Pussy-Riot-Prozess

31. Juli 2012 19:18; Akt: 31.07.2012 19:18 Print

Russisches Volk will Gnade walten lassen

Eine Mehrheit der Russen ist gegen eine Haftstrafe für die drei Mitglieder der Frauen-Punkband Pussy Riot. Gemäss einer Umfrage wollen mehr als 50 Prozent die Frauen lieber mit einem Arbeitseinsatz bestrafen.

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Am zu besprechen. : Pussy-Riot-Mitglied Nadescha Tolokonnikowa darf das Gefängnis verlassen. Kaum in Freheit fordert sie ein «Russland ohne Putin». Nadescha Tolokonnikowa zeigt sich in Siegerpose. Kurz davor war bereits Maria Aljochina freigelassen worden. Ein Amnestie-Gesetz ermöglichte ihre Freilassung. Im Hintergrund steht ihr Anwalt Piotr Saikin. In diesem Gefängnis in Nischni Nowgorod sass Aljochina ein. Die 23-jährige Aktivistin und Mutter tritt aus Protest gegen die «unmenschlichen Haftbedingungen» in den Hungerstreik. Tolokonnikowa war in diesem Gefängnis in Krasnojarsk eingesperrt. : Das höchste Moskauer Gericht bestätigt das Urteil gegen die beiden Inhaftierten Pussy-Riot-Mitglieder und wirft Vorwürfe eines politischen Prozesses zurück. «Sie sind keine politischen Häftlinge, sondern einfach nur Rowdys», heisst es. Maria Aljochina, die eine Woche zuvor in den Hungerstreik getreten war, da man sie von ihrer eigenen Bewährungsanhörung ausgeschlossen hatte, wurde in ein Spital eingeliefert. Wende im Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot. Eine der drei verurteilten Frauen, Jekatarina Samuzewitsch, wird im Berufungsverfahren freigesprochen. Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden. Die zwei anderen Frauen, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, müssten aber für zwei Jahre ins Gefängnis, teilte das Gericht am mit. Der Berufungsprozess gegen die zweijährige Haftstrafe für die drei Frauen wird fortgesetzt. Die Verteidigung befand das Urteil für falsch: Das Gericht habe in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger der Band. Die Polizei markierte Präsenz. Zwei Personen wurden festgenommen. Am 17. August 2012 werden die Mitglieder der Punkband Pussy Riot - Jekaterina Samuzewitsch, 30, Maria Aljochina, 24, und Nadeschda Tolokonnikowa, 23 (v.l.) - wegen Rowdytums «aus religiösem Hass» von einem Moskauer Gericht zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Putin kann nicht gnädig sein: Pussy Riot haben ein . «Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten», schrieb Nadeschda Tolokonnikowa der regierungskritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». An ein unanabhängiges Urteil glaubt die 22-Jährige nicht. «Das ist eine Illusion.» Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Auch am Tag der Urteilverküdung kam es vor dem Gerichtssaal in Moskau zu Tumulten und Verhaftungen. Bei den Protesten wurde laut Nachrichtenagentur Interfax der Oppositionsführer ) Bürgerrechtler aus aller Welt haben für den , Proteste gegen Prozess angekündigt. Amnesty International erkennt die drei Musikerinnnen als politische Gefangene an. statt: Der russische Staat und die orthodoxe Kirche gehen hart gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot vor. Nadeschda Tolokonnikowam, Maria Aljochina und Jekaterina Samutzewitsch (v.l.) am 8. August 2012 im Gerichtssaal. Bereits am Morgen des , stehen Sicherheitskräfte vor dem Gerichtsgebäude in Moskau präsent. Ebenfalls bereits am Vormittag werden die drei angeklagten Frauen ins Gericht gebracht, im Bild Maria Aljochina. Unterstützung erhalten die drei Pussy-Riot-Mitglieder von der ukrainischen Frauenrechtsbewegung Femen. Am 17. August 2012 fällen sie ein orthodoxes Kreuz, das als Zeichen für die Opfer politischer Repression errichtet worden war. Die für Pussy Riot typischen farbigen Sturmmasken auf einem sozialistischen Monument zu Ehren der sowjetischen Armee in der bulgarischen Hauptstadt Bereits in den Tagen vor der angekündigten Urteilseröffnung kommt es weltweit zu Protesten: Vor dem spanischen Aussenministerium in . Selbst in Südamerika protestierten Frauen gegen den Prozess. Zivile Polizisten verhaften Demonstrantinnen vor der russischen Botschaft in . Drei Demonstrantinnen mit den für Pussy Riot typischen Sturmmasken vor der russischen Botschaft in . Das Symbol von Pussy Riot - und inzwischen ein Symbol für den Protest gegen Putin: Farbige Sturmmasken bei einer Demonstration in am 14. August. Unterstützung für Pussy Riot auch in . Hart gingen die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, wo Pussy Riot Filmaufnahmen machte, die zur Anklage führten. Internationale Künstler solidarisierten sich mit den angeklagten Mitglieder der Frauenband. «Nadeschda rechnet nicht damit, dass Putin ihnen vergeben hat», sagt der Ehemann der angeklagten Nadeschda Tolokonnikowa (im Bild). Er konnte seine Frau nach Monaten erstmals Mitte August im Gefängnis besuchen. Tolokonnikowa gab sich am Rande des Prozesses kämpferisch - obwohl der Mutter einer vierjährigen Tochter mehrere Jahre Haft drohten. Die drei angeklagten Mitglieder der Putin-kritischen Punkband mussten sich während des Prozesses in einem Plexiglas-Häuschen im Gerichtssaal aufhalten. Den Prozess ausgelöst hatte ein lautloser Auftritt der Band in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie hatten dort Filmaufnahmen gemacht für das Putin-kritische Lied «Gottesmutter, vertreibe Putin». Internationale Bands setzten sich für die drei jungen Frauen ein. haben sich kritisch über die Gefangenschaft der Musikerinnen geäussert. Auch in Russland protestierten Prominente. Die russische Filmregisseurin Olga Darfy tauchte im Juni 2012 am Moskauer Filmfestival in einer Maske auf - eine Anspielung auf die typischen Sturmmasken von Pussy Riot. Ein Künstler hat sich dabei die Lippen zugenäht.

