Korruptionsskandal

08. Dezember 2011 21:35; Akt: 09.12.2011 10:15 Print

Die liebe Tochter und der böse Schwiegersohn

Ihr Ehemann steht unter Korruptionsverdacht, doch die Tochter des spanischen Königs Juan Carlos soll nicht angeklagt werden – obwohl sie Vorstandsmitglied der Stiftung war, als die Veruntreuung begangen wurde.

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Die spanische Infantin Cristina und ihr Ehemann Iñaki Urdangarin: Der Schwiegersohn des Königs wird verdächtigt, mehr als eine Million Euro unterschlagen zu haben. (Bild: Keystone)

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In Spanien erschüttert seit Wochen ein schwerer Korruptionsfall die Öffentlichkeit: Der Schwiegersohn von König Juan Carlos I soll in Gemeinden auf Mallorca und an der Costa Blanca öffentliche Gelder in Millionenhöhe ergaunert und zu diesem Zweck seine Zugehörigkeit zum Königshaus benutzt haben.

Der 43-jährige Iñaki Urdangarín steht unter Verdacht, als Vorsitzender einer gemeinnützigen Stiftung zusammen mit seinem Partner Diego Torres in den Jahren 2004 bis 2006 mehr als eine Million Euro unterschlagen zu haben. Diese stammten aus öffentlichen Geldern der Regionalregierungen der Balearen und Valencia. Mit aufgeblähten Rechnungen für «erfundene Dienstleistungen» habe er dann Millionenbeträge an Steuergeldern kassiert. Die veruntreute Summe soll er über die Stiftung an seine Privatfirmen weitergeleitet haben.

Klage gegen Urdangarín – aber nicht gegen Cristina

Die Beweislage ist ziemlich eindeutig: Der königliche Schwiegersohn landet vermutlich vor Gericht. Ermittlungskreise sagten gegenüber der spanischen Tageszeitung «El País», gegen Urdangarín werde wahrscheinlich binnen zwei Monaten Anklage erhoben.

Besonders interessant ist jedoch der Umgang der Königsfamilie mit der 46-jährigen Infantin Cristina. Aus Justizkreisen ist zu entnehmen, dass sie nicht an der Veruntreuung öffentlicher Gelder beteiligt gewesen – das, obwohl sie Vorstandsmitglied der Stiftung war, als die Veruntreuung begangen worden sei. Die Infantin sei angeblich «nicht an den Entscheidungen beteiligt, die Urdangarín im engsten Kreis getroffen» haben soll.

Der König verkleinert den «engen Familienkreis»

König Juan Carlos I reagierte rasch auf die Anschuldigungen gegen seinen Schwiegersohn: Am Donnerstag vermeldete das Königshaus die Absicht, den Familienkreis zu reduzieren. Ab 2012 sollen nur das Königspaar, der Thronfolger Prinz Felipe und seine Ehefrau Prinzessin Letizia sowie deren zwei Töchter Leonor und Sofia zur «Königsfamilie» gehören. Ein genialer Streich: Sind die «schwarzen Schafe» mal aus dem engen Kreis der Familie ausgeschlossen, sind auch die Probleme weg.

Selbstverständlich hatte La Zarzuela, das spanische Königshaus, auch eine weitere Strategie bereit, um den Ruf seiner Tochter reinzuwaschen: Das erste Opfer in diesem Fall ist der persönliche Sekretär der Infantin, der ebenfalls im Verwaltungsrat des unrühmlichen «Instituto Noos» sass. Carlos García Revenga war dort Kassenverwalter. Er gilt bislang als einziger Angeklagter. La Zarzuela behauptet, dass der langjährige Mitarbeiter das Vertrauen der Infantin missbraucht und ohne ihr Wissen die öffentlichen Gelder unterschlagen habe.

(kle)