Staatsfeind Nr 1

17. Juli 2017 12:29; Akt: 17.07.2017 14:27 Print

Wieso fühlt sich China von Winnie Pooh bedroht?

Pooh der Bär ist in China in Ungnade gefallen. Die Kinderbuchfigur wurde weitgehend aus den sozialen Netzwerken der Volksrepublik verbannt.

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Der süsse honiggelbe Bär Winnie Pooh ist in China in Ungnade gefallen. Die Kinderbuchfigur, die auch über Comics weite Verbreitung fand, wurde in den vergangenen Tagen weitgehend aus den sozialen Netzwerken der Volksrepublik verbannt. Der Grund: Präsident Xi Jinping war zuvor im Internet wiederholt in Montagen abgebildet worden, in denen er die Position des Bären «von sehr geringem Verstand» einnahm. Eine offizielle Begründung für die Zensur gegen Pooh gab die chinesische Führung allerdings nicht bekannt.

Im Kurzbotschaftendienst Weibo wurden Nachrichten mit den chinesischen Charakteren aus der Story um den Bären mit dem Originalnamen Winnie-the-Pooh noch weiterverbreitet. Suchanfragen unter dem chinesischen Namen «kleiner Bär Winnie» werden mit einem Error-Zeichen beantwortet. Darin enthalten ist ein Hinweis, es handle sich um «illegalen Inhalt». Im sozialen Netzwerk WeChat wurden Pooh-Sticker aus der offiziellen Sticker-Galerie gelöscht.

«Was hat dieser kleine Honigbär getan?»

Bildmontagen, in denen Präsident Xi mit dem Bären Pooh in Verbindung gebracht wurden, tauchten schon 2013 in den sozialen Netzwerken in China auf: Xi wurden zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama auf einem Spaziergang gezeigt, daneben Pooh der Bär in einer fast identischen Pose mit seinem Kompagnon Tigger. 2014 kam dann eine Montage hinzu, auf der Xi dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe die Hand schüttelt – parallel zu Pooh und dem traurig wirkenden Esel I-Aah.

Die Kommunistische Partei in China wacht argwöhnisch darüber, dass die politische Führung nicht ins Lächerliche gezogen wird. Angesichts der jüngsten Zensurmassnahmen testen viele Mediennutzer die noch verbliebenen Spielräume aus. Bilddateien mit dem Format Graphic Interchange Format (GIF) und Pooh wurden bislang noch nicht von der Mühle der Zensur erfasst. «Armer kleiner Bär Winnie», schrieb ein User bei Weibo. «Was hat dieser kleine Honigbär je getan, um andere zu provozieren?»

(afp)