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Die Mehrheit der Russen hält eine Haftstrafe für die schrille Protestaktion der Punkband Pussy Riot in der Moskauer Erlöserkathedrale gegen Präsident Wladimir Putin für überzogen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada sprachen sich lediglich 33 Prozent der Befragten für ein Gefängnisurteil aus.

Umfrage
Was halten Sie vom Prozess gegen die «Pussy Riot»-Musikerinnen?
85 %
15 %
Insgesamt 1969 Teilnehmer

Mehr als 50 Prozent hielten dies für unangemessen. Für angebracht hielten die meisten Befragten zum Beispiel entweder einen Arbeitseinsatz für das Gemeinwohl oder eine Geldstrafe.

Nur etwa ein Viertel der Russen sah die Anklage wegen «Hooliganismus» als wahren Grund für den Gerichtsprozess. Die meisten Befragten sahen die Kränkung von Gläubigen als Anlass für das Vorgehen der Justiz. 47 Prozent gaben zudem an, dass die Frauen die gesellschaftliche Moral aufs Gröbste verletzt hätten.

17 Prozent waren der Meinung, dass Pussy Riot nur deshalb angeklagt worden sei, weil die Band Putins Rücktritt verlangt hatte. Etwa jeder fünfter Befragte gab an, dass der russische Machtapparat den Prozess initiierte habe, um die Opposition einzuschüchtern. Acht Prozent meinten demnach, dass Putin selbst das Verfahren steuere.

In einer nicht repräsentativen Internet- und Telefonabstimmung des kremlkritischen Radiosenders Echo Moskwy riefen zudem mehr als 70 Prozent der Hörer die Band Pussy Riot auf, ihren politischen Kampf fortzusetzen. Rund 20 Prozent waren der Meinung, dass die Frauen zu Kreuze kriechen und die Kirche um Vergebung bitten sollten.

Den Frauen drohen bis zu sieben Jahre Straflager oder Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • guntern georg am 01.08.2012 00:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bestraffung finde ich gut

    nun vor drei Tagen stand im 20Minuten, dass unsere Jugend selbstverherlicht ist und daher mühe hat... Also so was darf man nicht durchlassen... okay, sieben Jahre gefängniss finde ich zuviel.. Schlimm finde ich an diesen Frauen, dass sie von Respekt reden, aber in wirklichkeit gar keinen Respekt vor anderen haben.. es gibt so viele von diesen Menschen..

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  • Gogol am 31.07.2012 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Mit diesem Prozess zeigt Mr. Putin, wie "klein" er tatsächlich ist! Ein wirklich grosser Mann würde über so etwas stehen, darüber lächeln und mit den Mädels das Gespräch suchen! Lass doch die Kleinen Gören frei, Mr. Putin. Die sind nämlich wirklich niedlich!

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  • Peschä am 01.08.2012 04:57 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Wegen ein bisschen "Musik" kann man doch niemanden in den Knast stecken!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peschä am 01.08.2012 04:57 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Wegen ein bisschen "Musik" kann man doch niemanden in den Knast stecken!

