie in Tunesien oder Ägypten 2011 anzuzetteln.

Mugabe will «Ratten» fangen lassen

«Seine Meinung in einem Tweet auszudrücken, ist keine Straftat», kritisierte der Landesdirektor von Amnesty International, Cousin Zilala. Die Festnahme der Amerikanerin sei das jüngste Beispiel dafür, dass die Behörden in Simbabwe die Meinungsfreiheit verachten.

Im Oktober hatte Präsident Mugabe mit einer Kabinettsumbildung erstmals ein Ministerium für Cyber-Sicherheit geschaffen. Damit sollen seinem Sprecher zufolge alle «Ratten» gefangen werden, die das Internet oder soziale Medien missbrauchen.

Jüngst hatte der Langzeitpräsident zudem seinen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa wegen «Illoyalität» entlassen.

(gux/sda)