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Mit E-Mails bedroht
12. November 2012 08:10; Akt: 13.11.2012 14:43 Print
Die dritte Frau in der Affäre Petraeus
Die Affäre um den abgetretenen CIA-Chef Petraeus wirft hohe Wellen. Nun ist bekannt, wer die Liaison beim FBI auffliegen liess. Der US-Kongress verlangt Aufklärung.
Die Mitglieder im US-Kongress sind konsterniert. Über den Fall des zurückgetretenen CIA-Direktors David Petraeus verlangen sie volle Aufklärung. «Wir erhielten keine Vorwarnung. Es war, als hätte der Blitz eingeschlagen», sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein am Sonntag über den plötzlichen Rücktritt des ehemaligen Generals Petraeus.
Infografik Special ForcesDie teuersten Kriege der USAAuch der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses, der Republikaner Peter King, sagte, die Umstände der Untersuchung würden nach einer Vertuschungsaktion des Weissen Hauses riechen. «Wie es scheint, war die Untersuchung bereits seit mehreren Monate in Gang. Nun heisst es, das FBI hätte bis zum Wahltag nicht realisiert, dass Petraeus involviert war», sagte King mit Blick auf die Präsidentschaftswahl Anfang vergangener Woche.
Mobbing-Mails von Broadwell
Die Irritation von Feinstein und King, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorstehen, ist verständlich, weiss doch das FBI laut «New York Times» seit dem Sommer von der Affäre Petraeus' mit seiner Biografin Paula Broadwell.
Wie am Sonntag aus US-Militärkreisen verlautete, verschickte die 40-jährige Autorin und Elitesoldatin belästigende E-Mails an eine Mitarbeiterin des US-Aussenministeriums in Florida. Die E-Mails hätten zu Ermittlungen der Bundespolizei FBI geführt, die wiederum das Verhältnis zwischen Petraeus und Broadwell aufgedeckt hatte.
Nur Freunde
Bei dem mutmasslichen Mobbing-Opfer soll es sich um die 37-jährige Jill Kelley handeln, die als Kontaktperson zwischen dem Aussenministerium und einer Kommandoeinrichtung der US-Streitkräfte fungierte. Eine Gewährsperson, die sowohl die 37-Jährige als auch Petraeus kennt, bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass die beiden ein freundschaftliches Verhältnis verband. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kelley eine Affäre mit Petraeus hatte, schreibt die «New York Times». Seit über fünf Jahren sei ihre Familie mit der Familie Petraeus befreundet, wird Jill Kelley zitiert.
Was ist genau geschehen? Kelley hatte ein halbes Dutzend anonyme E-Mails erhalten. Darin wurde insinuiert, dass sie mit Petraeus flirte und sogar eine Affäre habe. Kelley schaltete das FBI ein, das mit forensischer Technik dem Absender der Mails und letztlich Petraeus auf die Spur kam. Das alles geschah im Spätsommer. Laut «New York Times» bleibt (vorläufig) unklar, wer alles im FBI von der Affäre Petraeus wusste.
Ab wann wusste Obama von der Affäre?
Am 21. Oktober wurde Broadwell ein erstes Mal vom FBI interviewt. Im Anschluss gab sie die Affäre zu und stellte ihren Computer zur Verfügung, auf dem die FBI-Agenten einige vertrauliche E-Mails von Petraeus entdeckten. Broadwell dementierte, dass der CIA-Chef ihr diese vertraulichen Infos zugeschickt hatte. Offenbar ging das FBI davon aus, dass kein Sicherheitsrisiko bestand. Deshalb mussten wohl auch der US-Kongress und das Weisse Haus nicht informiert werden. Robert Mueller, der Direktor des FBI, soll von der Affäre seit Ende Oktober gewusst haben.
Am 6. November, dem Tag der Präsidentschaftswahl, wurde US-Geheimdienstkoordinator James Clapper vom Justizministerium von der Affäre Petraeus in Kenntnis gesetzt. Dieser riet dem CIA-Chef zum Rücktritt. Zwei Tage später, am 8. November, wurde Obama, der soeben die Wahl knapp gewonnen hatte, über Petraeus gebrieft. Am Freitag, 9. November akzeptierte Obama Petraeus’ Rücktrittsgesuch.
(kub)

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