    • MacDubh am 02.08.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht das erste mal

      Du glaubst hoffentlich nicht, dass es das erste mal ist? Über Jahrzehnten ist dies mehrfach passiert, meistens wenn sie gegen Regierungen protestierten. Auch sonstige Künstler A Wei Wei zum Beispiel.

    • Sir Master am 02.08.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Leningrad

      Leningrad ist eine Skapunk Band, welche in Russland gar nicht mehr auftreten darf. Sie haben nur noch Auftritte ausserhalb von Russland, obwohl die Band aus Russland stammt... tja so gehts leider her und zu :( Die sind jetzt nicht politisch, dafür obszön. Doch was wäre wenn Punk nicht mehr politisch und/oder obszön sein darf... ist es dann nich punk?

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  • Putain am 01.08.2012 04:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ein pervertiertes politisches System

    wehrt sich mit pervertierten Machtmitteln.

  • guntern georg am 01.08.2012 00:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bestraffung finde ich gut

    nun vor drei Tagen stand im 20Minuten, dass unsere Jugend selbstverherlicht ist und daher mühe hat... Also so was darf man nicht durchlassen... okay, sieben Jahre gefängniss finde ich zuviel.. Schlimm finde ich an diesen Frauen, dass sie von Respekt reden, aber in wirklichkeit gar keinen Respekt vor anderen haben.. es gibt so viele von diesen Menschen..

    • Götz von Berlichingen am 01.08.2012 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Straffer geht's nicht

      ..und was willst du damit denn nun sagen?

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  • Max B. am 01.08.2012 00:40 Report Diesen Beitrag melden

    Respektlosigkeit

    Was sie gemacht haben, ist Respektlosigkeit! Was würde man hier in der Schweiz die Leute sagen / machen, wenn drei junge Frauen in einem Kirche / Dom so aufführen würden? Wie Affen haben sich benommen, respektlos! Wenn sie demonstrieren wollen, sollen sie an einem öffentlichen Platz das machen. Ps.: ich bin kein Kirchgänger, aber ich finde, sie haben zu weit gegangen. Strafe, ja, aber ermessen!

  • Gogol am 31.07.2012 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Mit diesem Prozess zeigt Mr. Putin, wie "klein" er tatsächlich ist! Ein wirklich grosser Mann würde über so etwas stehen, darüber lächeln und mit den Mädels das Gespräch suchen! Lass doch die Kleinen Gören frei, Mr. Putin. Die sind nämlich wirklich niedlich!

    • weiss nicht am 31.07.2012 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      um was geht es?

      wieso müssen sie den genau ins gefängniss? ,habe das nicht mitbekommen.

    • Sacharow am 31.07.2012 23:24 Report Diesen Beitrag melden

      Putins Anfang vom Ende

      Pussy Riot war vor dem Zwischenfall mässig bekannt in Russland. Dies hat Putin geändert. Das Schicksal der drei jungen Frauen bewegt eine ganze Genertion von Jugendlichen. Viele habem sich mit Pussy Riot solidarisiert. Jeder Tag, den die Drei im Gefängnis sind, schürt die Wut auf Putin. Die nächsten Wahlen wird Putin ebenso verlieren wie die letzten. Die Wahlfälschungen werden das Ausmass der letzten Wahl übersteigen müssen, damit Putin an der Macht bleiben kann. Nur für t. ruther und friends, die hier pro Putin Stimmung machen: Putin erhielt teilweise 120% der "gültigen" Stimmen.

    • Martin A. Huber am 01.08.2012 00:57 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, lächerlich

      Da mimt er bei jeder Gelegenheit den grossen Macho und hat in Tat und Wahrheit keine Eier in den Hosen. Da hätte ich dem kleinen Gernegross schon etwas mehr Selbstvertrauen gewünscht.

    • Harry am 01.08.2012 03:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Das ist nicht lächerlich

      Das ist genau das Vorgehen eines Diktators, der jeden Ansatz von Opposition in Keim ersticken will. Er _kann_ keine Opposition zulassen, da dass der Anfang vom Ende Putins wäre.

    • Mario Lopez am 01.08.2012 04:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Mitleid

      Für diese girls habe ich kein Mitleid . Sie wissen genau wie die Gesetze in Russland sind. Ein Skandal zu machen hat nur mal seine Preis. In arabische Länder wäre der Preis noch höcher

    • r.utz am 01.08.2012 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Meinungsfreiheit für Alle

      eben und die Gesetze sind scheisse! ich finde es mutig von ihnen.

    • Mario Lopez am 01.08.2012 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Das ist Verantwortungslos und Respektlos

      Ich bin zwar kein Kirchgänger aber so etwas in der Kirche an statt in der Strasse zu machen finde ich respektlos.

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